Dauerausstellung im Verwaltungsgebäude : Ehemalige Grundschule wird zum Kunstraum

Im Erwin-Heerich-Haus in Bovert ist die „Bürgermeisterin-Galerie“ eröffnet worden.

Hinter dem Überbegriff ‚Kunst im öffentlichen Raum‘ steht der Gedanke, ‚Kultur für alle‘ begreifbar und zugänglich zu machen. Auch deshalb spielt Kunst im Meerbuscher Straßenbild eine große Rolle. „Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, dem begegnet Kunst auf Schritt und Tritt“, fasst Angelika Mielke-Westerlage das Angebot an Skulpturen, Rauminstallationen und Brunnen im Stadtgebiet zusammen.

Die Bürgermeisterin eröffnete die Dauerausstellung „Kunst im Erwin-Heerich-Haus“ unter anderem in Anwesenheit der Kunsthistorikerin Margot Klütsch und des Ersten Beigeordneten Frank Maatz: „Wir werden Zeuge einer besonderen Begegnung – das historische Gebäude der ehemaligen Grundschule Bovert wird Kunststätte.“

Dafür, dass alle Werke gut platziert und ins richtige Licht gesetzt werden, sorgte Kurator Bernd R. Meyer. Ihm ist zu verdanken, dass in einer Werkschau 47 Arbeiten aus dem Bestand der Kurt-Sandweg-Stiftung und vier Arbeiten des Meerbuscher Künstlers Holger Runge gezeigt werden können. „Kunst im öffentlichen Raum wird immer wichtiger. Hier sind die Arbeiten jeder Zeit zu sehen“, lobt Professor Bernd Witthaus, Vorstand Kurt-Sandweg-Stiftung. Neben den aus der Stiftung stammenden Nachlässen verstorbener Künstler sind im Treppenhaus des Erwin-Heerich-Hauses zwei Großplastiken von Erwin Heerich platziert, die der Meerbuscher Kulturkreis – vertreten durch die Vorstandsmitglieder Steffi Valentin, Lothar Beseler, Heribert Schween und Ludwig Petry – noch zu Zeiten der schulischen Nutzung des Gebäudes gespendet hatten.

Im Verwaltungsgebäude ist eine kleine weiße Fläche frei geblieben

Aus dem Verwaltungsgebäude am Bommershöfer Weg wurden 25 weitere Arbeiten des über mehrere Jahrzehnte in Meerbusch lebenden Künstlers an den Neusser Feldweg geholt. Sie sind im Erdgeschoss des Gebäudes zu sehen. Holger Runge, Mitbegründer der „Radiergemeinschaft Osterath“, ließ es sich nicht nehmen, die Wirkung seiner und der anderen Werte persönlich zu begutachten.

Dass die meisten der Heerich-Werke von Berthold Brecht-Zeilen begleitet sind, begründet der 93-jährige Runge so: „Ich war eng mit Erwin Heerich befreundet und weiß, dass das sein absoluter Liebling war.“

Neben Werken von Elba Beseler-Müller, Edith Oellers-Teuber, Werner Laumer, H. Dieter Golibrzuch, Reiner Lichtenscheid, Walter Cüppers, Gertrude Gröninger van der Eb, Ursula Lamberty und Hans-Georg Lenzen sowie Gastgeschenken aus Fouesnant und Shijonawate haben fünf Tuschearbeiten von Hans Paul Gestermann auf dem Bürgermeisterflur im Heerich-Haus Einzug gehalten. Tochter Ingrid Kuntze hat sie der Dauerausstellung überlassen: „Ich bin glücklich darüber, die Bildserie ‚Bewegung integriert Form‘ in der Bürgermeisterin-Galerie zeigen zu können. Es gibt sogar eine Verbindung zwischen den Familien Heerich und Gestermann. Nach dem Krieg lebten sie beide in der Grabenstraße in Büderich.“ Angelika Mielke-Westerlage: „Die Kunststadt Meerbusch ist um einen wertvollen Akzent reicher. Das ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.“

In Absprache zwischen der Bürgermeisterin und Kurator Meyer – er bezeichnet Erwin Heerich als wertvollen „Ideengeber“ – ist im Verwaltungsgebäude eine kleine weiße Fläche frei geblieben: „Die haben wir für ein bis zwei weitere Künstler reserviert.“

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