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Meerbusch: Maschinenbau-Ingenieur Martin Klocke entwickelte Uhrenserie

Innovation aus Meerbusch : Osterather produziert Sherpa-Uhren

Martin Klocke ist Maschinenbau-Ingenieur. Seine Faszination für Technik war es, die seine Liebe zu Vintage-Uhren weckte. Auf Basis alter Modelle entwickelte er eine neue Uhrenserie, die im Frühsommer auf den Markt kommen soll.

Vor 50 Jahren in der Schweiz geboren, in Deutschland groß geworden, in Aachen studiert, in Köln, Düsseldorf und Krefeld gewohnt, jetzt sesshaft im eigenen Haus in einer charmanten Wohnstraße mitten in Osterath, wo auch der Firmensitz der Uhrenproduktion ist: Das sind die Eckdaten von Martin Klocke, der mit einer Apothekerin verheiratet ist und zwei Kinder hat, die in Meerbusch auf die Gymnasien gehen. Klocke hat als Ingenieur bei Bayer und Lanxess gearbeitet und ist jetzt bei einem chinesischen Unternehmen beschäftigt, das seinen Sitz in Wiesbaden hat. Sein Job: der technische Vertrieb von Kunststoffgranulat für Spritzgussteile in der Automobilbranche. Dafür arbeitet er mit Autozulieferern zusammen.

Das ist nur die eine Seite in seinem Leben. Die andere: Er interessiert sich schon lange für Vintage-Uhren, also ältere Modelle, die Charme und Geschichte ausstrahlen. Vor allem die ausgefeilte Technik war es, die ihn immer faszinierte. Zum Beispiel die von der Uhrenfirma Enicar S.A. aus der Schweiz, die früher eine Uhr mit einer besonderen Geschichte auf den Markt gebracht hatte: Es war im Jahr 1956, als Enicar Sponsor einer Expedition auf den Mount Everest war. Firmenvertretern wurde dabei bewusst, welche Bedeutung die Sherpas, also die Bergführer haben, die die Kletterer sicher hoch und wieder runterbringen. Ihnen zu Ehren brachte Enicar damals eine robuste und wasserfeste Uhr heraus und nannte sie Sherpa-Uhr.

 Marin Klocke zeigt die ersten drei Sherpa-Uhren, die nun produziert wurden.
Marin Klocke zeigt die ersten drei Sherpa-Uhren, die nun produziert wurden. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Ein Anhänger des
tibetischen Buddhismus

Martin Klocke, selbst Anhänger des tibetischen Buddhismus – so wie die Sherpas auch – stieß bei seinen Recherchen auf genau diese Sherpa-Uhrenserie und wusste: Das ist es, die will ich wieder aufleben lassen. Er schrieb an den neuen Besitzer von Enicar, ein Unternehmen in China, um in einer Kooperation die Uhr wieder zu revitalisieren. Ohne Resonanz. Er wusste daraufhin nicht weiter, bis ein Freund ihm zurief: „Dann mach es doch selbst.“ Und so ließ sich Klocke – zumindest für Europa – die Marke Sherpa schützen.

 Auf dieses kleine Rädchen des Uhrwerks wurde in tibetischer Schrift ein Mantra graviert.
Auf dieses kleine Rädchen des Uhrwerks wurde in tibetischer Schrift ein Mantra graviert. Foto: RP/Holger Hahn

Der Weg danach glich und gleicht immer noch einem Puzzle: Denn es mussten viele Rädchen ineinander greifen, um den Traum von einer modernen, aber trotzdem geschichtsträchtigen Uhr wahr werden zu lassen. Klocke fand einen Gehäusehersteller in Pforzheim, Designer, Konstrukteur, Zeiger- und Glashersteller in der Schweiz, die Firma fürs Zifferblatt sitzt in Lörrach, die für das Uhrenwerk wieder in der Schweiz. Und hier eine besondere, aber selbst gestellte Herausforderung: Dieses vormontierte Uhrenwerk muss für die spezielle Sherpa-Uhr auseinandergenommen und um ein kleines Teil ergänzt werden.

Denn jetzt passiert eigentlich die wunderbarste Geschichte der ganzen Uhren-Prosa: Dazu muss man wissen, dass die Tibeter im Allgemeinen und die Sherpas im Besonderen ihre Mantras haben, die sie immer wieder laut aufsagen. Meistens mit dem Hintergrund, eine störende Situation zu befrieden, für Ruhe zu sorgen, gute Stimmung zu verbreiten. Eines dieser Mantras, das auch beim Schwingen einer Gebetsmühle aufgesagt wird, ist der Spruch „Om Mani Peme Hung“. Und genau der sollte sich nach der romantischen Vorstellung von Martin Klocke irgendwie in der Uhr drehen – egal wie.

Zum Glück stieß er auf einen findigen Solinger Graveur, der dieses Meisterstück schaffte und ein minimalistisches Teil des Uhrenwerks mit dem ebenfalls minimalistischen Mantra beschriftete. Nachdem es in die Sekunden- und Ankerräder graviert ist, werden die Einzelteile wieder in das Ursprungs-Uhrenwerk aus der Schweiz eingebaut. Unter der Lupe ist das Mantra sogar zu lesen, soll nach Vorstellung des Uhrmachers vor allem durch die Rotation „good vibration“ ausstrahlen. Jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde, am Ende Millionen mal pro Jahr.

Und so gibt es diese Uhr jetzt, die ersten Exemplare liegen auf dem Esstisch in Osterath. Ab Mai – sobald pandemiebedingte Lieferprobleme für Einzelteile gelöst sind – soll es die Uhr auch im Verkauf geben, Vorbestellungen werden schon jetzt (www.sherpawatches.com) angenommen. Klocke hat zwei Modelle mit vielen besonderen Details – Doppelkronenschutz, Compressor, Tagesleuchtfarbe, einmaliges Design, wasserdicht bis 200 Meter Tiefe, eine um 360 Grad drehbare innen drehende Lünette – entwickelt, von denen jeweils zunächst 150 Stück angefertigt werden. Kostenpunkt: knapp 6000 Euro.

Und am Ende noch eine Geschichte, eine fast noch schönere ist als die mit dem Mantra: Weil Klocke eben auch Buddhist ist und Wertschätzung für das Volk der Sherpa empfindet, will er einen Teil des Verkaufserlöses an zwei Sherpa-Projekte in Nepal spenden. Zum einen für eine Schule, die dort aufgebaut wird, und zum anderen für die Müllsammelaktion der Sherpas. Denn die bringen den Müll, den Touristen tonnenweise auf dem Mount Everest hinterlassen, klein verpackt wieder runter und entsorgen ihn – ganz ohne ausgebaute Straßen und große Müllwagen.