1. NRW
  2. Rhein-Kreis Neuss
  3. Meerbusch

Meerbusch: Drei Übergangsheime sollen für 1,8 Millionen saniert werden

Soziales : Sanierung statt Neubau

Das hat der Sozialausschuss nach intensiver Diskussion beschlossen. Ursprünglich war ein Neubau der Übergangsheime geplant. Die Verwaltung schätzt die Kosten für die Sanierung der drei Gebäude auf 1,8 Millionen Euro.

Die Lage war verzwickt. So verzwickt, dass nach gut einstündiger Diskussion im Sozialausschuss die Sitzung für rund zehn Minuten unterbrochen werden musste, weil die Fraktionen sich beraten wollten. Kurz danach dann die Abstimmung mit einem eindeutigen Ergebnis (drei Gegenstimmen): Die Obdachlosen- und Übergangsheime an der Strümper Straße 79, 81 und 83 sollen saniert werden; die Verwaltung soll entsprechende Pläne erstellen. Die zwei Millionen Euro, die im Haushalt eigentlich für einen Neubau vorgesehen waren, sollen jetzt für die Sanierung verwendet werden. Dieser Hinweis im Protokoll war den Ausschussmitgliedern besonders wichtig.

Denn bis zuletzt waren die Meinungen geteilt. Die SPD, die seit Jahren für eine deutliche Verbesserung der Wohnsituation in den Unterkünften kämpft, hatte sich immer für einen Neubau ausgesprochen und konnte zuletzt auch die anderen Fraktionen davon überzeugen, dafür zwei Millionen Euro in den Haushalt einzustellen.

Deshalb wollten die Sozialdemokraten den Neubau-Plan auch nicht einfach abschreiben. „Wir werden die Sanierung mit beschließen, wollen aber von dem Neubau nicht abrücken“, betonte Heidemarie Niegeloh zu Beginn der Diskussion. Die CDU-Fraktion befürchtete aber, dass diese Einschränkung wieder zu neuen Diskussionen und damit Verzögerungen führen würde. „Lasst uns den Sack endlich zumachen. Das Geld ist da, wir müssen nur noch beschließen“, forderte Jörg Wartchow und konnte die Mehrheit schließlich überzeugen.

Dass der Neubau-Beschluss nun überhaupt noch einmal gekippt und in Richtung Sanierung geändert wurde, hat damit zu tun, dass die Stadt kein geeignetes Grundstück für einen Neubau hat. An einem möglichen Standort an der Kranenburger Straße in Osterath soll eine Kita gebaut werden.

Stadt hat kein geeignetes Grundstück für Neubau

Claus Klein, Leiter Fachbereich Immobilien, konnte die Politiker mit seinen detaillierten Ausführungen im Sozialausschuss vom Vorteil einer Sanierung überzeugen. Die Häuser aus den 1960er-Jahren seien zwar marode, aber von ihrer Bausubstanz her „okay“. Klein: „Und wir als Verwaltung verfolgen immer das Ziel, mit unseren Gebäuden möglichst nachhaltig umzugehen.“ Abriss und Neubau seien insgesamt schlechter für die Klimabilanz als eine werterhaltende Sanierung. Was die Unterkünfte unattraktiv macht, sind der schlechte Wohnungszuschnitt und die schlechten Energiewerte. Das will die Verwaltung beheben. Die Fenster sollen ausgetauscht und das Dach komplett erneuert und gedämmt werden, ebenso die Kellerdecken. Alle Bäder werden saniert, die sanitären Anlagen ausgetauscht, die Türen erneuert, Elektrik, Bodenbeläge, Anstrich – alles neu. Auch die Wohnungszuschnitte könnten beim Sanieren verändert werden.

Ganz wichtig: Die alten Kohleöfen kommen weg und werden durch eine neue Zentralheizung ersetzt. Claus Klein schätzt die Kosten für die Sanierung auf etwa 1,8 Millionen Euro. Was auch für eine Sanierung spricht: Die Bewohner fühlen sich am Standort wohl, sind in der Nachbarschaft akzeptiert und haben eine gute Busanbindung. „Der jetzige Standort hat definitiv seine Vorteile“, sagt auch SPD-Fraktionsvorsitzende Nicole Niederdellmann-Siemes.

Einen Haken an der Sache gibt es aber immer noch. Dezernent Frank Maatz verkündete im Ausschuss aktuelle, schlechte Corona-Nachrichten: „Corona erzeugt Wohnungslosigkeit. Wir haben am Donnerstagnachmittag erfahren, dass wir als Folge der Pandemie in Meerbusch schon bald mehr Obdachlose bekommen werden, die wir unterbringen müssen.“

Für eine Sanierung im Bestand ist es aber nötig, dass es freie Plätze in den Unterkünften gibt, in denen die Bewohner untergebracht werden, während ihre Wohnung saniert wird. Aktuell sind die Unterkünfte an der Strümper Straße nicht voll belegt, aber das wird sich bald ändern. Dezernent Frank Maatz erklärt dazu weiter: „Wir können deshalb mit der Sanierung nicht, wie gehofft, sofort
loslegen.“