Lutz Lienenkämper: „Ich versuche immer, vor Ort zu sein“

Lutz Lienenkämper: „Ich versuche immer, vor Ort zu sein“

Der Strümper (CDU) setzt auf die Fortsetzung der Regierung Rüttgers.

Meerbusch. "Aus gutem Grund", wirbt die CDU mit ihrem Landesverkehrsminister. Obwohl der allerorts großflächig und unübersehbar plakatiert ist, gibt er sich bescheiden: "Ich strebe an, den Wahlkreis wieder zu gewinnen", sagt Lutz Lienenkämper. Das ihm das gelingt, darf als sicher gelten, alles andere nicht: "Es ist eine ungeheure Richtungswahl", betont der Strümper. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals so unterschiedliche Konzepte der Parteien zu Studiengebühren, Großindustrie, Finanzpolitik, Infrastruktur oder Bildung gab." Trotzdem sehen die Umfragen keine klaren Mehrheiten: "Am Ende wird es um wenige 10 000 Stimmen gehen."

Erst vor fünf Jahren ist der heute 40-Jährige in den Landtag eingezogen. Da fungierte der eloquente Redner als wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion, bis er im März 2009 überraschend Bau- und Verkehrsminister wurde. Ein Durchmarsch. Seitdem reist Lienenkämper viel, aber entspannt durchs ganze Land ("Ich versuche immer, vor Ort zu sein. Das ist viel besser, als nur Pläne zu sehen"), gibt grünes Licht für Autobahnen, steigt in Tunnelgruben und wirbt für einen zukunftsweisenden Städtebau.

Fragt man ihn nach der großen Politik, fällt Lutz Lienenkämper aktuell die EU-Finanzhilfe für Griechenland ein. Für ihn ist der Kredit alternativlos und ein Beispiel für die nachhaltige und generationengerechte Politik der CDU: "Die Hilfe ist notwendig für einen stabilen Euro." Die Einbindung der Banken, strengste Konsolidierung und Kontrollen seien dabei unverzichtbar. Die Schuldenbremse müsse angezogen werden. "Wir wollen die Beweglichkeit der nächsten Generation sichern." Ausbau der Kinderbetreuung, Bildung von U3 bis zur Hochschule, eine gute Ausbildung ("damit Deutschlands Nachwuchs im globalen Wettbewerb bestehen kann") - auch da setzt Lienenkämper Schwerpunkte.

Die Vielfältigkeit des Landes habe er als Minister kennengelernt und dass es für unterschiedliche Bedingungen keine gleichen Lösungen geben könne, sagt er. "Alles muss maßgeschneidert sein." Den Blick von Einzelinteressen aufs Ganze zu richten, fällt dem Juristen nicht schwer. "Und wenn es von beiden Seiten gleichermaßen Kritik gibt, hat man offenbar einen Ausgleich gefunden, der trägt." Als analytisch, fair, ausgleichend und mit Mut zur Entscheidung beschreibt Lienenkämper sich selbst.

Seine Ausgeglichenheit ("Ich habe eine Entspannung ganz tief in meinem Körper") hat den Rotweinliebhaber und Freund geselliger Runden weder in der Landespolitik noch im Wahlkampf verlassen, auch wenn er selten mehr als vier bis sechs Stunden schläft. "Sechs bis acht wären mir lieber", gibt er immerhin zu. Was ihn trotz Stress rettet: "Ich kann unheimlich gut abschalten und brauche zum Glück keine großen Auszeiten."

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