Meerbusch Historisch Haus Latum und Co. als Sinnbild des Verfalls des Adels

Meerbusch · In der Neuzeit mussten der Landadel häufig mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen und Land verkaufen.

 Die Besitzer von Haus Latum mussten die Felder im Umkreis verkaufen, um ihre Schulden decken zu können.

Die Besitzer von Haus Latum mussten die Felder im Umkreis verkaufen, um ihre Schulden decken zu können.

Foto: RP/Repro: Kunze

Während die mittelalterliche Adlige Hildegunde von Meer ihr elterliches Erbe durch die Stiftung des Klosters Meer im Norden des heutigen Büderich über die Zeit retten konnte, verlor der alte Adel am Niederrhein im Laufe der Jahrhunderte mit dem Niedergang des Lehnssystems nicht nur seine ursprüngliche Funktion als Teilhaber an der weltlichen Herrschaft und musste somit eine neue Rolle im Staat finden, sondern verarmte geradezu. Das betraf auch die adligen Sippen im heutigen Meerbuscher Stadtgebiet und verschonte weder die Freiherren von Norprath auf dem Dyckhof, noch die Freiherren von Bernsau oder die von Backum und von Geyr auf Haus Latum. Ihr Familienbesitz war praktisch tagtäglich in seinem Bestand und damit die Familie selbst vom gesellschaftlichen Untergang bedroht.

Die Freiherren von Backum ereilte dieses Schicksal als erste. Zwei Zweige der Familie besaßen die Häuser Hamm und Latum. Während Hamm im Dreißigjährigen Krieg verschont blieb, wurde Latum besetzt und verwüstet. Der Besitzer Laurenz Bertram von Bawir schaffte es aus eigener Kraft nicht mehr, Haus und Hof wiederaufzubauen, und fand bei seinem Vetter Wilhelm von Backum Unterschlupf. Als Dauergast konnte von Bawir auf Haus Hamm standesgemäß leben und vererbte seinen Besitz im Gegenzug seinem Gastgeber. Den neuen Eigentümern gelang Jahrzehnte später der Wiederaufbau des Hauses in seiner heutigen Form. Der Aufschwung war allerdings nicht von langer Dauer. Nur 100 Jahre später waren die Erben, die Familie der Freiherren von Geyr zu Schweppenburg, ebenfalls in misslicher Lage. Auch wenn der Herrensitz respektabel aussah und verschiedene Vorrechte – wie etwa einen eigenen Sitz in der Lanker Pfarrkirche – mit sich brachte, befand man sich in finanziell erneut schwierigen Zeiten. Nach und nach wurden in Latum gelegene Höfe und wirtschaftliche Flächen verkauft. Viele Bauern konnten damals beim adligen Ausverkauf freies Eigentum erwerben.

Kaiserswerth kaufte
den Lanker Ismerhof

Ende des 17. Jahrhunderts geriet auch der Wierich Wilhelm von Bernsau auf Haus Dreven bei Hohenbudberg finanziell ins Trudeln. 1699 ließ er seine Schulden aufstellen und veräußerte den Lanker Ismerhof. Es war das vermögende Stift Kaiserswerth, das die Möglichkeit nutzte, um seinen dort gelegenen Besitz zu arrondieren. Das auf der anderen Rheinseite gelegene geistliche Institut besaß seit dem Mittelalter den Lanker Fronhof und die Pfarrkirche und war zudem Zehnt- und Grundherr der ausgedehnten Pfarre.

Die Freiherren von Norprath, die sowohl in kaiserlichen, wie herzoglich bergischen und auch kurkölnischen Diensten als Generäle, Statthalter in Düsseldorf oder Amtmänner von Linn Karriere gemacht und stets auf dem repräsentativen Dyckhof mit eigener Kapelle in Niederdonk residiert hatten, konnten sich diesem Sog ebenfalls nicht entziehen. Kurz nach der Wende zum 18. Jahrhundert traf auch sie das Schicksal des rheinischen Adels. Die Schuldenlast war so stark angewachsen, dass der Dyckhof selbst kaum ausreichte, die Schuldner zufriedenzustellen. Die Veräußerung begleiteten Prozesse über mehrere Jahre, bis schließlich 1719 das finanziell potente Kloster Meer den Adelssitz mit umfangreichen Ländereien erwerben konnte. Damit war aus dem Adelssitz ein bäuerlicher Pachthof geworden, bis ihn nach der Klosteraufhebung im Gefolge der Französischen Revolution gut 80 Jahre später die Familie Werhahn erwerben und knapp zwei Jahrhunderte in ihrem Besitz halten konnte.

Einzige Ausnahme unter den im Stadtgebiet ansässigen Adelsfamilien waren die Herren auf Haus Pesch, die zunächst aus eher kleinen Verhältnissen stammten und sich beachtlichen Besitz aufbauten. Ihnen gelang es sogar, das niedergebrannte Haus Pesch als Landgut um 1800 vollständig und mit respektablen Wirtschafgebäuden in der Nachbarschaft als Familiensitz wieder aufzubauen. Ihre Nachfolger, die hochadlige Familie der Prinzen und Herzöge von Arenberg, die noch heute in der Region weite Flächen besitzen, erwarben zu Beginn der 1880er Jahre Pesch und fügte 1882 die Häuser Hamm, Gripswald und Latum hinzu. Pesch selbst wurde in zwei Etappen zum Schloss ausgebaut.

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