Erinnerungen füllen Bücher

Erinnerungen füllen Bücher

Mobiler Hilfsdienst Meerbusch bringt Erzähler und Hobbyautoren zusammen.

Strümp. "Damals, am Ratinger Tor, gingen gerade mal 25 Leute in den Raum", erinnert Franz-Josef Siepenkothen aus dem Vorstand der Düsseldorfer Arbeiter-Samariter an die erste Geschichtsschreiber-Ehrung. Glücklicherweise sei das Interesse damals schon groß gewesen: Kurzerhand sei man ins Freie ausgewichen.

Nach drei Auflagen in der Landeshauptstadt wurde das literarische Projekt um die Frage "Was habe ich im Leben erreicht?" jetzt erstmals in Meerbusch realisiert. Erzähler und Schreibtalente aus mehreren Generationen fanden einander. "Aus intensiver Kommunikation wurde oft Freundschaft", sagt Siepenkothen, "und wir haben nicht 16, sondern gleich 32Lebensgeschichten."

Es sind Geschichten, "entsprungen aus dem tiefen Bedürfnis älterer Menschen, sich jemandem anzuvertrauen, sowohl das Leid einer Kriegsgeneration, als auch eine schöne Jugendzeit in Meerbusch nachlesbar zu machen", formuliert Schirmherrin Angelika Mielke-Westerlage in ihrem Gruß. 16Teilnehmerurkunden wurden verliehen, 16individuelle Bücher produziert.

"Das eine hat 170 Seiten, ein anderes 37. Es kommt ganz auf die verschiedenen Lebensgeschichten an", sagt die Germanistin Angelika Gewehr (64), die die Geschichte ihrer neuen Freundin, der Krefelderin Brigitte Gillissen (65), aufschrieb. Fünf Kinder hat Gillissen großgezogen, eines mit Behinderung und Pflegekinder, eine Selbsthilfegruppe gegründet und stand ihrem Mann trotz vieler privater Probleme im Beruf zur Seite. Das Besondere und für Gewehr des Aufschreibens wert: Trotz aller Unwegsamkeit habe für ihre Erzählerin immer die Liebe im Mittelpunkt des Lebens gestanden.

Kulturdezernentin Mielke-Westerlage wirbt bei der kleinen Feier in der Versöhnungskirche gleich um neue Duettpartner. Die Veröffentlichung der Texte steht bei diesem Projekt nicht im Vordergrund, aber: "Eine schreibende Teilnehmerin hat ihr wahres Talent erkannt und will u/ jeden Preis weiter schreiben", erzählt Erny Hildebrand, Journalistin, Poesie- und Bibliotherapeutin.

Die Schreibberaterin hat viele Male das Material der Hobbyschreiber geordnet, Schreibblockaden schon im Ansatz abgebogen und die Angst des Autors vor dem leeren Blatt therapiert. In durchschnittlich 100Stunden entstanden Geschichten, mal beim "Erzähler", mal beim "Schreiber" aufgezeichnet, "aus der Zeit von Holzwäscheklammern und Einmachgläsern". Mit diesen Utensilien schmückte Siegrid Brennecke vom Mobilen Hilfsdienst Meerbusch auch das Fest zur Buchpräsentation.

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