Meerbuscher besorgt wegen Bohrarbeiten am möglichen Konverter-Standort

Kommt der Konverter nach Osterath? : Bohrarbeiten verunsichern Anwohner

Seit Mitte Mai wird der Boden der Felder am Ingerweg untersucht. Netzbetreiber Amprion will die Planungen vorantreiben.

Über Nacht sind die Maschinen schon wieder ein Stück weiter gewandert. Da ist sich Wolfgang Miller ganz sicher. Er beobachtet die Szenen nun schon seit etwa sechs Wochen. „Mitte Mai ging es plötzlich los, da rollten die Fahrzeuge an“, erzählt er. Seitdem fährt Miller jeden Morgen mit seinem Rad an den Feldern zwischen Greit und Ingerweg in Osterath vorbei, um sich über den Stand der Bohrarbeiten auf den Feldern unmittelbar am Umspannwerk zu informieren.

Seit sieben Jahren kämpft der Osterather gemeinsam mit anderen Anwohnern gegen den geplanten Bau des Doppelkonverters in seiner Nachbarschaft. „Ich bin fest davon überzeugt: Das sind jetzt die finalen Schritte. Uns Anwohnern bleibt nur noch, die Faust in der Tasche zu machen – das war’s.“ Auch Mit-Protestler Peter Ascher beobachtet die Arbeiten mit Sorge: „Für Amprion als Bauherr ist das Bodengutachten unabdingbar, um auf der Fläche bauen zu dürfen und Baurecht zu erlangen. Deshalb finden die Baugrunduntersuchungen statt“, ist der Diplom-Ingenieur überzeugt. Er wertet die Arbeiten ebenfalls als indirektes Startsignal.

Auch weil Netzbetreiber Amprion in der Vergangenheit bereits mehrfach klar gemacht hat, dass die Zeit dränge. 80 Prozent des Projektes könne man unabhängig vom Standort planen, hieß es. Für den Rest müsse man aber die genaue Ortslage kennen, damit sich beispielsweise die Hersteller auf die Gegebenheiten vor Ort einstellen könnten. Offiziell ist die Entscheidung über den Standort noch nicht gefallen. Aber weil die ursprünglich von allen bevorzugte Dreicksfläche in Kaarst als Standort für den Konverter weggefallen ist (dort soll Kies abgebaut werden), gilt der Standort Osterath aktuell als Favorit.

Von Amprion heißt es auf Nachfrage zu den aktuellen Bohrarbeiten in Osterath: „Die Baugrunduntersuchungen sind nötig, um die Konverterstation entsprechend der jeweiligen Fläche planen zu können.“ Ein Zeichen für den Baustart der Anlage sei das aber nicht. „Ohne Baugenehmigung kein Baustart – das kann man sich wie beim Hausbau vorstellen“, sagt Joëlle Bouillon von Amprion. „Da laufen dann auch Vermessungen und ähnliches auf dem Grundstück, aber gebaut werden darf nur, wenn es eine Baugenehmigung gibt.“ Die Sprecherin betont aber auch: „Wir müssen die Planungen weiter vorantreiben. Die Projektfortschritte werden durch die Bundesnetzagentur und auch vom Bundeswirtschaftsministerium kontrolliert.“

Die Ergebnisse der Osterather Bodenuntersuchungen werden dann in die Planung von Siemens einfließen – die Firma hat den Auftrag für den Bau der Anlage. Bouillon erklärt weiter: „Das heißt beispielsweise, dass die Statik der Gebäude, in denen die Technik untergebracht ist, berechnet und die Anlage konkret geplant wird.“

Menschenkette mit
2000 Teilnehmern organisiert

Für Astrid Linn ist es immer noch schwer nachzuvollziehen, dass es so weit kommen konnte. Sie hatte vor sieben Jahren zufällig beim Hundespaziergang von den Konverter-Plänen erfahren und daraufhin eine Bürgerinitiative gegen den Bau der Anlage gegründet. Auch eine Menschenkette mit 2000 Teilnehmern rund um das Gelände hat Astrid Linn organisiert. „Wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch Gänsehaut.“ Genau wie damals geht sie an diesem Morgen mit ihrem Hund Max über die Felder spazieren, rund 200 Meter Luftlinie entfernt wohnt sie seit ihrer Kindheit. „Das ist hier unser letztes Grün“, sagt Astrid Linn. „Wir haben ja schon stillschweigend hingenommen, dass sich das Umspannwerk in den vergangenen Jahren wie eine Krake ausgebreitet hat. Und nun sollen wir hier noch so einen erdrückenden und Angst machenden Koloss vor die Nase gesetzt bekommen?“ So eine „monströse Stromanlage“ passe nicht in die Nähe von Menschen.

Als vor sieben Jahren die ersten Pläne zum Bau des Konverters vorgestellt wurden, galt noch eine andere Fläche als möglicher Standort, und zwar die sogenannte Christbaumfläche, die unmittelbar neben dem Umspannwerk liegt. „Der neue Standort ist nun 350 Meter entfernt von der Ursprungsfläche“, sagt Wolfgang Miller. „350 Meter – das ist ein kleiner Erfolg in sieben Jahren.“ Rückblickend sagt er: „In sieben Jahren wurden wir immer wieder augetrickst und über den Tisch gezogen. Es gab und gibt Möglichkeiten, den Konverter woanders zu bauen, wo es umwelt- und menschenverträglicher wäre, beispielsweise auf der Dreiecksfläche in Kaarst.“ Das sei auch der Wunsch von Amprion gewesen. Miller: „Aber das hat die Politik versemmelt. Ich bin ratlos und verärgert.“ Er will sich nicht weiter irgendwelchen Illusionen hingeben, sagt er. „Das Ding wird hier
gebaut.“

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