Meerbusch: Kostenlose Tipps für Existenzgründer

Meerbusch: Kostenlose Tipps für Existenzgründer

Existenzgründer finden vielerorts Hilfsangebote – und sollten sie nutzen.

Meerbusch. Laetitia Belliard träumt davon, eine Fromagerie in Büderich zu eröffnen. Sie ist begeistert von ihrer Idee, hat ein Ladenlokal im Büdericher Süden im Blick und ein Konzept erarbeitet. Belliard hat einiges richtig gemacht. "Der euphorische Start der Gründer ist kein Handicap", sagt Bert Mangels, der Experte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein für Existenzberatung. "Aber viele kommen über das Bauchgefühl nicht heraus."

Das war bei Belliard anders: Sie entwickelte mit einem Steuerberater einen Businessplan. Doch der fand in ihrem Geldinstitut keine Gnade. Das geht auch Bewerbern so, die entschieden schlechter vorbereitet zur Bank marschieren, weiß Mangels. "Viele haben nur eine flotte Idee, schreiben auf einer Seite ein paar Stichworte auf und erwarten auf dieser Grundlage den Kredit."

Motto: Muss gehen, mach ich! "Die werden bei den Banken ohne Sitzplatz direkt wieder herausgeschickt." Bei seriöseren Konzepten habe die Ablehnung der Geldinstitute oft nichts mit dem potentiellen Gründer zu tun, sondern mit bankeigenen Kriterien und Erkenntnissen: Marktanalyse, der vorgesehene Standort des Geschäfts, Mietkosten, Sortiment, Kunden- und Umsatzzahlen.

"Ein vernünftiger Businessplan geht immer vom Ende aus", sagt Mangels, "nicht vom Umsatz." Der Gründer müsse sich fragen, wie viel Geld er im Monat zum Leben, für Miete, Steuer und Sozialversicherungsbeiträge benötige, dann die Kosten des Betriebs pro Monat kalkulieren (Miete, Büro, Nebenkosten, Einkauf, Verkauf). Dann wisse er, wie viel Umsatz er machen müsse.

Ob der erreichbar sei, hänge wiederum von der Kaufkraft, der Bevölkerungszahl und dem Sortiment ab: "Manche Konzepte würden funktionieren, wenn es der einzige Laden in einer Großstadt wäre."

Seit sechs Jahren begleitet Mangels Existenzgründungen - und macht sich wie seine Kollegen mit mehrheitlich ablehnenden Voten nicht beliebt. "Aber wir wollen ja fundierte Gründungen mit Aussicht auf Erfolg begleiten - und auch verhindern, dass Menschen sich verschulden."

Was aber sind Gründe für ein Scheitern? Viele angehende Unternehmer unterschätzen laut Mangels den Kapitalbedarf, nicht immer seien sie für ihr Projekt 100-prozentig fachlich geeignet und manche seien von ihrer Persönlichkeit her ungeeignet. "Wem die Selbstsicherheit fehlt oder wer eher introvertiert ist, ist im Backoffice besser aufgehoben."

Andererseits kann auch Selbstüberschätzung zum Desaster führen. "Dazu neigen vor allem Männer", sagt Bert Mangels, dem der Blick in die Statistik außerdem verrät, dass "Frauen seltener Pleite gehen als Männer". Grundsätzlich gelte: Erst fragen, bevor man etwas mache, denn sei das Unternehmen bereits gegründet, gebe es keinerlei Förderung mehr.

Und es gilt: "Schuster, bleib’ bei deinen Leisten." Mangels: "Nicht immer reicht ein Hobby aus, um damit selbstständig zu werden." Erfolgreich seien vielfach Fachleute, die aus Industrie und Handwerk kämen und sich mit Spezialanfertigungen und in Nischen durchsetzen könnten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung