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Inklusion: Es gibt nicht nur Gewinner

Inklusion: Es gibt nicht nur Gewinner

Die Gesamtschule zieht nach vier Jahren mit integrativen Lerngruppen eine positive Bilanz.

Büderich. Seit Schulgründung besuchen behinderte Kinder die Maria-Montessori-Gesamtschule (MMGS) in Büderich und streben mit ihren Klassenkameraden im gemeinsamen Unterricht den Abschluss an. In vier Jahrgängen gibt es darüber hinaus mittlerweile integrative Lerngruppen mit förderbedürftigen Kindern, die den Schulabschluss trotz der besonderen Unterstützung vielleicht nicht schaffen. Im kommenden Schuljahr werden in Meerbusch neue integrative Gruppen gebildet: Sechs Kinder werden an der Gesamtschule erwartet, Platz für fünf Kinder wird erstmals am Mataré-Gymnasium geschaffen.

Während sich dessen Schulleiter Jörg Winterwerb von dem Auftrag der Inklusion nach eigenem Bekunden überrumpelt fühlt und noch nicht weiß, wie er ihm gerecht wird, läuft das Modell an der Gesamtschule gut.

„Es ist ein intensiver Prozess, aber es ist eine Selbstverständlichkeit, auf unterschiedliche Kinder einzugehen“, betont Schulleiter Klaus Heesen. Marianne Conradi, die didaktische Leiterin der MMGS, sieht den Prozess nicht auf Unterricht und Schule beschränkt: „Unser Gesellschaftsbild ist so. Man muss unterschiedliche Fähigkeiten akzeptieren. Jeder soll sich einbringen. Es gibt nicht nur Gewinner und Verlierer.“ Respektvollen Umgang fordern Heesen und Conradi auf allen Ebenen: der Pädagogen miteinander, der Schüler untereinander und ebenso im Schüler-LehrerVerhältnis.

Im Schulalltag sind Förder- und Regelschüler nicht zu unterscheiden. Die Grenze verschwimmt auch im Unterricht. Da kann es sein, dass ein Lehrer eine kleine Schülergruppe aus dem Matheunterricht nimmt, um den Stoff nebenan erneut zu erläutern. Das können Regel- und Förderschüler nutzen. „Leistungsstarke Schüler und Förderschüler setzen sich zusammen“, gibt Conradi ein anderes Beispiel. Der Nebeneffekt: „Schüler sollen nicht stigmatisiert werden.“

Conradi und Heesen wirken von dem Konzept überzeugt. Qualität komme durch Offenheit und Vielfalt. „Wir probieren viel aus und lassen viel zu“, sagt Marianne Conradi. „Es klappt nicht alles super, aber wir setzen uns damit auseinander.“ Regelmäßig tauscht man sich im Kollegium, im Klassenrat und im Elternkreis Integration aus.

Es gibt auch Hürden: Manche Lehrkräfte müssten überzeugt, die nur stundenweise abgeordneten Sonderpädagogen ins Kollegium integriert werden. „Es ist nicht Aufgabe der Förderlehrer, sich um die integrative Lerngruppe zu kümmern, sondern Aufgabe aller“, betont Heesen. Das Kollegium ziehe mit, aber „wir haben auch darum gekämpft“, sagt Conradi. Verständnis hat sie für die Skepsis angesichts der Belastung der Lehrkräfte: immer mehr, immer differenziertere Arbeit. „Geld für Fortbildungen ist da, aber die Zeit fehlt.“

Auf die Zusage des Landes, Förderlehrer stundenweise zusätzlich einzusetzen, könnten sich die Kollegen im Mataré verlassen, sagt das Gesamtschul-Duo. „Aber das reicht nicht“, kritisiert Conradi. Eine durchgehende Lehrer-Doppelbesetzung sei in einer Klasse mit integrativer Gruppe notwendig, 27 bis 30 Schüler seien zu viel. Trotzdem steht sie zur Inklusion: „Das ist eine Herzensangelegenheit.“