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Jugendtheatergruppe: „Die Braut sitzt im Moment im Abi“

Jugendtheatergruppe: „Die Braut sitzt im Moment im Abi“

WJT-Gruppe spielt „Das Haus in Montevideo“.

Meerbusch. Der jüngste ist sechs, der älteste 26 Jahre alt: 24 Laien-Schauspieler stehen am Samstag und am Sonntag auf der Bühne des Meerbusch-Gymnasiums in Strümp. Sie führen „Das Haus in Montevideo“ auf.

Nicht zum ersten Mal und nicht ohne Hintergedanken: Es spielt die Jugendtheatergruppe der Gemeinde St. Pankratius in Ossum-Bösinghoven, und ein Teil der Schauspieler wird im August am Weltjugendtag in Madrid teilnehmen. Da ist jede Einnahmequelle willkommen, um diese Reise finanzieren zu können. Auch die Eintrittsgelder für die Neuauflage einer zwei Jahre alten Premiere.

Nur zehn Tage hat das Ensemble Zeit, sich mit den Figuren und der Regie vertraut zu machen, denn mittlerweile sind viele Spieler der Schule entwachsen und an ihren Studienort gezogen. Aus Aachen, Münster oder Freiburg sind sie für zehn Tage nach Ossum-Bösinghoven gekommen.

In Haus Gripswald und im Strümper Gymnasium proben sie, mal nur „die Großen“, mal alle gemeinsam. Michaela Heereman und Elisabeth Jatzkowski halten die Fäden auf der Bühne zusammen. Ausrutscher — im wahrsten Wortsinn — darf sich niemand erlauben: „Es gibt 24 Schauspieler und ebenso viele Rollen“, sagt Michaela Heereman.

Tisch und Stühle sind in ihrem Wohnzimmer beiseite gerückt, rund um den Wohnzimmertisch sitzen Priester Riesling (Marie Heereman), Professor Traugott Nägler (Markus Schreiber), Frau Professor (Sophie-Christine Hueth) und Sarah Schumacher — noch in zivil. Schumacher ist die neue Madame de la Rocco. Braut und Bräutigam sind nicht da: „Die Braut sitzt im Moment im Abi, der Bräutigam in Aachen.“

Ihre Rollen sind den Spielern mittlerweile vertraut, doch langweilig sind die Proben nicht. Im Gegenteil. Nachdem sie für die Premiere vor zwei Jahren noch mit dem Text kämpften, entdecken sie jetzt jeden Tag neue Feinheiten, subtilen Witz und Pointen in ihm. Die wollen sie bis zur Neuaufführung in Strümp am Wochenende herauszuarbeiten.

„Wir entdecken immer andere Aspekte, und wir stellen jeden Tag den Text und die Regie wieder um“, erzählt Sophie-Christine Hueth. „Leben und Rolle, das können wir im Moment gar nicht mehr auseinanderhalten“, sagt Marie Heereman. Ein Theaterbesuch, so wirbt die „Frau Professor“, lohne sich auch für diejenigen, die die Premiere vor zwei Jahren gesehen hätten.

Wichtig für das Gelingen auch diesmal: Kulissenschieber, Bühnenbauer und Kostümschneiderinnen. „Ohne die geht gar nichts“, betonen Michaela Heereman und Elisabeth Jatzkowski.