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Geflüchteter findet neues Zuhause in Meerbusch

Geflüchteter findet neues Zuhause : Start in ein neues Leben

Für den Flüchtling Mohamed Cheshmeh Ghasabani fängt 2021 gut an: Er kann seine erste eigene Wohnung in Büderich beziehen.

Für Mohamed Cheshmeh Ghasabani hat das neue Jahr gleich gut begonnen. Der 34-Jährige kann zum 1. Januar seine erste eigene Wohnung in Meerbusch beziehen. „Ich freue mich sehr, dass ich nun einen weiteren Schritt in ein normales Leben tun kann“, sagt der Iraner, der 2017 nach Deutschland geflüchtet ist und bisher in Büderich in einem Wohnheim an der Cranachstraße lebte. Nun zieht er in eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad direkt neben der Christuskirche ein. „Hier hat vorher unsere Kantorin Ekaterina Porizko gewohnt, die aber in eine größere Wohnung umgezogen ist“, erzählt Pfarrer Wilfried Pahlke.

Eigentlich sei diese und eine zweite Wohnung, die sich direkt über den Gemeinderäumen befinden, für Vikare in der Ausbildung gedacht, aber derzeit gäbe es dafür keinen Bedarf. Als Vorsitzender der Diakonie Meerbusch, die sich auch um Flüchtlinge kümmert, unter anderem im Begegnungszentrum Pappkarton, sei ihm die Idee gekommen, an einen Flüchtling zu vermieten. Da Ghasabani regelmäßig den Gottesdienst in der Christuskirche besucht und sich auch gerne in weiteren Bereichen einbringen möchte, fiel die Wahl auf ihn.

Das Presbyterium stimmte dem Vorschlag zu. „Die Wohnung ist vor zwei Jahren gründlich saniert worden“, ergänzt der Pfarrer. Was der Iraner jedoch noch brauche, seien Möbel: vom Sofa bis zum Herd fehlt es ihm an eigener Ausstattung. Wer gut erhaltene gebrauchte Möbel abgeben möchte, um den jungen Iraner zu unterstützen, kann sich bei Pfarrer Pahlke unter Tel. 02132/991516 melden.

Die neue Wohnung ist für Ghasabani ein weiterer Schritt, um nach der schwierigen Flucht in Deutschland Fuß zu fassen. Sein Weg führte ihn zunächst mit dem Flugzeug nach Belgrad, von wo er sich zu Fuß auf den Weg machte.

Er nahm an einem Bibelkurs
im Strümper Pappkarton teil

Nach tagelangem Marsch war an der kroatischen Grenze Schluss. Er wurde aufgegriffen und nach Serbien zurücktransportiert. Dann hatte er Glück: Ein Lkw nahm ihn bis Deutschland mit. „Ich bin froh, dass ich dem Regime im Iran entkommen bin“, sagt Ghasabani, der in seiner Heimat als Schneider und dann im Securitybereich gearbeitet hatte.

Es sei schwer, ohne die Familie und Freunde in einem fremden Land zu leben. Um neue Freunde zu finden und Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen, nahm er an Sprachkursen teil. Inzwischen hat der Iraner gute Fortschritte gemacht und kann sich ausreichend verständigen.

Durch seine Flucht eröffnete sich ihm auch die Möglichkeit, seine Religion frei zu wählen. „Im Iran wird man mit der Geburt automatisch Muslim“, erzählt er. Etwas anderes käme nicht in Frage, wenn die Eltern Muslime seien.

In Meerbusch nahm er dann an einem Bibelkurs im Strümper Pappkarton teil, um die christliche Religion kennen zu lernen. Eine Bibel in persischer Sprache erleichterte das Unterfangen. Sein Entschluss stand bald fest und er trat der evangelischen Kirche bei. Auch bei der Jobsuche war er vor wenigen Wochen erfolgreich. Als er davon hörte, dass das Meridias Rheinstadtpflegehaus noch eine Ausbildungsstelle zum Koch zu besetzen habe, stellte er sich vor und konnte kurz danach anfangen. „Nun lerne ich die traditionelle deutsche Küche kennen“, sagt er schmunzelnd. Denn die Senioren möchten natürlich gerne das essen, was sie gewohnt sind. Wenn seine eigene Küche eingerichtet ist, wird Ghasabani vornehmlich persisch kochen. „Das ist sehr lecker“, unterstreicht er.