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Netzbetreiber Amprion treibt Konverterprojekt in Meerbusch voran

Bürgerprotest in Meerbusch : Konverter: Amprion bereitet alles vor

Der Stromnetzbetreiber Amprion wartet weiter auf die Genehmigung vom Rhein-Kreis Neuss zum Bau der Anlage. Doch einige Arbeiten sind bereits gestartet. Anwohner kritisieren das Grünkonzept und Fehler in der Kommunikation.

Das weiße Haus an der Greit ist entkernt, die Pflanzen sind gerodet. Alles bereit zum Abriss. „Ich kann mir das gar nicht mehr ansehen“, klagt Wolfgang Miller. Der Osterather ist einer der ersten Protestler gegen den Bau des Konverters und einer von wenigen, die noch aktiv sind. Aber auch Miller sagt nach mehr als neun Jahren Kampf und Diskussionen: „Der Konverter wird wohl nicht mehr zu verhindern sein. Aber es geht ja auch darum, wie hier mit den Bürgern umgegangen wurde und wird.“

Tatsache ist: Das Verfahren zur Genehmigung der Konverterstation in Osterath läuft derzeit noch beim Rhein-Kreis Neuss. Auf Nachfrage hat Landrat Hans-Jürgen Petrauschke den Protestlern am 18. März mitgeteilt: „Eine Genehmigung für den Konverter von hier aus ist bislang nicht erfolgt, sondern die Voraussetzungen dafür werden weiterhin sorgfältig geprüft.“ Aber die Anwohner hatten das zuletzt bezweifelt.

Deutliche Vorwürfe gegen
den Netzbetreiber Amprion

 Wolfgang Miller mit gelben Warnwesten. Diese hängen seit mehr als zwei Jahren als Symbol des Protests an einigen Bäumen in Osterath.
Wolfgang Miller mit gelben Warnwesten. Diese hängen seit mehr als zwei Jahren als Symbol des Protests an einigen Bäumen in Osterath. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Grund für das Misstrauen sind die aktuellen Arbeiten des Netzbetreibers Amprion auf den Flächen, auf denen er die 18 Meter hohe Anlage bauen will. „Amprion will dort mit den Arbeiten vollendete Tatsachen schaffen“, kritisiert Miller. „Eigentlich ist es doch untersagt, vor Erhalt der Baugenehmigung schon anzufangen.“ Für ihn spiegele dieses Vorgehen das Verhalten wider, das Amprion in all den Jahren an den Tag gelegt habe: „Die tricksen und haben die Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt umfassend informiert und mitgenommen.“

Den Vorwurf lässt Joëlle Bouillon, Projektsprecherin bei Amprion, nicht gelten. „Wir haben in Osterath nicht mit dem Bau begonnen. Die Fläche, die wir für den Konverter brauchen, wird lediglich vorbereitet.“ Sie vergleicht das Procedere mit einem Hausbau: „Wenn mir das Grundstück gehört und ich dort neu bauen will, darf ich das alte Haus auch schon abreißen. Das ist noch kein Baubeginn.“ Für das Fällen von fünf Bäumen auf dem Grundstück und den Abriss liegen Amprion entsprechende Genehmigungen vom Kreis vor. Und auch Joëlle Bouillon bestätigt, dass der Rhein-Kreis Neuss den Bau der Konverterstation noch nicht genehmigt hat. „Rein theoretisch“, ergänzt sie, „könnte der Kreis das noch ablehnen.“ Damit Amprion aber sofort mit dem Bau beginnen könne, sobald eine Genehmigung erteilt sei, würden jetzt schon sämtliche Arbeiten erledigt, die auch ohne die Genehmigung möglich seien.

Auch das nun vorgestellte Begrünungskonzept ist eine Voraussetzung für den Bau des Konverters. Dazu sagen Miller und seine Mitstreiter: „Das ist reine Effekthascherei und Kosmetik. Ein solches Ungetüm kann man gar nicht so begrünen, dass es verschwindet. Was ist, wenn die Bäume mal keine Blätter tragen? Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie man 18 Meter hohe Hallen mit Pflanzen unsichtbar machen will.“ Zudem seien zahlreiche Fragen zum Schutz der Gesundheit, zum Gewässer- und Umweltschutz und vielen anderen Dingen noch unbeantwortet. Miller: „Die Gefahr des Konverters kommt von innen, da hilft auch kein Grün.“

 Parallel zu den Abrissarbeiten am weißen Haus bereiten Arbeiter derzeit noch eine andere Fläche vor. Auch das hat bei Spaziergängern für Irritationen gesorgt, denn dort wird bereits zementiert und gebaut. Doch dabei geht es um ein ganz anderes Projekt von Amprion, sagt Bouillon. „Das ist das Projekt Osterath-Weißenthurm. Dabei geht es um eine rund 136 Kilometer lange 380-Kilovolt-Leitungsverbindung von Osterath bis zur Umspannanlage in Weißenthurm bei Koblenz. Die neue 380-Kilovolt-Verbindung ersetzt die vorhandenen 220-Kilovolt-Leitungen, die dafür abgebaut werden.“

Das Ganze ist in sechs Genehmigungsabschnitte unterteilt. Die drei ersten Abschnitte – insgesamt etwa 68 Kilometer – befinden sich bereits seit 2013 im 380-Kilovolt-Betrieb.

Auch der Bau der Leitung zwischen Gohrpunkt und Rommerskirchen ist seit Ende 2019 abgeschlossen. „Im Bereich zwischen Osterath und Gohrpunkt werden die Maste seit Januar 2020 errichtet, aktuell in Osterath“, erklärt die Sprecherin. Die gesamte Leitung soll dann 2022 in Betrieb gehen. Die Konvertergegner, allen vorweg Wolfgang Miller, ziehen ein bitteres Fazit: „„Die Sache ist wohl gelaufen, das ist uns allen klar.“ Doch so ganz aufgeben will er nicht: „Ein bisschen Hoffnung bleibt immer.“