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Meerbusch: Sanitätshaus Brockers bildet 35-jährigen Iraner aus

Firmen in Meerbusch : Iraner ist Azubi im Sanitätshaus

Der 35-jährige Iraner Keyvan Shokri macht im Sanitätshaus Brockers eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Der Arbeitgeber hat sehr gute Erfahrungen mit Lehrlingen gemacht, die umschulen oder geflüchtet sind.

Keyvan Shokri kennt sich im Lager der Firma „Sanitätshaus Brockers“ im Strümper Gewerbegebiet Bundenrott gut aus. Der Auszubildende schiebt gerade einen soeben ausgepackten Rollator in die Reihe der Hilfsmittel, die in Deutschland zunehmend gefragt sind: Rollatoren, Rollstühle, Krankenbetten und Badewannen-Lifter für eine Bevölkerung, die immer älter wird. Auch in Meerbusch.

Der 35-jährige Iraner macht seit eineinhalb Jahren eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik und hat gerade seine Zwischenprüfung absolviert. „Ein ruhiger, freundlicher und gepflegter Mann“, sagt Frank Zirkel, der sich bei Brockers um den Azubi kümmert. Er hat gute Erfahrungen mit Lehrlingen gemacht, die umschulen oder wie Shokri geflüchtet sind. „Die haben wir in unser Ausbildungssystem integriert und sind sehr zufrieden damit“, ergänzt er. Insgesamt bildet Brockers im Gesamtunternehmen mit zwölf Filialen und 120 Mitarbeitern derzeit zwölf Azubis in verschiedenen Ausbildungsberufen aus. Im Normalfall werden diese auch übernommen.

Der Kontakt zwischen Shokri und Brockers kam über das Begegnungszentrum der Diakonie im Strümper Pappkarton zustande. Die Ehrenamtlichen unterstützen die Flüchtlinge bei der Suche nach Arbeit, Wohnung und Aufenthaltsberechtigung, derzeit allerdings nur digital. Aber als Shokri 2016 nach Deutschland kam, war das noch einfacher. Im Pappkarton fühlte sich der junge Mann schnell wohl und lernte dort seine ersten Sätze auf Deutsch. Bald konnte er auch Deutschkurse bei der Volkshochschule absolvieren, die er auf B2-Niveau abschloss. Mit Beginn der Ausbildung konnte er seine Sprachkenntnisse vertiefen.

„Am Anfang war das noch schwierig. Besonders die Fachbegriffe waren ihm unbekannt“, berichtet Prokuristin Angelika Pricken. Da habe Shokri dann sein Smartphone gezückt, das für den deutschen Fachbegriff ein Wort in arabischer Schrift ausspuckte. „Jede Woche wurde es besser“, so Pricken. Lediglich längere Texte wie Gebrauchsanleitungen zu lesen, bereite ihm noch Mühe. Hilfreich seien natürlich auch die sozialen Kontakte zu den Kollegen. Oft hole ihn ein anderer Mitarbeiter in Büderich zur Arbeit ab oder bringe ihn wieder nach Hause. Shokri wohnt dort in dem Flüchtlingsheim an der Cranachstraße. Inzwischen konnte er ein Einzelzimmer beziehen, was ihm die nötige Ruhe gibt, die Aufgaben aus der Krefelder Berufsschule zu bearbeiten. Die praktische Arbeit bei Brockers macht Shokri, der im Iran als Kassierer bei Coca Cola beschäftigt war und noch ledig ist, Spaß.

Er hat viel über die Möglichkeiten gelernt, sich auch im Alter selbstbestimmt zu bewegen, dank der Hilfsmittel, die, meist von der Krankenkasse bezahlt oder bezuschusst, bei Brockers im Lager vorrätig sind. Sie werden nicht nur von dort aus vertrieben, sondern auch gereinigt und repariert, ehe sie an einen neuen Nutzer gehen.

„Im Moment ist das Lager ziemlich voll, weil die Lieferungen durch Corona sehr unregelmäßig laufen“, berichtet Dominique Jungclaus. Einmal komme nichts, dann gleich ein ganzer Container voll. Viele Hilfsmittel werden nämlich in Fernost produziert. Nur einige Dinge wie Krankenhausbetten würden in Deutschland hergestellt.

„Wir freuen uns, dass wir mit Shokri so einen netten Mitarbeiter gefunden haben“, sagt Zirkel. Deutschland brauche junge Leute, die arbeiten wollen, und die Lücken im Arbeitsmarkt schließen. Wenn Shokri mit der Ausbildung fertig ist und übernommen wird, erhält er zunächst eine Aufenthaltsgenehmigung für zwei Jahre, die danach in eine unbefristete umgewandelt wird. In den Iran zurückkehren möchte er nicht.