Kreis schließt Senioreneinrichtung in Strümp

Kreis schließt Senioreneinrichtung in Strümp

Zwei Seniorenheime in Meerbusch müssen wegen schwerwiegender Mängel in der Hygiene geschlossen werden. Insgesamt 100 Bewohner suchen eine neue Bleibe. Lesen Sie mehr zu dem Thema am Freitag in der gedruckten Ausgabe der Westdeutschen Zeitung.

Meerbusch. Der Rhein-Kreis Neuss hat am Donnerstag die Schließung der beiden Senioreneinrichtungen der Marseille-Kliniken in Meerbusch-Strümp verfügt. Dem Betreiber wird eine Frist eingeräumt: Die beiden Häuser - Medina und Seniorenpark - sollen bis Ende November abgewickelt werden. Kreissozialdezernent Jürgen Steinmetz begründete diesen außergewöhnlichen Schritt mit schwerwiegenden Mängeln in der Hygiene, der medizinischen Versorgung und der Verpflegung der Bewohner.

100 Menschen leben zurzeit noch in den beiden Häusern. Steinmetz: "Der Betreiber ist in der Pflicht, neue Plätze für die Bewohner zu finden. Aber wir vom Rhein-Kreis und auch die Stadt Meerbusch werden uns ebenso darum bemühen." Die beiden Einrichtungen - als zusammenhängendes Gebäude realisiert - waren 2008 eröffnet worden.

Seitdem hatte es immer wieder Beschwerden gegeben. Diese riefen die Heimaufsicht auf den Plan und führten dazu, dass die Kontrollen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, die regulär einmal im Jahr durchgeführt werden, verstärkt wurden. Anlassbezogen, wie Karlheinz Großgarten, der stellvertretende Leitende Arzt des MDK Nordrhein, sagt, seien insgesamt 36 Prüfungen durchgeführt worden. Die Marseille-Einrichtungen wurden unter Aufsicht gestellt. Substantielle Verbesserungen habe es aber bis zuletzt nicht gegeben. Deshalb haber der Kreis schließlich keine andere Möglichkeit gehabt, als jetzt die Schließung zu verfügen, sagt Steinmetz. "Ein absoluter Einzelfall im Rhein-Kreis Neuss."

Der Betreiber will gegen die Entscheidung vorgehen, die er durch nichts begründet sieht. Die Marseille-Kliniken hätten sich auf einem "sehr guten Weg zu unserem gesetzten Ziel" befunden, teilt Vorstand Dieter Woppen mit. "Besonders qualifizierte Mitarbeiterinnen" des Konzerns seien nach Strümp abgeordnet worden, um die Fehlerquellen zu finden und abzustellen. Die Bemühungen, die Pflegequalität zu verbessern, hätten erste "erste Früchte" getragen, auch wenn diese langsamer vonstatten gingen als erhofft. Das sei dem "eklatanten Mangel an Pflegkräften bundesweit" zuzuschreiben.

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