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Feuer in Meerbusch: Delikatessen im Wert von 870.000 Euro verbrannt

Millionenschaden nach Feuer in Meerbusch-Büderich : Hallendach stürzt bei Großbrand ein

Ein Feuer in Büderich vernichtete große Mengen Lebensmittel und beschäftigte die Feuerwehr mehr als 30 Stunden.

Der heutige Montag ist normalerweise einer der wichtigsten Arbeitstage des Jahres bei Delikatessenhändler Ralf Bos an der Grünstraße in Büderich. Mehr als 2000 Aufträge hätten eigentlich raus gehen sollen: Kaviar, Champagner, Jakobsmuscheln, geräucherter Lachs oder Austern und Trüffel für hunderte von Restaurants in ganz Deutschland. Aber: Es kann sein, dass die Lieferungen mit etwas Verzögerung an ihren Bestimmungsort gehen. Denn ein Feuer hat am späten Freitagabend einen Großteil der Produkte, die in einer 400 Quadratmeter großen Halle in einem Seitengebäude lagerten, vernichtet.

„Wir stehen vor ganz großen logistischen Herausforderungen“, sagt Bos. Denn in dieser Halle lagerten vor allem Champagner, Schokoloade und Wein – insgesamt im Wert von 870 000 Euro.

Alle Waren sollen schnell
ersetzt werden können

Nach dem ersten Schock eine Krisensitzung, dann wurde telefoniert: natürlich mit der Versicherung, aber auch mit Herstellern oder Anbietern von Kühlgeräten und vor allem mit den Kunden zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen sowie mit Lieferanten. Mit dem Ergebnis, dass vermutlich alle Waren zeitnah ersetzt werden können. Bos: „Unsere 15 Mitarbeiter im Einkauf haben mit rund 1000 Lieferanten telefoniert oder gemailt.“ Neue Kühlgeräte werden auch geliefert und in Lagerräumen in einem benachbarten Gewerbegebiet aufgestellt.

Am späten Freitagabend war die Kühlanlage in einer der Hallen von Bos ausgefallen und hatte direkt einen Alarm an den Kühlhaus-Manager geschickt. Nur kurze Zeit später riefen die ersten Nachbarn bei der Feuerwehr an und gaben Alarm: „Da ist Rauch zu sehen.“ Regelrechte Rauchschwaden bereiteten sich in kurzer Zeit im Wohngebiet rund um die Grünstraße aus. So massiv, dass die Feuerwehr über die Warn-App „Nina“ des Kreises Anwohner bat, ihre Fenster und Türen geschlossen zu halten. Spätere Messungen waren dann aber unbedenklich.

Der Einsatz verbrauchte mehr Material als jeder andere zuvor

Wenig später dann die Erkenntnis der Feuerwehr: Hier ist nichts mehr zu retten. Denn dieser Einsatz sollte sich als einer der größten und längsten in der Geschichte der Meerbuscher Feuerwehr entwickeln. Sprecher Frank Mohr: „Wir haben 600 Meter Schläuche verlegt, rund 800 000 Liter Löschwasser sowie 1000 Liter Schaum eingesetzt: Damit war das auch unser material-intensivster Einsatz.“ Außerdem sei die Wehr mit rund 200 Kräften – auch aus Neuss – mehr als 30 Stunden im Einsatz gewesen.

Das größte Problem hatte sich erst nach einiger Zeit offenbart: Die Wehrmänner kamen nicht an den Brandherd. Erst am Samstag gegen 17 Uhr, 20 Stunden nach dem ersten Alarm, wurde „Feuer gelöscht“ gemeldet. Problematisch waren zudem Brandnester, die immer wieder aufflammten. Mehrere Kühlräume mit dicken Wänden erschwerten die Löscharbeiten, da die Einsatzkräfte dort zunächst nicht hinein konnten. Während der Löscharbeiten stürzte außerdem ein Teil des Daches ein.

Den Einsatzkräften war wichtig, dass die Flammen nicht auf die anliegende Halle übergriffen. „Dort lagern noch einmal Waren im Wert von 800 000 Euro“, so Bos. Ob diese noch verwendet werden können, muss ein Sachverständiger klären. Ebenso hat sich für Montag ein Brandsachverständiger angemeldet, der die Brandursache klären will. Bos: „Zu 99 Prozent war das ein technischer Defekt.“

Er blickt aber schon wieder nach vorne: Zum einen sei jetzt erst einmal wichtig, dass alle Kunden ihre Waren bekommen – und danach sieht es aus. Zum anderen wird überlegt, in den nächsten Monaten eine neue, direkt größere Halle auf die Fläche zu setzen, an der jetzt die alte Halle ausgebrannt ist und abgerissen wird. Gefreut hat sich Bos zudem über viele Reaktionen von Kunden, aber auch von Mitbewerbern: „Uns haben ganz viele Menschen ihre Hilfe angeboten – egal, ob es um Verpackung oder Lagermöglichkeiten geht.“ Sein wichtigstes Fazit aber: „Zum Glück wurde bei diesem großen Feuer niemand verletzt.“