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Meerbusch: Soroptimistinnen fördern Projekt in Myanmar

Engagement in Meerbusch : Meerbuscherinnen helfen Flüchtlingen und der Umwelt

Lisa Günther betreibt seit 20 Jahren eine Tanzschule für Kinder und Erwachsene in Büderich. Als Präsidentin des Meerbuscher Clubs Soroptimist International setzt sie sich für zahlreiche Projekte des Frauennetzwerks ein.

Ihre Motivation, sich schon während der Gründungsphase beim Meerbuscher Club Soroptimist International zu engagieren, kann Lisa Günther noch genau benennen. „Meine Tanzschule stand in voller Blüte, die Kinder waren groß. Ich hatte das Gefühl, etwas für mich selber tun zu müssen“, erzählt sie. „Aber nichts Pädagogisches und nichts, was mit meiner Ausbildung zu tun hat.“ Die Visionen der Büdericherin: „Ich sehnte mich nach neuen Horizonten und suchte Menschen, die mich auf andere Weise beflügeln, von denen ich lernen konnte.“ Wünsche, die sich erfüllten.

„Die Inhalte, denen sich das weltweite Netzwerk berufstätiger Frauen verschrieben hat, sprachen mich extrem an, auf lokaler Ebene und auch international. Mich bereicherten die vielfältigen Möglichkeiten, Anregungen und Gedanken.“ Das Highlight aber, fügt sie hinzu, seien ihre soroptimistischen Schwestern, „deren Berufe und Leistungen ich bewundere. Mit diesen Frauen in eine tiefere Diskussion zu kommen, ist einfach schön.“

2011 wurde der Meerbuscher Club gegründet. Lisa Günther arbeitete von Anfang an im Vorstand mit, war zuletzt Vize-Präsidentin. Im Oktober 2020 übernahm sie die Nachfolge von Britta Scholz, froh über die bereits gesammelte Erfahrung. Eine Präsidentin bleibt immer zwei Jahre im Amt. „Aber nicht sie allein gibt die Richtung vor“, erklärt Lisa Günther. „Bei uns wird alles gemeinsam mit dem achtköpfigen Vorstand geschultert. Wir treffen uns jeweils eine Woche vor unserer monatlichen Zusammenkunft und bereiten die anliegenden Themen vor.“

Seit der Pandemie tauscht man sich online aus. Nicht so glücklich, aber auch nicht zu ändern. Zu den größeren Projekten, für die der Club einsteht, gehört das 2019 etablierte „Deutsch-Café“ für Migranten, Flüchtlinge und Meerbuscher Frauen. Auch dort wartet man sehnlichst auf einen Neustart, damit die Nachmittage alle zwei Wochen mit bunt gemischten Gästen wieder aufgenommen werden können.

Am Herzen liegt Lisa Günther und ihren Mitstreiterinnen auch „Meerbusch goes Future“, ein ehrgeiziges Konzept für mehr Nachhaltigkeit. „Wir sind der erste klimaneutrale Club Deutschlands“, berichtet sie stolz. Die Anregung, einen Beitrag für eine gesunde Umwelt zu leisten, kam von Estelle Herlyn, Wirtschaftsmathematikerin und Professorin für Nachhaltigkeit an der FOM Düsseldorf. „Es werden wunderbare Ideen von Mitschwestern in den Club getragen“, sagt Lisa Günther. Zur Kompensierung ihres eigenen CO2-Verbrauchs fördern die Meerbuscherinnen ein Projekt in Myanmar zur Aufforstung des Mangrovenwaldes, das die Nachhaltigkeitsziele der UN umsetzt und bessere Bildungschancen für Frauen anstrebt.

Die Prinzipien von „Soroptimist International“ beinhalten ein hohes soziales Engagement. Das 1920 in Kalifornien gegründete Netzwerk wird bis Ende April in einer Ausstellung im Düsseldorfer Stadtmuseum beleuchtet. Sie ist der Modefotografin Isolde Strauß gewidmet, eine Frau der ersten Stunde bei der Düsseldorfer Clubgründung 1958. Der Begriff Soroptimist ist abgeleitet vom lateinischen „sorores optimae“, die „besten Schwestern“. Man wird aber nicht einfach so aufgenommen. Für eine Mitgliedschaft braucht es zunächst Befürworterinnen und schließlich die Zustimmung aller Clubschwestern. „Das klingt etwas elitär, ist aber sinnvoll“, erklärt Lisa Günther. „Wir hoffen ja auf frische Impulse und müssen schauen, ob es passt.“ Zwei Neue pro Jahr dürfen es schon sein. Um eine Vielfalt zu garantieren, soll jeder Beruf in einem Club nur einmal zur gleichen Zeit vertreten sein. Unter den 32 Meerbuscher Mitgliedern sind je eine Apothekerin, Architektin, Bauingenieurin, Bibliothekarin, Dipl.-Psychologin, Juristin, Kunsthistorikerin, Modedesignerin, Theologin und Zahnärztin.

Präsidentin Lisa Günter ist Sportwissenschaftlerin, Sport- und Tanzpädagogin, Choreografin. Sie studierte an der Sporthochschule Köln den damals neuen Bereich Theater, Tanz, Musik und Spiel. „Er entstand in den 60er-Jahren und war weltweit ein Magnet“, sagt sie. „Mir entsprach diese Richtung sehr, weil sie ein ganzheitliches Tanzkonzept verfolgte.“ Erkenntnisse und Erfahrung münzt sie seit 20 Jahren in ihrer Günther-Schule in Büderich um. Dort unterrichtet sie mit ihrem Team Kinder ab drei Jahren, die nicht mit Ballett beginnen wollen. „Sie lernen, Bewegung, Rhythmus, Musik und Tanz mit allen Sinnen zu begreifen. Es geht darum, Kinder stark zu machen.“ Aus Kleinen werden Erwachsene, die nicht selten in den Kursen bei Lisa Günther weitertanzen oder aber als Neulinge zu ihr stoßen.