Lank-Latum: Generationswechsel beim Buretheater

Lank-Latum: Generationswechsel beim Buretheater

Bei der Neuaufführung von Tante Trina im Forum überzeugen vor allem die jungen Schauspieler.

Lank-Latum. 26 Jahre nach der Uraufführung von Tante Trina hat Karl Schmalbach den Klassiker des Mundarttheaters in neuem Gewand auf die Bühne gebracht - mit vielen ironisch verpackten Anspielungen auf lokale Begebenheiten, frei von historischem Ballast und tiefschürfendem Hintersinn, dafür aber mit einer Überraschung: Die Tante Trina 2010 ist fast schon ein Musical.

Das ist offenbar nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass das Lotumer Buretheater hochkarätigen Zuwachs bekommen hat. Waren die jüngeren Ensemblemitglieder zu früheren Zeiten eher eine personifizierte Füllmasse, stehlen Tim Thönnissen und Neuling Sharon Ryan den etablierten Mimen nun fast die Show.

Vor allem die Vielfalt des Ausdrucks überrascht bei Thönnissen. In der Rolle des jungen, anfangs schüchternen Helden stottert er ebenso überzeugend wie er ansteckend zu lachen vermag, er singt, tanzt und beherrscht Hochdeutsch wie Platt. Auf ihn und die kaum minder professionell wirkende Ryan hat Schmalbach anscheinend nur gewartet, um mit seinem Laientheater das Wagnis einer neuen Stilrichtung einzugehen.

Die anderen Schauspieler wissen in den ihnen zugedachten Rollen zwar ebenfalls zu überzeugen, jedoch überlagert die Routine bisweilen ein wenig den Esprit. Eine Liesel Beeck zum Beispiel muss nur kurz um die Ecke lugen, schon hat sie die Lacher auf ihrer Seite. Diesen dominanten Status hat sich das Urgestein über fast drei Jahrzehnte hart erarbeitet, neue Seiten kann man an der für sie reservierten Rolle der neugierigen Nachbarin aber nicht erwarten.

Anders Daniel Groß: Sonst eher auf Nebenrollen spezialisiert, lässt er sich die Chance nicht nehmen, die Facetten der Figur des Klempnermeisters, der notgedrungen zur Fummeltrine wird, herauszukitzeln. Der trockene Humor ist die Stärke des Protagonisten in der Komödie.

Bereuen muss man den Besuch von Tante Trina auf keine Fall. Es ist einfach eine herrlich alberne Verwechslungskomödie, die keine größeren inhaltlichen Wendungen vorsieht und zielstrebig auf das Happy-End zusteuert. Doch auf diesem Weg haben Autor Schmalbach und Regisseur Friedhelm Engels einige lustige Abzweigungen eingebaut, die dem Stück insgesamt guttun.

Sprachliche Skurrilitäten sind es zu Beginn, die für Freude beim Publikum sorgen: der stotternde Möchtegern-Schauspieler, der Zungenbrecher aufsagt ("Nörgelnd nahten die Nonnen"), der Briefträger, der nur Platt spricht und sich am Englischen versucht, der Amerikaner, der mit seinem gebrochenen Deutsch Stirnrunzeln auslöst.

Besonders aufmerksam dürften die Zuschauer hingehört haben, als Pastor Achtel ("Wie Viertel nur die Hälfte") vom Leid der Pfarrfusionen klagte. Und jeder wusste natürlich sofort, auf wen die Anspielung passt, als Angela Pütz sich als Aaron-Beraterin den Teint von Tante Trina vorknöpft. Bei Frau Rickenkötter-Zumpelbach (Gerda Paas) reicht schon das Aussprechen des Nachnamens, um zu wissen: Jetzt kommt der Auftritt der blasierten Zicke, die in keinem Stück von Schmalbach fehlen darf. Um es nachdrücklich zu unterstreichen, dass es sich um eine unsympathische Person handelt, lässt der Autor sie glasklares Hochdeutsch sprechen.

Am Ende kommt es tatsächlich zu "There’s no business like show business" zu einem fulminanten Tanz-Finale.

Den Zuschauern gefiel es, so viel Applaus gab es schon lange nicht mehr für das Lotumer Buretheater.

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