Kein Platz für Vorurteile

In der dritten Mannschaft des SSV Strümp spielen Fußballer aus zehn Nationen — ein Paradebeispiel gelebter Integration.

Flüchtlinge haben in Deutschland immer noch häufig mit Vorurteilen und Ablehnung zu kämpfen. Doch es geht auch anders: Ein positives Beispiel für gelebte Integration liefern Trainer Uwe Wimmers und die dritte Mannschaft des SSV Strümp. Die Multikultitruppe hat fünf Flüchtlinge in das Team integriert.

Insgesamt spielen in der Kreisliga-C-Mannschaft inzwischen Akteure aus zehn verschiedenen Nationen: Spanien, Türkei, Italien, Russland, Aserbaidschan, Guinea, Somalia, Iran, Irak und Deutschland. „Bei uns spielt es keine Rolle, wo jemand herkommt. Hauptsache die Jungs sind charakterlich einwandfrei — und das sind sie alle“, bekräftigt Trainer Uwe Wimmers. 2016 — rund um den Sportplatz am Fouesnantplatz waren zahlreiche Zuwanderer in Turnhallen und Heimen untergekommen — initiierte der 55-Jährige ein freies Training für Geflüchtete. „Das wurde super angenommen. Anfangs waren wir nur zu fünft, am Ende war mehr als ein Dutzend dabei“, berichtet Wimmers.

Hussein Al Anbagi, Fußballer beim SSV Strümp

Schnell erkannte der Trainer, dass der eine oder andere Spieler so talentiert ist, dass er eine Bereicherung für die Mannschaft sein könnte. Hussein Al Anbagi, vor zweieinhalb Jahren aus dem Irak nach Deutschland gekommen, war damals der erste Flüchtling, der den Weg in das Strümper Team fand. „Es gab keinerlei Berührungsängste. Die Jungs haben mich super aufgenommen.“, erzählt Al Anbagi. In Hamid Feyz Nashtebani, Ali Bafandegan und Aboubacar Bangoura und Dalmar Mohamud Bashir folgten vier weitere Flüchtlinge. „Ich bin 2015 aus dem Iran ganz alleine nach Deutschland gekommen und kannte niemanden. Durch die Fußballmannschaft habe ich inzwischen viele Freunde gefunden“, sagt Hamid Feyz Nashtebani.

Wer die SSV-Mannschaft auf dem Trainingsplatz beobachtet, merkt, dass die Chemie in dieser Truppe stimmt. Die Spieler frotzeln sich gegenseitig, machen Späße über die Nationalität des anderen, verlieren aber nie den Respekt voreinander. Diese Vielseitigkeit der Nationen und Kulturen sei eine tolle Sache, da jeder Spieler Mentalitäten und kulturelle Dinge kennenlerne, die ihm bisher vielleicht noch unbekannt waren, sagt Wimmers.

Mit der Nationalitäten-Vielfalt waren zu Beginn aber auch Herausforderungen verbunden, denn nicht jeder Spieler war sofort der deutschen Sprache mächtig. „Ein wirkliches Problem war das aber nie“, sagt Wimmers. Sie verbindet etwas anderes: „Gib den Jungs einen Fußball — und sie verstehen sich.“ Der SSV Strümp steht voll hinter der Multikultitruppe, die momentan den fünften Platz in der Kreisliga C belegt.

Alle Geflüchteten müssen keinen Jahresbeitrag bezahlen, bekamen zudem eine Fußballausrüstung gestellt. „Ohne die großartige Rückendeckung des Vereins wäre es nicht so einfach gewesen, die Jungs so unkompliziert zu integrieren“, sagt Wimmers. Misstrauen oder Vorbehalte habe er gegenüber seiner Mannschaft noch von keiner Seite gespürt — im Gegenteil. „Wir bekommen immer wieder gesagt, was wir für eine disziplinierte und freundliche Mannschaft wird sind“, sagt Wimmers. „Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind, den Menschen über den Fußball zu zeigen, wie unbegründet manche Vorurteile sind.“