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Fahrradbeauftragter wirbt für Rücksicht

Fahrradbeauftragter wirbt für Rücksicht

Manfred Weigand setzt sich für ein Miteinander von Autofahrern und Radlern im Stadtgebiet ein.

Der ehrenamtliche Fahrradbeauftragte der Stadt, Manfred Weigand, appelliert an die Autofahrer, mehr Rücksicht auf Fahrradfahrer zu nehmen. Die Situation auf Meerbuschs Straßen befinde sich im Wandel, sagt Weigand. Es gebe immer mehr Fahrradfahrer, die Konkurrenz um den Platz auf der Straße sei dadurch größer geworden und das birgt Gefahren, vor allem für Fahrradfahrer. „Die haben schließlich keine Knautschzone und ziehen im Zweifelsfall den Kürzeren“, sagt der 72-Jährige. Im vergangenen Jahr kam es in Meerbusch zu zwei tödlichen Fahrradunfällen. Radwege scheitern in der Stadt häufig am Platz. „Das bedeutet, das sich immer häufiger Radfahrer und Autofahrer die Fahrbahn teilen; da ist gegenseitige Rücksichtnahme verstärkt nötig“, meint Weigand.

Vor Kurzem kam er selbst in eine brenzlige Situation, als er mit seinem Elektrofahrrad auf der Straße fuhr. Ein Geländewagenfahrer übersah ihn offenbar und drängte ihn so weit von der Straße ab, dass Weigand einen Sturz nur knapp verhindern konnte. Zwischen den Seitenspiegel und seinem Lenker habe kaum mehr ein Finger gepasst, schildert der Osterather. „Danach war ich fix und fertig.“ Im Neubaugebiet in Osterath an der Marie-Curie-Straße sind die Straßen nach neuem Standard mit Schutzstreifen ausgestattet. Weigands Sorgen werden dort innerhalb kurzer Zeit belegt. Neben einer Verkehrsinsel in der Mitte der Fahrbahn ist nicht genügend Platz für Fahrrad und Auto nebeneinander. Dennoch versuchen mehrere Autofahrer, schnell noch an einem Radler vorbeizukommen, um nicht bremsen zu müssen. „Da wird häufig viel zu nah aufgefahren, die Fahrradfahrer bedrängt“, erklärt Weigand. Eigentlich müssten 1,5 Meter Sicherheitsabstand gehalten werden. Wenn der nicht eingehalten werden kann, gibt es laut Weigand nur eine Alternative: hinterherfahren und warten, bis sich eine Möglichkeit zum Überholen gibt.

Besonders ungeduldig werden Autofahrer, wenn Radfahrer auf der Straße fahren, obwohl augenscheinlich ein Fahrradweg vorhanden ist, erklärt Weigand. „Aber nicht alles, was aussieht wie ein Radweg ist auch ein benutzungspflichtiger Radweg.“ So dürfen zum Beispiel in Tempo-30-Zonen keine benutzungspflichtigen Radwege mehr ausgeschildert werden.

Manfred Weigand, Fahrradbeauftragter

Außerdem seien eine Reihe der Zweirichtungsradwege, die früher als Schulradwege gebaut wurden, nach den heutigen Regeln zu schmal und dürfen demnach nur noch als Einrichtungsradwege ausgeschildert werden; die Gegenrichtung muss dann auf die Straße.

Weigand beobachtet einen Fahrradfahrer, der nicht den Schutzstreifen nutzt, sondern einfach auf dem Gehweg fährt. Das ist nicht so vorgesehen. „Vielleicht fühlt er sich so sicherer“, vermutet Weigand. Dann sei es ratsam, an Fahrradtrainings beispielsweise vom ADFC, teilzunehmen. Ein Stück weiter fährt ein Junge vorbildlich: zunächst auf dem Schutzstreifen. Kurz bevor er in den Kreisverkehr abbiegt, endet dieser jedoch. Der Junge fährt daraufhin in die Mitte der Straße, das Auto hinter ihm bremst ab. Weigand lobt: „So ist es genau richtig, an dieser Stelle wird die Fahrbahn zu eng für beide. Der Radfahrer muss dann diese für sich in Anspruch nehmen.“ Um Missverständnisse zu vermeiden, sei es als Fahrradfahrer wichtig, Blickkontakt zu suchen.

Auf Meerbuschs Straßen seien spürbar mehr Fahrradfahrer unterwegs — und das sei auch gut so, sagt Weigand. Grund ist wohl unter anderem ein stärkeres Umweltbewusstsein. Immer mehr Menschen investieren außerdem in Pedelecs, fahren mit diesen auch zur Arbeit. Dadurch habe sich auch die Geschwindigkeit der Radfahrer verändert.

Der Fahrradexperte selbst ist mit Helm unterwegs, auf der Straße fahren die meisten Menschen an diesem Tag aber ohne. „Ich gebe zu, ich habe auch lange Zeit keinen Helm gefunden, der mir gefiel, ein bisschen Eitelkeit spielt immer eine Rolle“, so Weigand. „Natürlich plädiere ich dafür, Helm zu tragen. Ich bin aber ganz entschieden gegen eine Helmpflicht. Das muss jeder für sich entscheiden.“