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Meerbusch: Die Firma Nerdfilms stellt sich mit Webinaren auf Corona ein

Firmen in Meerbusch : Video-Schulung in einer Pumpenfirma

Drei Studenten aus Meerbusch haben sich mit ihrer Firma eigentlich auf Filmproduktionen spezialisiert. Nun folgen sie dem Bedarf von vielen Unternehmen und bieten ihnen die Betreuung von Livestreams in die ganze Welt an.

Das Team von „Nerdfilms“ baut bei Tsurumi Pumps in Düsseldorf ein kleines Videostudio auf. Der Baupumpenhersteller möchte neue Mitarbeiter in Frankreich mit Hilfe eines Webinars schulen. Die Filmemacher stellen Kameras in verschiedenen Positionen auf, eine hängt über der Werkbank, um einen besseren Überblick zu bekommen. Am Tisch überwachen die Mitarbeiter der Meerbuscher Firma an Laptops und Monitoren die Übertragung des Livestreams und passen je nach Bedarf die Kameras an.

„Nerdfilms“, das sind drei Studenten aus Meerbusch. Max Grund (26), Paul Simons (27) und Martin Koch (25) kennen sich schon lange. Grund und Simons haben in ihrer Schulzeit begonnen Kurzfilme zu drehen. Nach dem Abitur kam das erste große Projekt. Mit „Blutrausch“ nahmen sie am Wettbewerb „Düsseldorf ist ARTig“ teil. Sie drehten weiter Kurzfilme und begannen, Imagefilme zu produzieren, zum Beispiel für den Strümper Sportverein. „Das war ganz praktisch. Mit den Kurzfilmen konnten wir uns ausprobieren. Und mit den Imagefilmen konnten wir Geld für neues Equipment verdienen“, erzählt Grund.

Die Ausrüstung bauten sie sich teilweise selbst. Grund konstruierte ein Holzstativ für Aufnahmen von oben und Martin Koch, der zu den beiden stieß, brachte eine selbstgebaute Drohne mit. Filmbegeistert sind alle drei, auch wenn man das ihren Studiengängen nur teilweise anmerkt. Grund studiert BWL, Simons Filmproduktion und Koch Nautik. „Wir haben den Kreativen, den Techniker und mich als Bindeglied“, sagt Grund.

Normalerweise dreht „Nerdfilms“ Image-, Event- oder auch Werbefilme. Für die Veranstaltungsreihe „Check In Berufswelt“ produzierte das Filmteam beispielsweise einen Kino-Werbespot. Auch das Ministerium für Familie, Flüchtlinge und Integration sowie eine Offroad-Werkstatt gehören zu ihren Auftraggebern. „Das ist unglaublich interessant. Man bekommt viele Eindrücke von den unterschiedlichsten Unternehmen und lernt so viele Menschen kennen“, sagt Grund.

Seit der Corona-Pandemie sind die Aufträge für Image- und Eventfilme weggefallen. Einer ihrer Kunden, die Pumpenfirma mit Europasitz in Düsseldorf, kam aber auf die Filmemacher zu. Normalerweise schickt diese ihre Vertreter auf Reisen durch Europa, damit sie vor Ort Schulungen abhalten.

Mehrere Kameras zeigen unterschiedliche Perspektiven

Wegen Corona ging das nicht mehr und die eigenen Versuche, Webinare mit Hilfe eines Laptops zu veranstalten, hätten nicht gut funktioniert. Für die jungen Meerbuscher war das kein Problem. Mit ihrem Equipment bauten sie bei Tsurumi ein kleines Studio auf. „Der Vorteil bei uns ist die Flexibilität. Eine Webcam kann nur eine Totale zeigen, wir bringen auch Details. Wir haben mehrere Kameras und können so unterschiedliche Perspektiven zeigen. Die Qualität der Aufnahmen ist weitaus professioneller und auch der Ton ist durch die Ansteckmikrofone besser“, erklärt Grund. Zusätzlich ist auch eine Bild in Bild-Übertragung möglich, so dass Präsentationen eingespielt werden können. Bei der Übertragung ist ein einseitiger Stream möglich und es gibt das Angebot, währenddessen mittels Chat zu kommunizieren. Auch eine Konferenz ist möglich.

Den jungen Unternehmern ist klar, dass es viele Firmen gibt, die das Livestream-Angebot von „Nerdfilms“ auch abdecken. „Wir arbeiten aber nicht nur in eine Richtung, sondern sind sehr flexibel. Wir können uns gut auf die Kunden einstellen“, sagt der 26-Jährige. Gerne würden die Meerbuscher auch für den kulturellen Sektor arbeiten. „Das wäre eine spannende Sache. In den letzten Monaten wurden viele Veranstaltungen abgesagt. Manche Dinge könnte man auch gut über das Internet transportieren, wie zum Beispiel Karnevalsveranstaltungen oder Messen in der Kirche. Die Kultur soll schließlich nicht verloren gehen.“

Die Meerbuscher können sich gut vorstellen, dass es auch nach der Pandemie noch Nachfrage nach Livestreams geben wird. „Zum einen ist da der Kostenfaktor. Es ist teurer, Mitarbeiter durch Europa oder auch die Welt reisen zu lassen, als einen Livestream zu veranstalten. Und auch für das Klima ist es besser, weniger zu reisen“, so Grund. Nach dem Studium wollen die drei mit „Nerdfilms“ weitermachen. Dann soll unter anderem ein eigenes Büro her. Zurzeit haben die Unternehmer ihr Equipment noch im Elternhaus von Grund deponiert.