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Jürgen Schneider aus Meerbusch baut Schiffe und Co. nach

Meerbuscher und ihre Hobbys : Modellbauer mit Liebe zum Detail

In seiner Werkstatt baut Jürgen Schneider detailtreu die Modelle von Maschinen, U-Booten oder Segelschiffen nach. Als Vorlage dienen alte Pläne oder Gemälde.

Bereits als Zehnjähriger hat sich Jürgen Schneider für Modellbau interessiert: „Damals lief ein kleines Balsa-Holzboot mit Außenbordmotor im Kreis. Dann kam eins zum anderen und die Schiffe wurden immer größer.“ Zur Konfirmation gab es als Geschenk die 80 Zentimeter große Wasserschutzpolizei vom Bodensee, ein Bausatz, dessen Fertigstellung über ein Jahr dauerte. „Um mir eine Fernsteuerung kaufen zu können, habe ich in den Ferien sechs Wochen gearbeitet“, erinnert sich der gelernte Schriftsetzer.

Seit zwei Jahren ist er im Ruhestand. Seitdem nimmt der Modellbau einen großen Teil seines Lebens ein: „Trotzdem – es ist ein Hobby.“ Für Schneider deckt der Modellbau eine ganze Bandbreite ab: „Das sind nicht nur Autos, Flugzeuge oder Schiffe.“ Was er damit meint, wird klar, wenn er seine diversen Modelle zeigt, voller Begeisterung technische Details und häufig auch geschichtliche Hintergründe erklärt.

Als Beispiel lässt er nacheinander zwei von ihm gebaute Dampfmaschinen laufen, mit Pressluft. „Es ginge auch mit Dampf, wie bei den echten aus den letzten Jahrhunderten. Doch das wäre sehr aufwendig“, erklärt er. Beide Maschinen sind den Originalen nachempfunden. Die eine Maschine steht heute in einem Museum in Schweden. Früher trieb sie mit ihren beiden Zylindern und den großen Schwungrädern mit über drei Meter Durchmesser Pumpen an, die Kalkmilch beförderten. Die andere Maschine hat für die Transmission im Websaal gesorgt: „Sie hatte die Aufgabe, Webstühle anzutreiben.“

Der Modellbauer liebt die Herausforderung, Dinge im kleinen Format nachzubauen. Er beschäftigt sich mit dem Material, bearbeitet Blöcke aus Grauguss und verarbeitet in seiner komplett ausgerüsteten Werkstatt auch Stangen aus Stahl oder Messing: „Gelernt habe ich das alles nicht, ein Freund hat mir gezeigt, wie ich mit einer Drehbank umgehen muss.“

Der Modellbauer stellt sich selbst in Miniatur auf die Schiffsbrücke

An manchen Projekten baut er immer wieder. So auch an dem Maschinenraum eines Schiffes aus der Kaiserlichen Marine, einem seiner größten Objekte. Die Historie spielt oft eine Rolle: „Der Kaiser wollte eine stattliche Marine haben.“ Jetzt steht der Modellbauer selbst auf der Brücke, in 3D gescannt und in einer Größe von 13 Zentimeter ausgedruckt, betrachtet er die Baupläne. Sehenswert ist auch das Modell eines großen Windjammers, der Cutty Sark, die im 19. Jahrhundert speziell für den Teetransport zwischen Indien und England eingesetzt wurde. Das Original kann heute noch besichtigt werden und liegt als Museumsschiff in einem Trockendock in Greenwich-London. Zu sehen ist auch das Modell eines U-Boots, der U 96, bekannt durch den Roman „Das Boot“. Das Modell hat die stolze Länge von 130 Zentimetern, ist offen gebaut, und der Betrachter hat Einblick in Maschinenraum und Kommandobrücke.

Spaß macht es dem in Büderich aufgewachsenen Hobby-Tüftler, wenn er auf Messen Besucher den Hebel eines Maschinentelegraphen mit den Angaben sämtlicher Steuerbefehle bedienen lässt. Dann erschallt ein lauter Ton, der ein bisschen erschreckt, aber vor allem Staunen auslöst. Das tut auch das in den rund 100 Jahre alten Esstisch eingelassene Diorama. In die Mitte der Tischplatte hat Schneider eine Glasplatte gesetzt, darunter einen Holzkasten, der herausgenommen werden kann: „In diesem Kasten können Geschichten erzählt werden. Die Ideen dazu gehen nie aus.“

Im Moment ist ein Diorama über den Walfang des 19. Jahrhunderts zu sehen, gut recherchiert und in einer schaurigen Momentaufnahme festgehalten – ein kleines Boot mit Walfängern an den Rudern, die einen Wal harpuniert haben. Alte Pläne und Gemälde dienten als Vorlage. „Es soll faszinieren und das tut es auch – nicht nur Kinder“, sagt er.

Langeweile hat der Modellbauer nie. Geht das eine Projekt zu Ende, ist schon die Idee zu einem neuen da. Es kann aber auch sein, dass er Aufträge bekommt – wie etwa vor Jahren als Wunsch seiner Tochter verpackt: „Papa, ich brauche einen Berg mit Höhle und Wasserfall zum Spielen.“ Den Berg gibt es noch heute. Er wurde gemeinsam erbaut. Denn Jürgen Schneiders Leitsatz lautet: „Geht nicht, gibt es nicht.“