Dyckhof ist auf dem Markt

Dyckhof ist auf dem Markt

Der eindrucksvolle Dyckhof in Büderich soll verkauft werden.

Büderich. Dass historische Immobilien in Meerbusch den Besitzer wechseln, ist nichts besonderes. Aktuell steht mit dem Büdericher Dyckhof aber eine bedeutende Hofanlage zum Verkauf. Die ursprüngliche Wasserburg Dyckhof ist mit Gräben umwehrt und weist neben dem mächtigen mittelalterlichen Wohnturm mit der charakteristischen Barockhaube von 1666 Wehrmauern und einen weiteren Turm aus dem 14. Jahrhundert auf.

Die Wasserburg wurde 1393 erstmals urkundlich erwähnt und ist deutlich älter. Wo früher die Herren von Norprath, die Stifter der Niederdonker Kapelle, residierten, lebte nach 1718 ein Pächter des Klosters Meer, bevor im Rahmen der Aufhebung des Klosters durch die Franzosen nach 1802 die Familie Werhahn hier ihr Domizil einrichtete.

Aus dieser Familie ging nicht nur die landwirtschaftlich geprägte Büdericher Linie, sondern auch die Neusser Industriellendynastie hervor, und auch zur Familie des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer gibt es verwandtschaftliche Bande. Adenauers Tochter heiratete in die Familie ein. Die großartige Familiengruft ist Sinnbild der Bedeutung der Werhahns.

Nun soll also der Stammsitz mit 650 Quadratmetern Wohn- und 550 Quadratmetern Nutzfläche sowie 30 000 Quadratmetern Land verkauft werden. Der Wunscherlös: 1,98 Millionen Euro. „Schon von weitem sichtbar, prägnant und außergewöhnlich, gilt er als Wahrzeichen für dieses Gebiet“, beschreibt die Maklerfirma Corpus Sireo die „historische Immobilienrarität“ — und beweist im Text durch falsche Baujahre, die historischen Zusammenhänge nicht zu kennen.

Heute gibt es neben der Eigentümerwohnung noch eine Einliegerwohnung. In den früheren Wirtschaftsgebäuden befinden sich Gewerbeeinheiten, darunter seit 2002 das Hotel und Restaurant der Familie Verhülsdonk. Dafür wurde ein modernes Wirtschaftsgebäude abgerissen, während die alte Bausubstanz erhalten blieb.

Besonders markant ist eine Wehrmauer des 14. Jahrhunderts, auf die später der Scheunengiebel aufgesetzt wurde. Durch den Druck gaben über die Jahrhunderte die Fundamente nach, so dass die Mauer um einen Meter aus dem Lot geriet. Auch dieser Zustand wurde gewahrt und abgesichert. Er dient nun als Blickfang im Innenbereich des Restaurants. Die für das Hotel nötigen Fenster wurden aus den Mauern geschnitten, um soviel Substanz wie möglich zu retten.

Bedeutend ist jedoch vor allem der immer noch wehrhafte Hauptbau, dessen Gebäude heute mit dem mächtigen Turm bündig abschließen. Bei der umfangreichen Sanierung 1958 stellte man überrascht fest, dass der auffällige Turmhelm wohl von einem holländischen Schiffbauer hergestellt wurde, der die am Niederrhein unübliche Technik der im Wasserbad zurechtgebogenen Balken mitbrachte.

Ursprung dieser Anlage ist wohl eine Motte, wie sie auch die Meerer Burg vor rund 1000 Jahren gewesen ist. Archäologische Befunde auf dem Gelände sind entsprechend wahrscheinlich.

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