Meerbuscher Verpackungsfirma Willy Heckmann feiert 100. Geburtstag

Firmenjubiläum Willy Heckmann : Heckmann verpackt seit 100 Jahren

Die Lanker Verpackungsfirma Willy Heckmann feiert am Freitag Jubiläum.

So viel sich in 100 Jahren auch getan hat – die Kernprodukte, denen die Firma Willy Heckmann ihren Erfolg verdankt, sind gleich geblieben. „Verpackt wird immer“, sagte sich bereits der Gründer, als er sein Unternehmen 1919 mit einem Sortiment von Bindfäden startete. Der Name „Wihedü“, das Kürzel für Willy Heckmann Düsseldorf, wurde zur Marke und erst abgeschafft, als man den Betrieb 1996 von Düsseldorf nach Lank verlagerte. Dennoch geriet die charmante Schöpfung samt knackigem Werbespruch „Mit Wihedü geht‘s wie am Schnürchen“ nicht in Vergessenheit. Sie wird auch präsent sein, wenn am Freitag, 5. Juli, mit 47 Mitarbeitern und deren Familien der 100. Geburtstag gefeiert wird.

Rolf Heckmann (50) übernahm 2017 in vierter Generation die Geschäftsleitung. Er will das Unternehmen in die Zukunft führen. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind Schlagworte, die ihn beschäftigen. „Wir werden zunehmend von Kunden angesprochen, was man noch machen könnte und inwieweit die Produkte recycelbar sind“, erzählt er. Sein Vater Otto-Willy Heckmann (76) bleibt dem Betrieb durch einen Beratervertrag verbunden. Fast jeden Tag radelt er aus Meererbusch nach Lank. „Ich versuche weiterhin, meine Erfahrung einzubringen“, sagt er. „Außerdem kommuniziere ich gerne, brauche das Ganggeflüster und schätze den Kontakt zu den Mitarbeitern. Viele kenne ich seit Jahrzehnten.“

Die Firma bedient gewerbliche und private Kunden

Die Firma Willy Heckmann bedient zweierlei Kundschaft: Gewerbliche Großabnehmer, die ihre Produkte verpacken müssen, und private Endkunden, etwa in Bau- oder Drogeriemärkten. In der Halle in Lank lagern an die 150 Tonnen Gummiringe, dazu Schnüre und Kordeln, Umreifungsbänder zum Schließen von Paketen und Kartonagen, Stretchfolien und Natronklebebänder als umweltfreundliche Alternative zum Klebefilm. Otto-Willy Heckmann beleuchtet die Entwicklung der Warenwelt: Nach dem Ersten Weltkrieg war die Bindfadenherstellung eine riesige deutsche Industrie mit etwa 35 Produktionsstätten. Rohstoffe waren Flachs und Hanf, und wer bei „Wihedü“ eine Lehre machte, musste bis in die 1960er-Jahre eine Bindfadenprüfung ablegen und sich mit gezwirnten Seilen, S- und Z-Drehungen
auskennen.

Nach dem frühen Unfalltod des Gründers 1932 führten dessen Söhne Eldena und Otto-Willy, beide erst Anfang 20, mit Mutter Melly die Geschäfte. Sie tüftelten mehrere Patente aus und begannen mit dem Export. „Durch eigene Ideen ist uns immer eine Spezialisierung gelungen“, sagt Otto-Willy Heckmann, Eldenas Sohn, dem man den Vornamen seines Onkels gab. „Als Jugendlicher habe ich damit gehadert, aber wenigstens bin ich der Einzige, der so heißt“, sagt er und lacht. Im Elternhaus drehte sich alles um die Firma. Wollte er, der im Ausland eine Ausbildung zum Banker machte, je aus dem Gefüge ausbrechen? „Das wurde mir schnell ausgetrieben“, antwortet er. „In einem Unternehmerhaushalt wird man programmiert für dieses Leben, das ja nicht nur eitel Sonnenschein ist. Im Mittelstand wird einem nichts geschenkt. Aber die Firma war jeden Kampf wert.“

Als Junior wurde er ab 1967 knallhart durch alle Abteilungen geschickt. Sein Glück war, dass man ihm mit dem Export früh einen eigenen Bereich anvertraute. Seine Kenntnis der ersten elektronischen Rechner verschaffte ihm einen Vorteil gegenüber den Senioren. Mit seinem Vater Eldena reiste er jedes Jahr wochenlang durch Asien, um neue Partner und Geschäftsfelder zu erschließen. „Es brauchte etwas Langmut, mich durchzusetzen“, erinnert er sich. „Nach außen wurde meine Leistung anerkannt, im Innenverhältnis war das nicht immer so einfach.“

Die Geschichte wiederholte sich, als sein Sohn Rolf 2002 ins Unternehmen einstieg. Auch er musste zunächst allerlei Hürden nehmen und bestätigt mit einem Schmunzeln, was für viele Nachfolgeregelungen gilt: „Mit der Aussicht auf die Vorteile späterer Freiheit sollte man zu einer gewissen Leidensfähigkeit bereit sein. Aber genau wie meinem Vater ist es auch mir am wichtigsten, unser Familienunternehmen zu erhalten. Ich sehe das als Verpflichtung. Und ich würde mich freuen, wenn meine beiden Töchter das eines Tages auch so
empfinden.“

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