Ein Spaziergang am Hochwasser

Der steigende Rheinpegel fasziniert viele Anwohner.

Einen Parkplatz in der Nähe der Rheinfähre zu bekommen, war am Sonntagmittag gar nicht so einfach, denn das Hochwasser hatte viele Spaziergänger nach Langst-Kierst gezogen. Familien mit Kindern, Anwohner mit Kameras , Hundebesitzer — alle wollten sehen, wie hoch der Wasserstand des Rheins zurzeit ist. Dieser lag am Sonntag zwischen 791 und 803 Zentimeter — Tendenz steigend. Dadurch stehen Bäume, Straßenschilder und Zäune am Rheinufer in Meerbusch bereits tief im Wasser. Auch auf den umliegenden Wiesen hat sich schon viel Wasser angesammelt. Den höchsten Stand wird der Rhein voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages erreichen. Dann werden bis zu 835 Zentimeter erwartet.

Eine Zufahrtsstraße zum Hotel „Vier Jahreszeiten“ hat das Ordnungsamt gestern gesperrt. Diese stand nämlich bereits teilweise unter Wasser. Hoteldirektor Jürgen Pütter blieb trotzdem entspannt: „Wir kennen das und wir wissen, dass es besser ist, gut vorbereitet zu sein.“ Hotelgäste wurden am Wochenende gebeten, ihre Autos umzuparken — das hoteleigene Parkdeck wurde geräumt. Dies seien aber Präventionsmaßnahmen, so Pütter. Der Hotelbetrieb läuft vorerst normal weiter. Bis das Hochwasser eine Bedrohung für sein Haus darstelle, müsse der Pegel noch deutlich ansteigen. Erst ab neun Metern werde es langsam kritisch.

Vor einigen Jahren hätte das wohl anders ausgesehen: Die Deiche in Meerbusch waren vor sechs Jahren für 40 Millionen Euro erneuert worden. „Man merkt, dass die Schutzmaßnahmen, die getroffen worden sind, greifen“, sagt Jürgen Pütter.

Robert und Anja Simon aus Strümp spielten gestern mit ihren Söhnen Niklas und Felix am Ufer. Für die Jungs sei das Hochwasser spannend, sagte Robert Simon. „Noch finden wir die Situation nicht bedrohlich.“ Rosemarie Jansen war mit ihrem Mann Hans-Peter aus Willich nach Meerbusch gekommen, um sich das Naturereignis aus der Nähe anzusehen. „Man sieht daran die Urgewalt und man kann sie nicht beeinflussen, das ist schon interessant“, sagte Jansen. tak

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