Nachwuchsprobleme im Handball: Ganztag contra Vereinssport

Nachwuchsprobleme im Handball: Ganztag contra Vereinssport

Treudeutsch Lank klagt über Nachwuchsprobleme.

Lank. Die Handball-Abteilung von Treudeutsch Lank hat Nachwuchsprobleme. Das überrascht, denn nicht nur die Senioren sind überregional erfolgreich, auch die Junioren spielen zum Teil höherklassig. Doch Qualität zu garantieren, scheint heutzutage nicht zu genügen, um Talente an einen Verein zu binden. Der TuS Treudeutsch ist da nicht der einzige Verein, der dieses Schicksal beklagt.

Der größte Konkurrent des Vereinssports ist der Offene Ganztag. „Wenn die Kinder teilweise bis nach 16 Uhr in der Schule sind, können sie schlecht um 15.30 Uhr beim Training sein“, erklärt Norbert Kals, Mädchenwart bei den Lankern. Damit sportbegeisterte Kinder das Training am Nachmittag nicht verpassen, würden sie bisweilen morgens die gepackte Sporttasche mit zur Schule schleppen, hat der Vater einer Tochter, die selbst Handball spielt, schon beobachtet.

Hinzu komme, dass an den weiterführenden Schulen darüber nachgedacht werde, Unterricht am Samstag wieder einzuführen. „Das ließe sich in der Jugend bei Auswärtsspielen kaum mit den frühen Anpfiffzeiten in Einklang bringen“, sagt der ehemalige Handballer. Außerdem: Das Turbo-Abitur nach nur zwölf Jahren führe dazu, dass Freizeit bei Kindern ohnehin immer weniger werde.

Besserung wäre in Sicht, wenn die Nutzungsmöglichkeiten der Sporthallen zeitlich etwas nach hinten verschoben würden, so Kals. „Doch in der Forstenberghalle geht ab 22 Uhr nichts mehr. Eine halbe Stunde würde schon helfen. Aber die Stadt sagt, dass Anwohner gestört werden könnten“, so der Funktionär.

Jugendtrainerin Doris Fay weiß, dass es von Vereinsseite in Schulen, Kindergärten und erst recht im Ganztag an Präsenz fehlt. „Aber man benötigt auch qualifizierte Trainer, die am frühen Nachmittag schon Zeit haben.“ Dennoch denkt sie, dass ihr Verein einiges dafür tue, Nachwuchs zu gewinnen: „Bei uns steht das Erlebnis immer noch vor dem Ergebnis. Spiele sind ein Familien-Event.“ Ein Schnuppertraining sei darüber hinaus bis zu zwei Monate ohne Mitgliedszwang möglich.

Dennoch denke man bei Treudeutsch darüber nach, sich mehr nach außen zu öffnen. Das Beachhandball-Turnier an der Forstenberghalle zum Beispiel findet bis jetzt nur vereinsintern statt. „Vielleicht kann man beim nächsten Frühlingsfest auf dem Alten Schulhof einen Sandkasten aufbauen und dort spielen“, schmiedet Kals Pläne.

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