Meerbuscher Firma all4track erfüllt Traum vom Rennfahren

Serie Meerbuscher Firmen im Porträt : Sie machen Renn-Träume wahr

Das junge Start-up all4track auf dem Areal Böhler entführt für einen Tag an den Nürburgring – wer es sich leisten kann.

Für viele ist es ein Kindheitstraum, einmal wie die Rennfahrer über die Nürburgring-Nordschleife zu brettern. Junge Menschen können sich das meist nicht leisten, ältere finden oft keine Zeit – so bleibt der Wunsch oft erstmal ein Traum. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem Zeit und Geld zusammenpassen und sie sich den Wunsch vom Rennfahren erfüllen könnten.

Dann können die Gründer der all4track AG, Kilian Weitz und Daniel Schwerfeld, helfen. In diesem Jahr gründeten sie eine Aktiengesellschaft mit der sie sogenannte „Trackdays“ organisieren. „Wir mieten europaweit Rennstrecken an und ermöglichen es Privatleuten und Rennteams, dort zu fahren und das dynamische Fahren auf einer abgesperrten Strecke zu lernen“, so Weitz.

Ihre Kunden kommen früh morgens zur Rennstrecke und können nach der Fahrer- und Spielregelbesprechung und einer Einführung in die Flaggenkunde so viele Runden auf der Rennstrecke zurücklegen, wie sie es wünschen. Fahren können die Piloten sowohl alleine als auch mit sogenannten Instruktoren, die ihnen Hilfestellungen geben.

Das Unternehmen kümmert sich auf Wunsch auch um Reisedetails

Eine besondere Bedeutung haben für all4track die Sicherheitsstandards. Helm, Anschnallgurt und ein guter Zustand des Autos sind Pflicht. Die Coaches sind persönlich ausgesucht und geschult. Das Unternehmen hat eigene Experten dabei, die sich um technische Details wie den Zustand der Reifen und der Bremsen kümmern. Neben dem Fahren auf der Strecke gibt es eine Chill-Out-Area, gesundes Essen und vieles mehr. Zum Service gehören auch Hotelbuchungen und Transfers von und zum Flughafen.

Der Dienst am Kunden hat für Weitz und Schwerfeld oberste Priorität. „Es gibt einige Anbieter in dem Bereich. Aber viele betreiben dieses Geschäft als reines Hobby. Andere haben sich einfach mit ihrer Positionierung in der Branche abgefunden und bieten nichts Neues. Wir möchten dem Ganzen einen Qualitätsstempel aufsetzen. Es gibt die Kunden und ihren berechtigten Anspruch, und dem wollen wir gerecht werden. Persönliche Wertschätzung ist uns wichtig, daher wird jeder individuell betreut“, so Schwerfeld.

Zugute kommt den beiden, dass sie selbst schon seit 20 Jahren in dem Metier aktiv sind. Bereits ein Jahr nachdem er den Führerschein gemacht hatte, zog es Schwerfeld auf die legendäre Nordschleife am Nürburgring. „Das ist die längste und anspruchsvollste Rennstrecke der Welt“, sagt er. Beide kommen eigentlich aus der Immobilienbranche und haben ihr Hobby, das zunächst ein Ausgleich zum Alltag war, zum Beruf gemacht, und arbeiteten nun als Coaches. Im vergangenen Jahr haben sie schließlich beschlossen, zusammen etwas auf die Beine zu stellen „Eine Aktiengesellschaft ist für eine Neugründung recht ungewöhnlich, aber wir wollten es richtig machen und haben einige motorsportbegeisterte Aktionäre gefunden“, so Weitz.

Der größte Vorteil der beiden Gründer ist ihre Erfahrung. „Wir müssen nicht mehr ausprobieren. Wir kennen die Defizite und das Gute des Geschäftes. So ist es uns möglich, das Gute mit unseren eigenen Ideen zu bereichern und auf ein neues Level zu heben“, sagt Schwerfeld. Hinzu kommt, dass die Gründer sich in all den Jahren ein großes Netzwerk schaffen konnten, wodurch sie an Kooperationspartner wie Hotels, Fuhrparks, Rennteams und auch Fahrer gekommen sind.

Am 1. August hat all4track seine Räume in einem für sie umgebauten Speicher bezogen. Das Areal Böhler finden beide perfekt. „Die Autobahnanbindung ist super. Alle wichtigen Rennstrecken befinden sich in einem Umkreis von 300 Kilometern. Außerdem hat Düsseldorf ein internationales Flair“, so Weitz. Die Bündelung von 150 Firmen auf dem Gelände habe zur Standortentscheidung beigetragen. „Das hat einen tollen Marketingeffekt. Wenn unsere Wagen hier für alle sichtbar stehen, ist das eine gute Werbung“, sagt Weitz.

Das persönliche Marketing-Konzept ist den Gründern wichtig. Zudem sind sie in den sozialen Medien präsent und haben eine Website, auf der die Events buchbar sind und es einen „Trackday“-Kalender gibt. Billig ist so ein Aktionstag nicht, das geben die Gründer zu: Die Preise starten bei rund 700 Euro, das ist der Mietgebühr für die Rennstrecken geschuldet. Nach oben gibt es keine Grenzen, da entscheiden letztendlich verschiedene Faktoren darüber, was ein Fahrer ausgeben möchte. Startet er mit dem eigenen Wagen, der im Übrigen kein Rennwagen sein muss, oder mietet er ein Fahrzeug? Lässt er sich von einem Coach anleiten oder fährt er alleine? Wie groß ist die Gruppe, in der er fährt? Braucht er ein Hotel? Das sind nur einige Dinge, die den Preis in die Höhe treiben können. Für alle, die mit Leidenschaft fahren, ist das Geld aber kein Hindernis, dafür verzichten einige auch mal auf ihren Urlaub, erzählen Weitz und Schwerfeld. „Das ist ein dankbares Geschäft. Die Leute freuen sich lange auf so einen ,Trackday’.“

Die Gründer planen einen
Online-Shop für Motorsport-Fans

Auch wenn all4track noch sehr jung ist, wissen die Gründer schon genau, wo es hingehen soll. „Unsere Vision ist es, in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Nummer eins in Europa im Bereich der Premium-,Trackdays’ zu werden. Es soll aber noch mehr hinzukommen“, so Weitz. Zum Beispiel ist ein Online-Shop geplant, für alles, was man zum Motorsport braucht. „Das wird eine Art Amazon für die Motorsport-Szene, eine Mischung aus Shop-System und Informationsplattform. So gebündelt gibt es das aktuell nicht“, erzählt Weitz. Ab dem kommenden Jahr wollen die Gründer erst mal mit eigenen Events starten und ihr derzeitiges Personal von vier Mitarbeitern erhöhen.

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