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Meerbusch: Klimademo ohne „Fridays for Future“

Rund 100 Teilnehmer ziehen durch Büderich : Jugendliche fehlen bei der Klimademo

Rund 100 Teilnehmer sind der Einladung der Ortsgruppen der Naturschutzinitiative BUND und „Parents For Future Meerbusch“ gefolgt, um gemeinsam am Tag des globalen Klimastreiks auf die Straße zu gehen.

Schon eine halbe Stunde vor Start der Fahrrad-Klima-Demonstration füllt sich der Parkplatz des Mataré-Gymnasiums schnell. Rund 100 Teilnehmer sind der Einladung der Ortsgruppen der Naturschutzinitiative BUND und „Parents For Future Meerbusch“ gefolgt, um gemeinsam am Freitagnachmittag, dem Tag des globalen Klimastreiks auf die Straße zu gehen.

Mit dabei sind viele Familien mit meist jungen Kindern und viele Senioren. Auffallend ist, dass gerade die Jugendlichen, die seit gut zwei Jahren mit Fridays for Future für eine bessere Klimapolitik kämpfen, nicht vertreten sind. „Da fragt man sich, ob der Klimawandel die Schüler der weiterführenden Schulen aus Meerbusch völlig kalt lässt. Wenn dem so ist, müssen sie noch viel lernen“, sagt Andrea Blaum vom BUND. „Fridays for Future sollte auch in Meerbusch eine Rolle spielen, nicht nur in anderen Städten“, meldet sich auch ein Ordner zu Wort.

Sophie (11) ist die Natur und damit auch ihre Zukunft nicht egal. Sie hat an ihrem Fahrrad ein selbst gestaltetes Schild hängen. Es zeigt einen Pinguin in einem Rettungsring, der verzweifelt fragt, wo sein Zuhause ist. „Die Erwachsenen zerstören die Umwelt, und die Kinder müssen dafür zahlen. Das finde ich nicht okay“, erzählt die Schülerin.

Die Stimmung unter den Teilnehmern ist gut. Schnell helfen sie sich noch gegenseitig beim Dekorieren ihrer Fahrräder. Fahnen werden befestigt und selbstbeschriebene Schilder angehängt. Dorothee Bieri berichtet, dass sie früher nie bei Demos mitgemacht hat. „Das Thema Klimawandel liegt mir aber sehr am Herzen“, sagt die Mutter. Daher ist sie jetzt schon zum zweiten Mal dabei und gut ausgestattet. Mit einer Klapper will sie Lärm machen. Vorn und hinten am Rad hat sie Slogans befestigt. „Kein green washing, sondern green living“ ist zu lesen. „Das habe ich mir gestern bei der TV-Sendung Scobel geklaut“, lacht sie. „Da ging es um Firmen, die ein grünes Image haben wollen, aber nur so tun als ob, um dem Verbraucher ein gutes Gewissen einzureden“, erklärt Bieri.

Auch die Kandidaten der Bürgermeister-Stichwahl radeln mit. Beide betonen, dass es ihnen dabei nicht um Wahlkampf geht. „Dafür ist mir das Thema zu wichtig“, sagt Marcel Winter. „Wir brauchen eine Verkehrswende, unabhängig welche Partei an der Macht ist“, setzt Christian Bommers hinzu.

Kurz vor Start gibt Blaum noch einige Anweisungen, die zu Corona-Zeiten nicht nur das Fahren betreffen. Die Teilnehmer sollen Masken tragen, wer das aus gesundheitlichen Gründen nicht kann, muss größeren Abstand einhalten. Schon beim Sammeln mussten die Teilnehmer ihre Kontaktdaten hinterlegen. Dann geht es mit lautem Klingeln im Konvoi los. Kinder, die sich wundern, dass sie über rote Ampeln fahren dürfen, bekommen eine Politik-Lektion. „Das ist die Macht einer Demonstration“, erklärt ein Vater.

Die Büdericher nehmen die Demonstration gelassen. Einige ignorieren das Geschehen, manche schauen amüsiert, andere zücken ihr Handy, einige Kinder rufen „Was ist da los?“ Spontan schließen sich ein paar Radfahrer dem Zug an. Ein Autofahrer verliert die Geduld und hupt. Nach knapp einer Stunde endet die Demonstration am Franz-Schütz-Platz. Blaum ist zufrieden. „Wir sind eine kleine, aber schlagkräftige Gruppe.“ Mit der Aufforderung, in den nächsten fünf Jahren das Ruder rumzureißen, entlässt sie die Teilnehmer.