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Meerbusch: In Lank-Latum wurde ein Weißstorch gesichtet

Seltener Gast : Weißstorch zu Besuch

Felix Stein (79) aus Lank hat kurz vor Pfingsten einen einzelnen Storch auf Futtersuche entdeckt. Der Nabu freut sich über den seltenen Besucher im heimischen Gefilde.

Als Felix Stein am Donnerstag nach dem Einkaufen auf dem Weg nach Hause war, machte er eine besondere Entdeckung. Mitten auf einem Feld zwischen Webergasse und Große Gasse sah der 79-Jährige einen Storch auf Futtersuche. „Beim ersten Anblick dachte ich, jemand hat einen Pappstorch hingestellt“, sagt Stein lachend. „Was für eine Überraschung!“

Stein fuhr „wie elektrisiert“ schnell nach Hause, um seine Kamera zu holen. Als der Rentner zurückkam, war der Storch immer noch auf dem Feld. Der Hobby-Fotograf pirschte sich heran und schoss über 50 Bilder, wie er erzählt. Eines davon zeigt das Model in Pose vor der Lanker Kirche. „Er war recht zutraulich, das Feld war gerade frisch gemäht“, sagt Stein. Nach etwa 30 Minuten flog der Vogel in Richtung Latumer See davon.

Zwei Graureiher
haben Stroch begleitet

Heike Höltkemeier vom Naturschutzbund (Nabu) Kreisverband Neuss berichtet, dass auch sie erst vor ein paar Wochen einen einzelnen Storch zwischen Lank und Ilverich gesichtet hat. „Ich bin ganz begeistert und freue mich ohne Ende“, sagt Höltkemeier. Bereits im vergangenen Jahr habe sie einmal zwei Störche durchziehen sehen. Dass das etwas Seltenes ist, ist ihr ebenso wie Felix Stein bewusst. „Bei uns sind Störche so gut wie nie zu sehen. Der Storch ist ein ganz seltener Gast in der Region, sonst ist er eher am obereren Niederrhein“, weiß Hölkemeier. Daher habe die Nabu-Ortsgruppe in der Vergangenheit überlegt, eine Storchennest-Hilfe zu installieren. Doch dieses Unterfangen ist nicht nur finanziell aufwendig, sondern auch ohne echte Garantie, dass in Zukunft Störche am mittleren Niederrhein Rast machen oder sich gar niederlassen und dort idealerweise brüten. „Diese klassischen Hausdächer, wie es sie in Norddeutschland oder Polen gibt, gibt es hier nicht“, erklärt Höltkemeier. So ein Nistkasten müsse Wind und Sturm und ein paar hundert Kilogramm aushalten können. Das kostet und braucht eine spezielle Baugenehmigung. „Das ist nicht mal eben so gemacht. Jemand muss dann ab und zu nach dem Rechten sehen, das schaffen wir mit unseren Kapazitäten als Ehrenamtler nicht.“

Neben den baulichen Voraussetzungen braucht der große Vogel Feuchtgebiete, um Nahrung wie etwa Frösche zu finden. Die Feuchtbiotope hier am Niederrhein seien im Sommer nicht sehr feucht, so Hölkemeier. „Ich würde mich freuen, wenn man etwas Langfristiges für die Störche anbieten kann ohne Nistgarantie.“ Denn der Weißstorch scheint auf der Suche zu sein.

Die Zeit der Durchreise ist für Störche bereits vorbei. „Störche sind etwas Einmaliges“, weiß Stein, der die Tiere auch schon im Marokko-Urlaub und auf Fahrten nach Brandenburg und Mecklenburg gesehen hat. Auch wenn der gesichtete Weißstorch ohne Partner unterwegs war – alleine war er trotzdem nicht. Zusammen mit zwei Graureihern habe er sich auf der Wiese aufgehalten. „Jetzt, bei diesem harten Boden, fangen die bestimmt nichts zu fressen. Da können die Tiere einem schon leid tun“, sagt Stein.