Obst in der Stadt : Kostenloser Snack aus der Natur

Früchte von öffentlichen Flächen dürfen geerntet werden.  Eine Karte zeigt, wo beispielsweise wilde Brombeeren wachsen.

Der Spätsommer ist in vollem Gange, und bis zum Herbst ist es auch nicht mehr weit. Das bedeutet, dass aktuell in der Natur – auch in der stadtnahen – allerhand Essbares wächst. Grundsätzlich ist das Ernten von Beeren, Nüssen oder Früchten für den eigenen Gebrauch auf öffentlichen Flächen, die nicht einem Betretungsverbot unterliegen, erlaubt. Pfleglich und in geringem Maße dürfen auch Pflanzen und Kräuter gepflückt und entnommen werden. Somit bietet sich in dieser Jahreszeit für jeden, der mit offenen Augen durch die Stadt oder die Natur streift, die Möglichkeit für einen schnellen, gesunden und kostenlosen Snack.

Viele Städte fördern das bewusst, pflanzen etwa gezielt Bäume und Sträucher mit essbaren Früchten an und rufen die Bürger auf, sich zu bedienen, oder bieten an, öffentliche Beete zu bepflanzen. In Meerbusch gibt es bislang keine Initiativen in dieser Richtung, die Stadt setzt mit öffentlichen Schaugärten vor allem auf Inspiration für die privaten Gärten und darauf, Habitate für Insekten und heimische Pflanzen zu schaffen. Einige Kitas und Schulen haben in den vergangenen Jahren aber eigene Beete angelegt, um Kinder bereits früh an die Thematik heranzuführen. Und obwohl es in Meerbusch keine Initiative „Essbare Stadt“ gibt, wie etwa in Düsseldorf, wo Bürger in öffentlichen Hochbeeten selbst gärtnern können, so gibt es doch im öffentlichen Raum einige essbare Pflanzen zu entdecken.

Wo diese zu finden sind, das verrät unter anderem die Website der Aktion Mundraub. Unter www.mundraub.org gibt es eine interaktive Deutschlandkarte, die überall essbare Pflanzen vermerkt. Diese werden von der Community eingetragen und verwaltet, jeder kann sich an der Datenbasis beteiligen. Dabei ruft die Website auf, nur solche Pflanzen einzutragen, die auch öffentlich zugänglich sind.

21 grüne Punkte sind über das Meerbuscher Stadtgebiet verteilt, per Klick lässt sich anzeigen, was es hier genau zu finden gibt, sowie eine detaillierte Standortbeschreibung. Ein weiterer Klick, und die Website gibt sogar Inspiration für die Zubereitung und Rezepte – vom Brombeersmoothie bis zur Esskastanienmilch.

So gibt es beispielsweise laut der Karte am Radweg unweit des Park-and-Ride-Platzes bei Haus Meer einen Esskastanienbaum, dessen Früchte auf den Weg fallen und dort aufgesammelt werden können und dürfen. In einigen Wochen dürften die Früchte reif sein. Am Ufer des Latumer Sees, im Herrenbusch, am Bahnhof Osterath sowie an weiteren Stellen finden sich hingegen Brombeersträucher, vielleicht der am weitesten verbreitete Natur-Snack im Stadtgebiet. Bis in den Oktober hinein kann man an den Pflanzen leckere, reife Früchte finden. Zwischen Kaarster Straße und Westring in Osterath hingegen zeigt die Karte von Mundraub Apfel- und Nussbäume.

Sicherzustellen, dass die Flächen tatsächlich öffentlich sind, liegt natürlich in der Verantwortung jedes einzelnen – genauso wie auf die eigene Sicherheit zu achten und nur frische, reife und nicht von Insekten befallene Früchte zu verzehren.

Bäume, die in Gärten stehen oder gar zu professionellen Zuchten und Baumschulen gehören, sind Eigentum des jeweiligen Besitzers und daher tabu – das gilt auch für die Früchte. Tatsächlich ist das „Naschen“ in diesem Fall dann kein Kavaliersdelikt, sondern Diebstahl. Dieser kann zur Anzeige gebracht und entsprechend bestraft werden. Ob dies geschieht, hängt vom Urteil der Besitzer ab, wieweit diese das Pflücken einzelner Früchte dulden. Zur Anzeige kommt es vor allem, wenn Früchte in großem Maße oder zum gewerblichen Weiterverkauf entnommen werden. Im vergangenen Jahr wurden sogar mehrere ganze, frisch eingepflanzte Obstbäume aus einer Baumschule geklaut – diese Delikte sind häufig professionell organisiert und logistisch im Vorfeld geplant. Sicherungsmaßnahmen seitens der Besitzer sind zwar möglich – so können Chips unter der Baumrinde den Standort übermitteln – aber so teuer, dass die Kosten den Nutzen zumeist weit übersteigen.