Meerbusch: Mit dem Willkommenslotsen zum Ausbildungsplatz

Integration : Zweite Ausbildung führt zum Erfolg

Weil ihr Studium in Deutschland nicht anerkannt wird, macht die Irakerin Abland Yunan eine Ausbildung zur Bauzeichnerin.

Als Ablahd Yunan 2011 mit ihrer Familie aus dem Irak nach Deutschland kam, da wollte die Bauingenieurin am liebsten sofort Deutsch lernen und so schnell wie möglich wieder arbeiten. Doch dann kam ihr zweites Kind auf die Welt, und sie musste sich erst einmal um dessen Gesundheit kümmern. Erst vor einigen Jahren belegte sie bei der VHS erste Deutschkurse und begab sich auf Arbeitssuche.

Doch sie musste feststellen: Ihr Studienabschluss aus dem Irak wird in Deutschland nicht anerkannt. Beim Jobcenter bekam die 41-Jährige den Tipp, sie könne für ihre Bewerbung die Hilfe eines Coachs in Anspruch nehmen. „Sie hat meine Papiere sortiert und beim Formulieren geholfen“, erzählt Yunan. Diese gab der gebürtigen Irakerin, die in Büderich lebt, außerdem den wertvollen Hinweis, sich an den Willkommenslotsen der IHK zu wenden.

Viele Geflüchtete wollen lieber arbeiten als Ausbildung machen

„Ich habe bei ihr sofort gemerkt, dass sie sehr interessiert ist, und mir war klar, dass es schnell zu einer Vermittlung kommen wird“, sagt David Pfeil. Als Willkommenlotse der IHK vermittelt er Unternehmen und geflüchtete Menschen, vornehmlich wenn es um Ausbildungsstellen geht. Viele Geflüchtete könnten sich mit einer Ausbildung schlecht anfreunden, weil sie sofort arbeiten wollten, so die Erfahrung von Pfeil. Doch Yunan war offen dafür, eine Ausbildung zur Bauzeichnerin zu absolvieren. „Ich habe im Irak früher auch einige Zeit als Bauzeichnerin gearbeitet“, sagt sie. Damals wurde aber noch viel mit der Hand gemacht, was heute mit dem Computer leichter geht.

In der boomenden Baubranche herrscht an Bauzeichnern eigentlich kein Mangel. Doch als Pfeil das Meerbuscher Unternehmen ISS Pluralis kontaktierte, waren Geschäftsführer Michael Kenski und seine Frau Heidi, die für Personalfragen zuständig ist, grundsätzlich offen für die Bewerbung. Die Planungsgesellschaft übernimmt Dienstleistungen beim Bauen im Bestand und ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Dazu kommt noch ein anderer Aspekt: „Wir sind gerne behilflich“, sagt Kenski.

Zu den Bewerbungsgesprächen begleitet Pfeil bei Bedarf auch die Bewerber. Bei Yunan war das allerdings nicht nötig. Seit einem halben Jahr absolviert sie nun die Ausbildung, und freut sich über gute Noten. „In der Berufsschule war das anfangs ein bisschen schwierig, weil ich die Älteste in der Klasse und auch älter als einige Lehrer bin“, erzählt die angehende Bauzeichnerin. Aber mittlerweile haben sich alle daran gewöhnt.

„Hier im Büro ist alles perfekt“, sagt sie. Eine erfahrene Kollegin steht ihr zur Seite. Nicht nur bei fachlichen Fragen, kann sie bei ihr und vielen anderen im Unternehmen um Rat fragen, sei es, weil sie etwas in den Hausaufgaben nicht versteht oder auch in privaten Fragen. Das Miteinander unterscheide sich auch von ihrer früheren Arbeitsstelle im Irak. Dort habe es viel Konkurrenz gegeben: „Hier helfen sich alle.“ Kenski wünscht sich, dass auch andere Unternehmen sich für die Integration geflüchteter Menschen engagieren. Statt Geld für Headhunter und Personaldienstleister zu investieren, findet er es sinnvoller, mit einem Deutschkurs einen Mitarbeiter zu unterstützen: „Das ist nachhaltiger.“