Lank: Das Seelenleben eines Retters

Lank: Das Seelenleben eines Retters

Der Feuerwehrmann Günter Nuth hat in seinem Buch „Blaulicht im Feuer“ Erlebnisse seiner Kollegen festgehalten.

Lank. Brände, Verkehrsunfälle, Suizide - 1,34 Millionen Feuerwehrleute sind in Deutschland während ihrer Rettungseinsätze immer wieder mit Extremsituationen konfrontiert. Bilder und Erinnerungen steigen immer wieder aus dem Unterbewusstsein empor. Mit seinem neuen Buch "Blaulicht im Feuer - Was uns bleibt, sind die Bilder" gibt Günter Nuth (58) einen Einblick in das Seelenleben von Feuerwehrmännern und Feuerwehrfrauen.

Nicht nur eigene Erlebnisse und Erfahrungen hat Nuth niedergeschrieben. 23Gastautoren erzählen in dem 214Seiten umfassenden Werk sehr persönliche Geschichten aus dem Dienst.

Statt romantischer Heldenverehrung gibt es Ausschnitte aus der Wirklichkeit. In einer empathischen Sprache wird der Leser an unterschiedliche Einsatzorte geführt und sieht die Welt durch die Augen der Rettungskräfte, teilt ihre Gefühle.

Auf einen wissenschaftlichen Fachjargon verzichtet der Autor und macht das Buch so für eine breite Leserschaft interessant. Verlagsleiter Alfred Büngen versteht das Werk als Lektüre für Betroffene und deren Angehörige: "Feuerwehrleute versuchen meistens, ihre Familien von ihrem Arbeitsalltag fernzuhalten. Das Buch kann gerade deshalb auch den Angehörigen helfen, das Verhalten zu verstehen."

Günter Nuth selbst möchte die Kollegen dazu ermutigen, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Der Gesprächswunsch nach einem schwierigen Einsatz dürfe nicht als Schwäche ausgelegt werden, denn die Mentalität "Das kann ich alles ab" könne nicht für jeden gelten. "Transparenz und Offenheit erleichtern den Umgang mit belastenden Einsätzen."

Als Einsatzleiter bei der Berufsfeuerwehr in Düsseldorf und als Fachberater für Psychotraumatologie habe er die Erfahrung gemacht, dass die psychische Belastung dann besonders groß sei, wenn Kinder von den Einsätzen betroffen seien oder eine persönliche Beziehung zwischen Opfer und Retter bestehe.

Nach 33Jahren bei der Feuerwehr hat der Meerbuscher Nuth unzählige Einsätze miterlebt. Wichtig ist ihm, das Bild seines Berufsstands richtig zu skizzieren: "Wir sind ganz normale Menschen, die auch eine Seele haben."

Als sich zum Ende seiner Lesung am Samstag in der Fahrzeughalle der Feuerwehr Meerbusch unter den Zuschauern ein bedrücktes Schweigen breit machen will, erzählt Nuth eine Anekdote aus seinem Eheleben. Ein Wechsel, den Feuerwehrleute jeden Tag schaffen: Raus aus dem Einsatz und rein in das normale Leben.