Freizeit in Meerbusch Wohin geht die Reise im neuen Jahr?

Meerbusch · Lockt die Ferne oder bleiben die Meerbuscher lieber in Europa? Wir haben zwei Experten nach den Trendzielen gefragt.

Günther Milz, Geschäftsführer im Hapag-Lloyd-Reisebüro.

Günther Milz, Geschäftsführer im Hapag-Lloyd-Reisebüro.

Foto: Milz

Den Jahresbeginn nutzen viele Meerbuscher für die Planung ihrer Urlaubsreisen. In diesen Wochen werden in der Regel Ferientermine fixiert und die verschiedenen Angebote geprüft. Spätestens im Februar ziehen die Buchungen an, darin sind sich die beiden Meerbuscher Experten einig, die wir zu Trendzielen 2024 und zum Kundenverhalten befragt haben.

Andrea Wemhoff, Büroleiterin im First Reisebüro Esser in Osterath, hat über 40 Jahre Erfahrung in der Branche. Sie ist ein Beratungs-Profi mit den Spezialgebieten Golf- und Clubreisen, Kreuzfahrten – aber auch bei der Organisation von Familienpaketen. Viele Büdericher kennen sie noch von der Dependance in der Dorfstraße und sind ihr auch am jetzigen Standort treu geblieben. „Schon 2023 war für uns ein erfolgreiches Reisejahr“, sagt sie, „2024 bahnt sich ebenfalls gut an.“ Kreuzfahrten und Ziele in Europa liegen momentan vorn in der Gunst der Kunden.

 Andrea Wemhoff, Büroleiterin im First Reisebüro Esser.

Andrea Wemhoff, Büroleiterin im First Reisebüro Esser.

Foto: first reisebüro

Bei Fernreisen ist der Zustrom eher noch gedämpft, was aber an der Hauptzielgruppe des Reisebüros liegen dürfte: „Bei Familien mit Kindern ist die Langstrecke nicht so gefragt“, weiß Andrea Wemhoff. Und wo in Europa machen Familien jetzt am liebsten Urlaub? Die Antwort kommt schnell: „In Griechenland, und dort bevorzugt auf den Inseln.“ Die Gründe leuchten ein. Spanien ist teurer geworden, auch die Türkei, bis vor einigen Jahren ein günstiges Reiseland, hat die Preise deutlich erhöht. In Griechenland dagegen sind sie bisher relativ stabil geblieben.

Gibt es Auffälligkeiten beim Buchungsverhalten? „Die Veranstalter hatten schon gleich nach Corona signalisiert, dass die früheren Last-Minute-Schnäppchen künftig kaum noch zu haben sind“, berichtet Andrea Wemhoff. „Der Frühbucher wird eindeutig belohnt. Ob das aber dem Verhalten der Kunden entspricht, muss man abwarten.“

Ebenso schwer könne vorausgesagt werden, ob die Bereitschaft der Kunden da ist, das Geld großzügig auszugeben. 2023 waren die Kosten nicht so entscheidend, weil viele zum ersten Mal nach Corona wieder verreisen wollten. „Eine Abschätzung, ob das auch für 2024 gilt, gleicht dem Blick in die Glaskugel“, vermutet sie.

Klar dagegen ist: Viele Unternehmungslustige vertrauen auf die Expertise der Reisebüros. Wer einmal während Corona irgendwo gestrandet ist, fühlt sich unter diesem Dach bei Krisen jedweder Art sicherer und geschützter. „Selbst junge Leute wissen das trotz des Internets wieder zu schätzen“, berichtet Andrea Wemhoff.

Auch Günther Milz, Geschäftsführer im Hapag-Lloyd Reisebüro in Büderich, berichtet von einer erfreulichen Entwicklung. „Die Deutschen wollen reisen“, sagt er. „Wir erwarten bereits ab Januar eine starke Nachfrage.“ Zwiespältig ist der Umgang mit den Preisen, bei denen sich eine interessante Entwicklung zeigt. „Im Vorjahr wurde noch weniger verreist, dafür waren aber die Umsätze höher und der Trend zu luxuriöseren Hotels spürbar“, berichtet Günther Milz. „Andererseits wurde es durch die gestiegenen Kosten für Familien mit Kindern bei Flugreisen etwas schwieriger mit dem Budget.“ Der Kinderfestpreis beim Veranstalter TUI sei da hilfreich, allerdings sollte man gezielt Preisvergleiche anstellen, sich nach günstigen Terminen umschauen und eventuell auf andere Flughäfen als Düsseldorf ausweichen. „Hier kommt wieder die Beratung durch das Reisebüro ins Spiel“, sagt er und erinnert in diesem Zusammenhang an die gut gemanagten Rückholaktionen der Agenturen, die beim Ausbruch der Pandemie Reisenden in Australien und Mexiko einen Heimflug sicherten.

Stichwort Fernreisen: So ganz habe sich dieser Markt noch nicht erholt. „Aber langsam kriegt er wieder Schwung“, hat Milz beobachtet. Gefragt sind der Ferne Osten mit Thailand und Vietnam sowie Japan. Auch die USA, Südamerika und Südafrika rücken erneut in den Fokus, dann aber gerne als organisiertes Gruppen-Erlebnis. „Je ferner und unbekannter das Land, desto eher schließt man sich einer Gruppe an“, sagt der Geschäftsführer. „Gerade für Alleinreisende ist das wegen der Geselligkeit eine schöne Möglichkeit, die Welt zu sehen.“ Hapag-Lloyd und Studiosus bieten hier zahlreiche Routen und Rundreisen an, ebenso das von Günther Milz gegründete Unternehmen Columbus Tours & Events.

Zurück nach Europa. Die türkische Riviera erhole sich zusehends, sagt der Experte und bestätigt den Zulauf bei Griechenland. Im Schnitt müsse man im Mittelmeerraum mit Preiserhöhungen von fünf Prozent rechnen. Für Familien sei es daher interessant, in Vergessenheit geratene Ziele wieder ins Visier zu nehmen. Beispielweise Bulgarien mit dem Goldstrand: „Wir haben dafür extra eine Mitarbeiterin hingeschickt“, erzählt Günther Milz. „Die Preise sind attraktiv. Leider leidet Bulgarien noch immer unter dem sozialistischen Image. Dabei sind die Hotels ordentlich, der Service gut, die Strände toll.“

Kaum finanzielle Hürden gibt es offenbar bei Kreuzfahrten. Das gehobene Segment wie die Europa 1 und 2 werde stark gebucht. Und wer im Sommer etwa bei „Mein Schiff“ eine Suite bevorzuge, müsse sich sputen. Bereits jetzt liegen bei Hapag-Lloyd Anfragen für 2025 vor. Allerdings sei der Wettbewerb im Luxusbereich mittlerweile hoch, sagt Milz, die Reedereien locken mit allerlei Rabatten. Es lohne sich, die Angebote sorgfältig zu prüfen.

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