Mit dem Ortskenner durch Meerbusch-Osterath

Manfred Weigand ist Osterath-Fan : Osterath: Viel Natur und Historie

Der Ortsspaziergang führt heute mit Manfred Weigand durch Osterath. Er erzählt dabei über die Geschichte der Straßen und Gebäude.

Rund um Osterath ist es grün. Zum Ortspaziergang hat Manfred Weigand, ehrenamtlicher Fahrradbeauftragter der Stadt, einen Treffpunkt am Grüngürtel entlang der Westumgehung vorgeschlagen. Jogger, Radfahrer, Spaziergänger mit Hunden lieben dieses Areal. Demnächst soll sogar ein Bewegungspark entstehen. Dort hat sich Weigand gerade für eine Ruhepause niedergelassen. „Die Bänke und Tische hat der Verein Pro Osterath gespendet“, erklärt er. Er selbst ist seit vielen Jahren im Vorstand aktiv, war einer der Gründer. „Wir wollten etwas Positives für Osterath tun, als durch die Diskussion um die Ortskernsanierung und die Umgehungsstraße eine negative Stimmung in der Öffentlichkeit war.“

Das ist gelungen. Die Umgehungsstraße und sein großer Grüngürtel („mehr als gesetzlich erforderlich“) sind aus Osterath nicht mehr wegzudenken. „Da vorne steht die Struckslinde. Ein richtig schöner großer Baum“, sagt Weigand. Überhaupt sei bei der Anpflanzung viel Wert auf schöne Bäume gelegt worden: Maronen, Walnuss, Buchen. Er war damals mitten im Geschehen, da er bis 1995 Leiter des Tiefbauamts der Stadt war. Danach wechselte er zu den Wirtschaftsbetrieben, ehe er 2010 in den Ruhestand trat. Er geht weiter zum Friedhof am Bommershöfer Weg. „Das mag ein bisschen morbide sein. Aber ich halte mich gerne auf dem Friedhof auf, weil es so schön ruhig ist und die großen Bäume Schatten bieten“, erzählt der Osterather. Gerne sitze er dort auf einer Bank und lese.

Weiter geht es den Bommershöfer Weg hinunter Richtung Ortszentrum. Durch die Installation einer Schranke, die die Zufahrt zur Westumgehung verhindert, ist es einigermaßen ruhig auf der Straße. „Die Schranke war nicht unumstritten“, weiß Weigand. Er selbst geht gerne zu Fuß oder – noch lieber – mit dem Rad zum Einkaufen.

Gerade wird der Wochenmarkt aufgebaut, der die Fußgängerzone zusätzlich belebt. Radfahrer halten an. Einer kauft ein paar Brötchen, eine Kundin sichtet das Angebot an frischem Obst und Gemüse. Wenn er Lust auf einen Kaffee habe, sitze er gerne auf der Terrasse der Depesche, so Weigand, der Mitglied beim Männergesangverein ist. Ansonsten sei er kein großer Kneipengänger und esse auch lieber zuhause.

Früher verpesteten Lkw und
Autoschlangen die Luft im Ort

Er erinnert sich noch genau, wie es früher war, als er vor 41 Jahren nach Osterath zog: ein Auto hinter dem anderen, Lkw verpesteten die Luft. „Wir haben damals von Pro Osterath eine Demo gemacht,“ erzählt er. Mit Handkarren, Kinderwagen und Fahrrädern hätte man die Straße blockiert. Ein anderes Mal ein Fest auf der Straße gefeiert, um zu zeigen, wie schön es sein könnte.

Genau so sei es heute. Sich dafür engagiert zu haben, darauf ist Weigand ein bisschen stolz. Dass er sich auch noch an anderer Stelle eingebracht hat, sieht man, wenn man auf dem Platz vor St. Nikolaus steht: An dem alten, restaurierten Kirchturm ist eine Kreisbogenuhr angebracht, deren Entwurf von „M. Weigand“ stammt. „Das ist die einzige in ganz Deutschland“, erklärt er. Leider habe die Justierung der Zeiger fast fünf Jahre gedauert, aber nun funktioniere sie fehlerlos. Auch über die katholische Kirche – der Grundriss des Vorgängerbaus ist im Boden markiert – könnte Weigand, der selber evangelisch ist, ganz viel erzählen.

Denn Heimatgeschichte ist sein Steckenpferd. So weiß er, wie früher die Straßen verlaufen sind, welche es gar nicht gab, wo die Pferde gewechselt wurden und wie groß die innerörtlichen Gehöfte waren: Gumpertzhof (heute Rossmann), Ackershof und Plöneshof. „Neben der ehemaligen Gaststätte Taube (heute Ketchup) ist eine Brandgasse, weil sich früher dort eine Schmiede befand“, erklärt er. Auch neben der Eisdiele an der Kreuzung von Willicher und Kaarster Straße gab es solch eine Gasse, weil sich hier, im „Bügeleisen“, eine Bäckerei befand.

Über die Theodor-Heuss-Straße, die es übrigens früher gar nicht gab, geht es jetzt zum Bahnhof. Mit Anschluss an das Gleissystem 1855 kam die Industrie nach Osterath. Und auch Weigand schätzt den Bahnanschluss, um die Umgebung zu erkunden. Gleich gegenüber befindet sich der Osterather Rathaus-Park, in dem Pro Osterath immer am 1. Mai sein Parkfest feiert. Jetzt ist es ruhig, und man kann sich an einem besonderen Kunstwerk erfreuen. Der „Stuhl“ aus schwarzem Granit wurde von dem weltbekannten Künstler Erwin Heerich gestiftet, der bis zu seinem Tod in Osterath wohnte.

Mehr von Westdeutsche Zeitung