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Meerbusch: Verkehrsexperten befragen Bürger für Mobilitätskonzept

Mobilität in Meerbusch : Stadtverkehr auf dem Prüfstand

Das Büro Planersocietät erarbeitet ein neues Mobilitätskonzept. Es soll Maßnahmen entwickeln, wie die Bürger künftig ihre Wege besser und umweltgerechter zurücklegen können. Bei der Lösungssuche sind sie miteinbezogen.

Die Stadt hat das Ingenieurbüro Planercocietät aus Dortmund mit einem Mobilitätskonzept beauftragt. Die Planer sollen in den nächsten anderthalb Jahren ein Verkehrsmodell entwickeln, das die mögliche Entwicklung der Stadt bis zum Jahr 2035 einschließt. Für die Wahl des Büros hatte die Stadt zu Beginn des vorigen Jahres ein Ausschreibungsverfahren gestartet, bei dem sich die Dortmunder Planersocietät durchgesetzt hatte. „Das ist ein sehr erfahrenes Büro, das bereits Mobilitätskonzepte für Städte wie Düsseldorf, Leverkusen, aber auch Willich entwickelt hat“, erklärt Michael Assenmacher, Technischer Dezernent der Stadt. Dass ein solches gesamtstädtisches Mobilitätskonzept nötig ist, wurde zuletzt deutlich, als es um einen neuen Standort für die Feuerwache ging.

Angesichts der geplanten Taktverdichtung für die Stadtbahn-Linie kam die Frage auf, wie sich dies für den Autoverkehr am Bahnübergang Haus Meer auswirkt und wie ständige Staus durch die häufiger geschlossenen Schranken verhindert werden können. Gleichzeitig werden durch eine wachsende Bevölkerung die Straßen immer voller. Und schließlich hat die landesweit anvisierte Mobilitätswende das Ziel, dass möglichst viele Menschen das Auto stehen lassen und stattdessen viele Wege mit dem Rad oder dem öffentlichen Nahverkehr erledigen. 

Wie dieser komplexe und dynamische Prozess in vernünftige und möglichst umweltgerechte Bahnen gelenkt werden kann, sollen die Planer nun ermitteln. Für das Konzept investiert die Stadt 250 000 Euro. Für eine Bestandsaufnahme führt das Team um Projektleiter David Madden eine Befragung von Unternehmen und Interessensverbänden durch.

Als Planungsgrundlage ist außerdem eine Verkehrszählung erforderlich. „Sie macht aber erst Sinn, wenn sich der Verkehr wieder normalisiert hat und Schulen und Kitas wieder geöffnet sind“, sagt Denise Pottbäcker, bei der Stadt zuständig für Klima und Nahmobilitätsmanagement.

Außerdem sollen die Bürger in die Planung miteinbezogen werden. Dazu werden verschiedene Gremien eingerichtet. In einem Arbeitskreis trifft sich die Verwaltung mit Vertretern der Fraktionen und der Rheinbahn sowie Interessensverbänden. Der BUND etwa hat in den vergangenen Jahren systematisch Meldungen von Bürgern über problematische Verkehrssituationen gesammelt.

Darüber hinaus soll nach Möglichkeit das Konzept auch durch Bürgerworkshops begleitet werden. Ob und wann sie stattfinden können, hängt allerdings von der pandemischen Lage ab. In jedem Fall wird es eine Online-Beteiligung für die Bürger geben, für die auch die Bügervereine und weitere Verbände befragt werden.

„Mit einer Online-Umfrage haben wir beim Integrierten Handlungskonzept Osterath gute Erfahrungen gemacht“, sagt Assenmacher. Diese Erfahrung habe gezeigt, dass sich davon auch jüngere Bürger angesprochen fühlen. Diese Zielgruppe zu erreichen sei wichtig, denn schließlich gehe es bei der Planung auch um die Gestaltung der nächsten 15 bis 20 Jahre.

Der Zeitplan der Planersocietät sieht vor, dass im ersten Halbjahr die bisherige Verkehrssituation erfasst und analysiert sowie Mängel und Konflikte ermittelt werden. Ab dem Herbst erstellen die Planer Prognosen zum Verkehr, Parkraum inklusive. Darauf aufbauend werden sie Maßnahmen für das gesamte Spektrum der Mobilität entwickeln – von Fuß- und Radwegen über das künftige Straßennetz bis hin zu Signalanlagen, Parkraumstrategie, Elektromobilität und dem Wirtschaftsverkehr.

Zu den Konfliktpunkten, die untersucht werden, zählt laut Assenmacher auch der Lkw-Verkehr, der vom Krefelder Hafen kommend durch Lank fährt, erklärte Assenmacher. „Wenn man sich von dem Konzept verspricht, dass es danach keine Staus mehr gibt, ist das eine schwierige Erwartungshaltung“, sagt der Technische Dezernent. Denn wenn zu Stoßzeiten der Verkehr frei fließe, berge das die Gefahr, dass dies weiteren Verkehr nach sich ziehe.