Lärmkartierung: Stadt fehlt Instrumentarium

Messwerte zeigen nicht die reale Belastung. Stadt ist oft nicht zuständig.

Meerbusch. Die Menschen sollen vor Lärm geschützt werden — europaweit. Lärmkarten, die die aktuelle Situation abbilden, werden erstellt, Grenzwerte festgelegt. Wenn diese überschritten werden, soll ein Aktionsplan in Kraft treten, um die Situation zu verbessern. Die entsprechende Lärmkartierung wurde auch für Meerbusch erstellt, und sie ist im Internet (www.umgebungslaerm.de) hinterlegt. Dort können sich Bürger informieren, Anregungen, Bedenken oder Beschwerden äußern. Am 29. Januar 2014 wird der Bau- und Umweltausschuss darüber abschließend beraten.

Weil bei der Lärmkartierung Hauptstraße berücksichtigt werden, die von mehr als drei Millionen Fahrzeugen im Jahr genutzt werden, sind erstmals die Dorfstraße in Büderich und die Meerbuscher Straße westlich der Autobahn bis zum Bahnhof erfasst. Was auffällt: Nicht berücksichtigt sind die Lärmwerte entlang der Bahn. Das Eisenbahnbundesamt hat die entsprechenden Zahlen noch nicht ermittelt.

Ein anderer Faktor macht die Grenzen der Erkenntnisse deutlich: Laut Lärmkartierung ist der Lärm des Flugbetriebs kein Grund, für Lärmminderungsmaßnahmen. Detlev Horn vom städtischen Umweltamt kennt den Grund: „Es handelt sich um Jahresmittelwerte, die natürlich wenig über einzelne Schallereignisse und individuelle Betroffenheiten aussagen“, erläutert Horn. Außerdem seien die Lärmindizes auf europäischer Ebene — weil auf anderer Grundlage errechnet — nicht mit nationalen Werten vergleichbar. Der Planungspolitiker Hans-Werner Schoenauer bringt es auf den Punkt: „Die Kartierung spiegelt die tatsächlichen Lebensbedingungen vor Ort nicht wider.“

Nicht nur gefühlt — was den Bahn- oder Fluglärm betrifft — sondern auch nach der EU-Systematik sind in Meerbusch 114 Personen in 78 Wohnungen tagsüber zu großem Lärm ausgesetzt. Nachts sind es 184 Menschen (108 Wohnungen).

Einen städtischen Aktionsplan löst diese Feststellung dennoch nicht aus. „Meerbusch kann das nicht aus eigener Kraft ändern“, sagt Detlev Horn. Die Stadt sei für die Quellen des Lärms nicht zuständig, habe auf die Straßenträger, Flug- und Bahnverantwortliche keinen direkten Einfluss. Was bleibt ist ihr politisches Gewicht. Im Dialog mit den zuständigen Stellen dränge man darauf, Einfluss zu nehmen, um Verbesserungen zu erreichen. „Geschwindigkeitsbegrenzungen sind das wirksamste Mittel für eine Lärmminderung“, sagt Horn. Auch Schallschutzvorrichtungen an Gleisen oder die Umrüstung von Zugbremsen seien effektiv, würden aber nicht im erforderlichen Maß vorangetrieben, wie der Umweltfachbereichsleiter Heiko Bechert betont.

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