Märkte in Meerbusch Viele Ideen für Klimaschutz beim Ökomarkt

Lank-Latum · Unter dem Motto „Regional, fair, nachhaltig und sozial“ zog der Lanker Ökomarkt am Sonntag tausende Besucher in den Ortskern.

Beim Stand mit Bio-Weinen auf dem Ökomarkt probierten die Besucher verschiedene Sorten.

Beim Stand mit Bio-Weinen auf dem Ökomarkt probierten die Besucher verschiedene Sorten.

Foto: Christoph Baumeister

Harald Scholl ist fast seit der ersten Stunde dabei. „Ich habe lediglich die Premiere verpasst, seitdem bin ich hier Stammgast“, berichtet der Winzer, der gestern beim Ökomarkt in Lank-Latum hinter einem der 65 Stände zu finden war. Er komme gerne hierher, weil er die angenehme Atmosphäre der Veranstaltung sehr schätze. In den vergangenen 30 Jahren hat der Inhaber eines etwa acht Hektar großen Weinguts in Rheinhessen durch den Markt viele Stammkunden gewonnen – so wie Dirk und Daniela Kemna. Das Ehepaar aus Osterath probierte gleich mehrere Sorten seines bio-dynamischen Weins. „So wissen wir sofort, welcher uns gut schmeckt und können ihn dann im Anschluss bestellen“, so Dirk Kemna.

Mit den ökologisch hergestellten Weinen liegt Winzer Scholl voll im Trend des Ökomarkts, der in diesem Jahr zum 30. Mal ausgetragen wurde und erneut tausende Besucher in den Ortskern lockte. „Begonnen haben wir damals mit 15 Ständen in Büderich. In der Anfangszeit haben wir ein paar Mal den Standort gewechselt, aber seit mehr als 20 Jahren hat sich der Markt nun in der Lanker Fußgängerzone etabliert“, sagt Organisator Wolf Meyer-Ricks vom Naturschutzbund Meerbusch. Die Themen seien heutzutage fast die gleichen wie bei der Erstauflage 1993. „Vieles hat sich seitdem zum Besseren verändert, aber es ist immer noch viel Luft nach oben, deshalb ist es wichtiger denn je, auf Themen wie Klimawandel, Umweltschutz und Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen“, sagte Meyer-Ricks.

Auch die Stadt Meerbusch, genauer gesagt der Fachbereich Grünflächen, beteiligte sich aktiv am Markt und informierte die Besucher über Streuobstwiesen. Neun davon gibt es derzeit im Stadtgebiet. „Streuobstwiesen sind viel mehr als nur ein paar Obstbäume auf einem Fleck. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität“, erklärte Michael Betsch, Leiter Servicebereich Grünflächen. Um den Anbau heimischer Pflanzen im eigenen Garten zu fördern, erhielt jeder Interessierte kostenlos eine Staude – beispielsweise Margeriten oder Salbei. „Die sind recht robust und halten über mehrere Jahre“, sagte Betsch.

Kreisernährungsrat informiert mit Hilfe von Glücksrad-Quiz

Der Ernährungsrat im Rhein-Kreis Neuss hat es sich auf die Fahnen geschrieben, eine gesunde Ernährung sowie eine ökologisch nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ins Bewusstsein der Bürger zu rücken. Mit einem Glücksrad-Quiz wollten die Verantwortlichen vor allem jüngere Marktbesucher an ihren Stand locken. „Wir haben uns bewusst spielerisch diesem Thema genähert, weil wir der Meinung sind, dass man so früh wie möglich damit anfangen sollte, Kinder in Sachen Ernährung zu bilden“, betonte Ulla Tenberge-Weber. Ganz wichtig sei neben der Wahl von lokalen Produkten die saisonale Komponente. „Jetzt gerade ist beispielsweise die richtige Zeit für Spargel oder Erdbeeren. Im Winter sollte man darauf hingegen eher verzichten“, sagte Tenberge-Weber.

„Meerbusch goes Future“ ist eine Mitmach-Initiative, die von Kyocera Document Solutions Deutschland, dem SI Club Meerbusch und der Sparkasse Neuss ins Leben gerufen wurde. Ihr Ziel ist es, auf lokaler Ebene Bewusstsein für die globale Dimension des Klimaschutzes zu schaffen. Auf dem Ökomarkt sammelten die Mitglieder Spenden für das Projekt „60.000 Meerbuscher, 60.000 Bäume in Nicaragua.“ „Bereits ein Beitrag von drei Euro ermöglicht uns dort das Pflanzen eines Baums“, sagte Britta Scholz. Es gehe darum, in dem mittelamerikanischen Land ein Waldareal wieder aufzuforsten sowie zu vergrößern und damit die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, indem Arbeitsplätze, Bildung und dadurch neue Perspektiven entstehen. „Die Leute sind sehr interessiert und spenden bereitwillig“, sagte Scholz.

Auch Beatrice Hofmann und Katja Locher liegt das Thema Nachhaltigkeit am Herzen, weswegen sie schon wiederholt auf dem Ökomarkt vertreten waren. „Glücks-Aufladestation“ prangte über in großen Lettern an ihrem Stand, an dem sich alles um das Thema „Upcycling“ drehte. Die beiden Frauen haben alte Bonbontüten, ausrangierte Warnwesten oder nicht mehr genutzte Schwimmflügeln zu stylischen Taschen umfunktioniert. „Wir leben heutzutage in einer Wegwerfgesellschaft. Dinge landen oft vorzeitig oder unnötig im Müll, obwohl wir damit Ressourcen verschwenden und so die Umwelt schädigen. Wir möchten mit unseren Produkten zeigen, dass es auch anders geht“, sagt Hofmann.

Um Wiederverwertung ging es auch bei den beiden Side-Events des Ökomarktes: der Kindertrödelmarkt auf dem alten Marktplatz und der Bücherflohmarkt am Übergang zur Mühlenstraße. Zahlreiche Kids bauten ihre Tische auf und trennten sich von altem Spielzeug oder nicht mehr verwendeter Kleidung. Vielen Eltern ging es vor allem darum aufzuzeigen, dass man Dinge nicht wegschmeißen muss, wenn noch jemand anders damit etwas anfangen kann. „Für die Kinder ist es natürlich schön, sich das Taschengeld etwas aufzubessern. Uns ist aber vor allem wichtig, ihnen damit das Thema Nachhaltigkeit näherzubringen“, sagte Thomas Haberer, dessen Kinder Leon (13), Amelie (10) und Jonas (8) ihre ausrangierten Waren gemeinsam anboten.