Hooligan aus Meerbusch vor Gericht

Hooligan aus Meerbusch vor Gericht

Dem Anhänger von Fortuna Düsseldorf drohen im Fall einer Verurteilung mehrere Jahre Haft.

Ein spektakulärer Prozess um Fußball-Randale im großen Stil hat gestern am Neusser Amtsgericht begonnen. Angeklagt ist ein 22-jähriger Meerbuscher. Er soll als Hooligan von Zweitliga-Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf immer wieder für Ausschreitungen gesorgt haben. Jetzt drohen ihm mehrere Jahre Gefängnis.

Foto: mape/faja (Archiv)

Im April 2016 war Sebastian G. erstmals in Erscheinung getreten. Der damals 20-Jährige hatte beim Fortuna-Auswärtsspiel in Bielefeld für Randale gesorgt. Dort war es Mitte der zweiten Halbzeit zu Ausschreitungen im prall gefüllten Fortuna-Block gekommen. Mitglieder der Hooligan-Gruppe „Bushwackers“ hatten sich mit Angehörigen der Fortuna-Ultras eine heftige Keilerei geliefert. Mittendrin: Sebastian G.

Richter Heiner Cöllen zeigte zum Prozessauftakt entsprechende Videoaufnahmen der Polizei, auf denen der junge Meerbuscher gut zu erkennen war. Hintergrund der internen Düsseldorfer Fan-Schlägereien ist ein schon länger schwelender Konflikt zwischen den Hooligans und den UItras des Vereins. Ein junger Mann war damals am Kopf verletzt worden und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Weit dramatischer waren die Folgen einer weiteren Schlägerei, die G. gemeinsam mit anderen Fortuna-Hooligans in der Düsseldorfer Altstadt angezettelt hatte. Hier war der 22-Jährige im Sommer letzten Jahres auf englische Fußballfans losgegangen, die auf der Außenterrasse eines Lokals saßen und Bier tranken. Tische und Stühle flogen, im Karatestil setzte es Schläge und Tritte. Eine Frau wurde schwer verletzt und lag wochenlang im Krankenhaus. Darüber hinaus legte die Staatsanwaltschaft Sebastian G. auch noch Ausschreitungen beim Fußball in Remscheid sowie in Kassel und einen Fall von Nötigung auf der größten Kirmes am Rhein in Düsseldorf zur Last — hier soll er versucht haben, einem Anhänger von Borussia Mönchengladbach eine Jacke zu rauben.

G. räumte die Vorwürfe unumwunden ein. „Es tut mir leid, ich bedauere mein Verhalten sehr“, erklärte der arbeitslose Aushilfsarbeiter. „Ich entschuldige und schäme mich. Ich distanziere mich auch von den Personen, mit denen ich damals unterwegs war.“ Er habe zuhause und in der Schule wenig Anerkennung genossen, sei immer ein Außenseiter gewesen. Durch die Randale und Krawalle habe er sich in der „Szene“ Anerkennung verschaffen können. „Das war wie eine Familie für mich“, erklärte G. vor Gericht. Auch „Gefährderansprachen“ der Polizei waren bei dem heute 22-Jährigen wirkungslos geblieben. „Er hat sich das alles angehört, aber kaum was gesagt“, so ein szenekundiger Beamter. Aufgrund der Vielzahl von Verfehlungen wird er inzwischen bei der Polizei als „Intensivtäter“ geführt“. Auch in Würzburg und Dresden war es nach Spielen von Fortuna Düsseldorf schon zu Prozessen gekommen.

Fraglich ist allerdings, ob sich der Angeklagte tatsächlich wie berichtet aus der Fortuna-Szene gelöst hat. Auf Facebook präsentiert sich G. nach wie vor als „Hooligan“ und Schläger, der nach Angaben seiner Kameraden „den Wahnsinn in den Augen trägt“. Nach eigenen Angaben will er damit aber nichts mehr zu tun haben. „Die fünf Monate in U-Haft haben mir die Augen geöffnet“, beteuerte Sebastian G. gestern. Das Neusser Amtsgericht hat für den Prozess insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll schließlich Ende Februar verkündet werden. Red/mape

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