Im Alten Küsterhaus in Meerbusch „Ansichtssachen“ aus einem langen Leben

Meerbusch · Im Alten Küsterhaus in Büderich wurde eine Ausstellung mit Werken der 97-jährigen Künstlerin Editha Hackspiel eröffnet.

 Auf den Wimmelbildern von Editha Hackspiel ist viel zu entdecken.

Auf den Wimmelbildern von Editha Hackspiel ist viel zu entdecken.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Da saß sie nun bei ihrer Vernissage im Alten Küsterhaus in Büderich und lächelte den Besuchern zu: Mit 97 Jahren strahlt Editha Hackspiel eine bewundernswerte Frische und Präsenz aus. Die Ausstellung „Ansichtssache“ der Meerbuscher Künstlerin spannt mit Radierungen, Städtebildern und Tuschezeichnungen einen Bogen über Jahrzehnte ihres Schaffens. Bürgermeister Christian Bommers ist mit Hackspiels Werken wohl vertraut: „Sie hingen schon in meinem Elternhaus“, sagte er in seiner Eröffnungsrede, „man kann überall in der Stadt auf sie stoßen. Was wäre Meerbusch ohne diese Künstlerin? Sicherlich ärmer.“ Das Alte Küsterhaus biete einen wunderbaren Rahmen für die „zwei Heimaten“ von Editha Hackspiel.

„Geboren in Düsseldorf und lange in Büderich wohnend, ist sie auf beiden Seiten des Rheins zu Hause“, fuhr Bommers in seiner Rede fort. In persönlichen Worten beleuchtete er ihre liebevoll gestalteten Zeichnungen, die eine positive Sicht auf die Welt zeigen: „Feine Radierungen fordern zu Spaziergängen mit den Augen auf. Ob Schützenfest oder Hochzeitsgesellschaft —­ die Künstlerin fängt heimatliches Leben ein, weckt Erinnerungen und Emotionen. Editha Hackspiels Kunst ist so menschlich wie sie selbst.“ Der Ausstellung, mit der man Meerbusch neu entdecken könne, wünschte er viele Besucher. Und der Künstlerin, die er als herzlich, offen und bodenständig schilderte, weiterhin viel Tatendrang.

„Die Einladung ist eine große Ehre und Freude für mich“, sagte Editha Hackspiel. „Ich spüre, es ist die letzte Möglichkeit, meine Bilder noch einmal so geschlossen zeigen zu können. Meine Tage sind gezählt, da mache ich mir nichts vor.“ Zu ihrem Spezialgebiet, den fragilen Radierungen, sei sie durch ihren Mann Wolfgang Hackspiel gekommen. Beide studierten an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er eine Arbeit über die Techniken der Radierung schrieb. „Eine komplizierte Angelegenheit, er brachte mir alles bei, was ich über Kupfer, Edelmetalle und Säure wissen musste“, so die Künstlerin.

Als Meerbuscher Künstler 1970 bei der Gründung der Stadt aufgefordert wurden, Werke einzureichen, war sie dabei: „Alle drei wurden genommen. Die Leute sahen sie und wollten sie haben.“ Neue Bilder mache sie nun nicht mehr. „Ich drucke in meiner Werkstatt nur noch meine Radierungen nach.“ Das Stichwort griff Galerie-Leiterin Isabelle von Rundstedt auf: „Man kann die Grafiken in der Ausstellung kaufen. Editha Hackspiel lässt ihre Druckermaschine schon warmlaufen.“

Die Idee zu der Ausstellung hatte ihr Ute Piegeler nahegelegt. „In meinem Büro hängen schon lange Bilder von Editha Hackspiel, die ich im Sommer endlich kennenlernen durfte“, berichtet die Chefin des Kulturamts der Stadt. Damals zweifelte die hochbetagte Künstlerin daran, ob sie wohl noch einmal eine Ausstellung schaffen würde. Ute Piegeler schaltete sich ein, und tatsächlich gab es im Alten Küsterhaus im Dezember noch eine Lücke.

Isabelle von Rundstedt ist glücklich über die Schau, die mit Unterstützung der Stadt zustande kam: „Ich war so frei, meine liebsten Wimmelbilder dafür auswählen zu dürfen.“ Man kann sich wirklich kaum sattsehen an den überbordenden Düsseldorfer Motiven mit Kirmes, Riesenrad, Drachen auf den Rheinwiesen und den zierlichen Szenen aus Hackspiels Meerbuscher Heimat.

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