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Heike Seibt hat ihre Alpakas zum Schmusen gern

Heike Seibt hat ihre Alpakas zum Schmusen gern

Die sechs Tiere sind auf dem Bauernhof an der Fischelner Straße in Bösinghoven eine echte Attraktion.

Neugierig recken sie die langen Hälse über den Zaun. Die großen, sanften Knopfaugen unter dem strubbeligen Haarschopf, der ihnen trotz der Schur geblieben ist, beobachten jeden Neuankömmling. Die Wesen kauen währenddessen genüsslich auf Grasbüscheln, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Ein leises Summen hier und da — das ist ihre Kommunikation. Die sechs Alpakas von Heike Seibt und ihrem Mann Michael sind in Bösinghoven eine Attraktion und weiden gerade auf der Wiese gleich neben dem Hofladen der Gemüsebauern. Linus, Paco, Prinzessin, Calita, Sanja und Carlos sind keine Tiere, die man auf einem Bauernhof erwarten würde. Die mit Lamas verwandten Tiere sind eigentlich in den südamerikanischen Anden zu Hause.

Ihr tierischer Chef ist Carlos, der bereits seit zehn Jahren an der Fischelner Straße wohnt. „Ihm folgt die Herde überall hin“, sagte Heike Seibt. Die 49-Jährige kam 2006 in Norddeutschland zum ersten Mal mit den Tieren in Kontakt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ein Spruch der Inka, für die die Tiere heilig waren, sagt: „Schau einem Alpaka nie zu tief in die Augen, du könntest dich verlieben“ — den Seibts ist das passiert. Nur wenige Monate später hatten sie die ersten Tiere auf ihrem Hof.

Wenn Heike Seibt von den eleganten und so friedlichen Tieren erzählt, dann schwingt in jedem Satz große Begeisterung mit. „Mich faszinieren die Tiere. Sie strahlen Ruhe und Zufriedenheit aus, sind sehr lernfreudig und neugierig“, sagt sie. Die Seibts beherbergen die Tiere allein aus Tierliebe — ebenso wie die drei Nandus, die beiden Kühe, die drei Ziegen sowie die Kaninchen und Meerschweinchen.

Kommt ein Mensch ans Gatter, schieben die Alpakas die Nüstern neugierig in dessen Richtung. Kommt er ihnen aber zu nahe, weichen sie flink zur Seite. Menschen nähern sich die Tiere nur vorsichtig — nur Linus nicht, der legt auch einem völlig Fremden schon mal seinen Kopf auf die Schulter. „Er ist unser Flaschenkind, hat überhaupt keine Scheu“, sagt Heike Seibt.

Die südamerikanischen Paarhufer sind genügsam und pflegeleicht. Sie können das ganze Jahr über auf der Weide bleiben. Schutz vor Wind und Wetter bietet ein geräumiger Unterstand. Im Winter ernähren sich Alpakas fast ausschließlich von Heu.

Die Herdentiere dürfen nicht alleine gehalten werden. „Das wäre nicht artgerecht“, erklärt Heike Seibt. Außerdem brauchen die Vierbeiner ausreichend Platz. In Bösinghoven haben sie davon mehr als genug.

Besondere Tage sind die, an denen die Tiere geschoren werden. Einmal im Jahr muss das Fell runter. Dabei fallen drei bis vier Kilo Wolle pro Tier an. Vor sieben Wochen war bei den Seibts der Scherer da. „Das ist Stress für die Tiere. Da kann es sein, dass sie den Scherer schon mal anspucken“, sagt die Bäuerin und fährt Linus mit der Hand durch die weichen Locken. Die Wolle ist vergleichbar mit Kaschmir. Wer das Fell berührt, spürt es sofort: Es ist so dicht wie ein Schafspelz, aber weich wie ein Daunenkissen. Das Vlies wird nach dem Scheren in den Niederlanden zu Wolle verarbeitet. „Die Wolle kommt wieder zu uns zurück und wird in unserem Hofladen verkauft“, erklärt Heike Seibt.