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Es läuft nicht alles rund in Lank

Es läuft nicht alles rund in Lank

Die Zukunft des Marktplatzes ist ungewiss, der Werbering kraftlos.

Lank. Im Sonnenschein durchs Dorf bummeln, die neue Frühjahrsmode in Augenschein nehmen, einen Kaffee trinken. Die Lanker Fußgängerzone lädt dazu ein. Doch es läuft nicht rund im Dorf. Am Alten Schulhof fehlt „Die Geschenkidee“, am Alten Marktplatz hat das Traditionsrestaurant „Alte Weinschenke“ geschlossen, und der Vorstand des Werberings „Rund um Lank-Latum“ hat das Handtuch geworfen.

Immerhin: Es gibt es einen neuen Mann an der Spitze. Andreas Pechta ist noch Einzelkämpfer. Er tritt ein schweres Erbe an. „Ich brauche tatkräftige Unterstützung“, sagt er. Er alleine könne die Arbeit nicht stemmen. Der 51-jährige Versicherungsmakler hofft, dass sich bis zur Mitgliederversammlung am 5. Juni Mitstreiter finden. Bis dahin will er auch die Internetseite des Werberings neu gestalten, die zurzeit gesperrt ist. Das Frühlingsfest ist jedenfalls abgesagt.

Pechta ist sich der schwierigen Lage des Einzelhandels von Lank-Latum „im Zeichen des Strukturwandels“ bewusst. Er möchte die kleinteiligen Strukturen gegen großflächigen Einzelhandel und Internetkäufe verteidigen: „Es ist die Gemütlichkeit, die unseren Ortskern ausmacht und auch Ausflügler anzieht.“

Etablierte Feste wie den Nikolausmarkt hält er für unverzichtbar, weiß aber auch, dass viele Einzelhändler den Aufwand scheuen. Ihm schwebt daher vor, Sponsoren und externe Helfer oder auch Event-Agenturen einzubinden. Ein gutes Beispiel dafür sei die Gourmetmeile, die sich in Büderich am Sonnenblumensonntag etabliert hat.

Auch Immobilienmakler Guido Biegel, selbst jahrelang im Werbering aktiv, weiß um die allgemeinen Probleme des Einzelhandels in kleinen Ortschaften im Nahbereich der Großstädte. „Aber so schlimm, wie manchmal geschildert, ist es in Lank nicht. Leer stehende Geschäfte rund um die Fußgängerzone werden meist schnell wieder belegt.“ So wurde das Ladenlokal der „Geschenkidee“ geteilt. In Kürze ziehen ein Hörgeräteakustiker und ein Geschäft für Interieur ein.

Biegel weiß, was Lanker wünschen: nahe Parkplätze und von Inhabern geführte Geschäfte, wo man auch schon mal ein Schwätzchen halten kann. Ungenutzt ist das Ladenlokal an der Ecke Uerdinger/Claudiusstraße und neuerdings auch der Schleckermarkt an der Uerdinger Straße. „Ich bin gegen einen Aldi-Markt, weil dieser weitere Discounter anzieht und die Fußgängerzone verödet“, sagt Biegel. Er sorgt sich um den Alten Marktplatz, das Schmuckstück an St. Stephanus: „Was passiert dort?“ Biegel fürchtet langjährigen Leerstand und Verfall.

Kauf und Sanierung des Traditionsrestaurants von 1845 werden auf rund zwei Millionen Euro geschätzt. Besitzer ist eine Erbengemeinschaft der Nachkommen des Erbauers Josef van Dawen. Hier befand sich damals nicht nur eine Gastronomie, sondern ein erlesener Weinkeller. In Handarbeit wurde der Wein abgefüllt, verkorkt, versiegelt und etikettiert.

Höhepunkt der Gastlichkeit war alljährlich im Frühjahr das Spargelessen. Zu dieser Zeit stand der Markt voller Limousinen, so dass ein Parkplatzwächter den Verkehr regeln musste. Stimmungsvoll waren auch die Festbälle zu Kirmes und zu Fastnacht. Selbst der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss war einmal zu Gast.

Die zum Verkauf stehende Alte Weinschenke umfasst Restaurant, etliche Säle und Nebenräume. Kompliziert wird ein Um- oder Anbau dadurch, dass das Hauptgebäude am Marktplatz unter Denkmalschutz steht und die übrigen Gebäude vorläufig unter Schutz gestellt wurden. Ein Gutachten des Landesamtes für Denkmalpflege, das im Kulturausschuss vorgestellt wurde, empfiehlt, das Gesamtareal unter Schutz zu stellen. Eine Entscheidung dazu wird in rund drei Monaten erwartet.

„Entscheidend ist, was genau unter Denkmalschutz gestellt wird“, erläutert der städtische Denkmalexperte Reinhard Lutum. „Manchmal sind nur die Außenmauern betroffen und man kann entkernen. Aber bei der Weinschenke gibt es auch historische Ausstattungsgegenstände, die erhalten bleiben müssen.“ Klar ist, dass eine gastronomische Nutzung vorgeschrieben ist, was den Kreis der Käufer einschränkt.