Lkw-Blitzer ist bald wieder weg

Der Kreis lässt die Radaranlage an der Uerdinger Straße in Lank entfernen. Die Bürgergemeinschaft ist verärgert.

Vollkommen unbehelligt bretterte ein Lkw nach dem anderen gestern Vormittag über die Uerdinger Straße. An den Blitzer, den Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage vor einem Monat feierlich vorgestellt hatten, erinnerten an diesem Morgen nur zwei rot-weiße Warnbaken, die normalerweise rechts und links neben der Radaranlage stehen. Es ist schon das zweite Mal, dass die mobile Anlage plötzlich einfach weg ist. Nachfrage beim Kreis: Der Blitzer hat einen Akku, der etwa alle zwei Wochen aufgeladen werden muss, gestern Nachmittag war er wieder zurück. Die Lank-Latumer können sich an die Abwesenheit der Radaranlage aber schon mal gewöhnen. Wie der Rhein-Kreis gestern mitteilte, soll sie schon in der kommenden Woche am Donnerstag oder Freitag abgebaut werden und dann an einem anderen Standort im Kreis in Betrieb genommen werden.

Für die Bürgergemeinschaft Meerbusch Nord, die schon seit Jahrzehnten gegen die Lkw-Plage in Lank-Latum kämpft, ist das eine böse Überraschung. „Wir sind davon ausgegangen, dass der Blitzer erst wegkommt, wenn es eine stabile Zahlengrundlage gibt. Sonst war die ganze Sache doch ein Witz“, sagt Franz-Josef Jürgens. Mit der Radaranlage sollten Lkw über 7,5 Tonnen abgeschreckt werden, die zum Beispiel in den Krefelder Hafen wollen und dabei trotz Verbots durch Lank-Latum fahren. Dass sie überhaupt aufgestellt wurde, war das Ergebnis langer Diskussionen und zum Teil emotionaler Auseinandersetzung auch zwischen Politikern aus Meerbusch und dem Kreis Neuss. Denn beim Kreis hatte man lange keine Notwendigkeit gesehen, einen Blitzer aufzustellen.

Es scheint, als habe sich daran nicht viel verändert: Die erste Auswertung der Verstöße, die nun an die Stadt geschickt wurde, zeige „nicht beeindruckend hohe Zahlen“, sagte Petrauschke. Ziel sei es, dass sich Fahrer an Verkehrsregeln hielten, so der Landrat. Das sei offenbar zum großen Teil gelungen. In der Zeit vom 1. bis 15. Februar, wurden 82 Lkw-Fahrer geblitzt, die gegen das Durchfahrtsverbot verstoßen hatten, und 41 Autofahrer, die zu schnell unterwegs waren.

Eigentlich war die Aufstellung ein Lichtblick für viele Lanker gewesen, die die Geräuschkulisse ab fünf Uhr morgens, die zusätzlichen Abgase und die Gefahrenmomente für Fußgänger, Fahrradfahrer und Kinder durch die Lkw beklagen. Viele Fahrer fänden aber trotzdem einen Weg, den vollgesperrten Abschnitt der Uerdinger Straße zu umfahren, indem sie über das Gewerbegebiet In der Loh auswichen, sagt Jürgens. Doch auch dort sind die schweren Lkw eigentlich verboten — Liefer- und Anliegerverkehr ausgenommen.

Dass viele das nicht verstehen, liegt nach Auffassung der Bürgergemeinschaft auch an missverständlichen Schildern, die die Stadt im Herbst aufgestellt hat. Darauf ist die Uerdinger Straße in Richtung Krefeld mit einem Lkw-Durchfahrtsverbotszeichen gekennzeichnet. Die Rechtsabbiegung In der Loh/Robert-Bosch-Straße hingegen nicht. „Die Schilder laden die Lkw-Fahrer geradezu ein, durch Lank zu fahren und die gesperrte Strecke zu umfahren“, sagt Jürgens.

Auch Nierst betrifft der Durchfahrtsverkehr, die Bürgergemeinschaften haben sich im Kampf dagegen zusammengeschlossen. Die Nierster beklagen, dass teils fehlende und teils irreführende Schilder dazu führten, dass die Lkw in die Rheingemeinden fahren. Etwa 20 bis 30 Lkw pro Tag würden in Nierst gezählt, sagt Hans-Wilhelm Webers vom Nierster Bürgerverein. Dort war Landrat Petrauschke am Freitag zu Gast. Das Gespräch sei recht positiv verlaufen, fasst Webers zusammen.