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Meerbusch: Wie das Gasthaus Gulasch durch die Corona-Krise kommt

Gastronomie in Meerbusch : Im Lockdown braucht es Erfolgsrezepte

Das Gasthaus Gulasch kommt gut durch die Krise – dank Flexibilität, Einsatz und einer Medienoffensive.

Die Stimmung im urigen Gastraum des Büdericher Gulasch ist besser, als man sie sich in einem Restaurant inmitten eines Lockdowns vorstellen würde. Chef Alex Georgiadis scherzt mit seiner Belegschaft, aus der Küche kommt der Geruch von Gebratenem. „Wenn man die nötigen Voraussetzungen, Einsatzwillen und Kreativität mitbringt, dann ist die Pandemie keine Katastrophe“, sagt Georgiadis.

Bereits im ersten Lockdown haben er und sein Team ihr Angebot auf das Liefern und Abholen umgestellt, die Kellner fahren die Essen aus. „Über Weihnachten haben wir voll durchgezogen, und ich muss sagen, ich bin nicht unzufrieden mit dem Ergebnis“, sagt der Gulasch-Chef. Rund 300 Essen wurden verkauft. Es gilt eine spezielle Lockdown-Karte, auf der beispielsweise Muscheln und Matjes fehlen – zu schwer zu berechnen und zu händeln, sagt der Gastronom. An den Festtagen gab es außerdem spezielle Menüs, etwa Gans oder Rinderfilet.

Georgiadis’ Partner und Küchenchef Sabi Singh hat sich für den Januar noch einmal etwas einfallen lassen, um die Meerbuscher zu Bestellungen im Gulasch zu animieren. Es gibt besondere Angebote, etwa Pulled-Pork-Burger und Butter Chicken.

Damit die Meerbuscher Kult-Gaststätte so gut durch die Pandemie kommt, mussten jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein. Chef Alex Georgiadis sagt: „Wer neu ist, keine Stammkunden hat oder sich auf Getränke und Catering spezialisiert hat, der hat es natürlich schwer.“ Auch, dass sein Team voll mitzieht, sei ein wichtiger Faktor. „Das Bedürfnis der Menschen zu essen, ist ja da. Wir Gastronomen müssen das Angebot aufrecht erhalten und flexibel sein“, fasst Georgiadis seine Strategie zusammen.

Ein wenig Flexibilität brauchen auch seine Kunden. Das Gulasch-Team plant Touren in die Meerbuscher Stadtteile, teils auch ins Umland. „Es kann schon mal vorkommen, dass wir darum bitten, eine Bestellung eine halbe Stunde nach vorn oder hinten zu verlegen, damit das mit unseren Fahrten passt“, sagt der Gastronom. Seine Kellner übernehmen die Fahrten. „Die Gäste freuen sich, wenn der Stammkellner auch das Essen nach Hause bringt“, berichtet einer von ihnen.

Auf diese Weise sei es dem Gulasch sogar gelungen, in der Krise neue Stammkunden zu gewinnen. Anteil daran hat auch Medienfachmann Heiko Kantar, der für das Gulasch die Social Media- und Werbearbeit erledigt. „Er war es, der am Anfang der Pandemie den Anstoß gegeben hat, jetzt nicht die Hände in den Schoß zu legen, sondern die Flucht nach vorn anzutreten“, lobt Georgiadis. Durch verstärkte Präsenz im Internet sei es dem auf gut-bürgerliche Küche spezialisierten Gulasch sogar gelungen, eine jüngere Zielgruppe zu erschließen.

Bisheriger Höhepunkt dieser Medienoffensive ist ein Internetvideo, das das Gulasch in Kooperation mit verschiedenen Meerbuscher Restaurants und Betrieben produziert hat. In der Gaststätte hat jeder Teilnehmer fünf bis zehn Sekunden Zeit, um seine Wünsche, Hoffnungen, Befürchtungen und Erwartungen für das kommende Jahr auszudrücken – ohne jedoch zu sprechen.

Das Ergebnis reicht von Botschaften auf Zetteln und einem Grußwort von Bürgermeister Christian Bommers über eine Mehl-Schlacht bis zu Georgiadis und Singh, die sich mit Bier übergießen lassen.

Das Gulasch-Team blickt jetzt nach vorn, plant Silvester und die Neujahrstage. „Keiner weiß, wie lange wir noch in diesem Modus arbeiten müssen“, sagt Alex Georgiadis. „Aber wenn weiterhin alle an einem Strang ziehen, dann mache ich mir um die Zukunft keine Sorgen.“