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Die Verständigung klappt mit Händen und Füßen

Die Verständigung klappt mit Händen und Füßen

Die Lanker Familie Davids hat für eine Woche den Japaner Kento Sato aufgenommen, der in der Nähe von Fukushima lebt.

Meerbusch. Er ist höflich, wirkt ein wenig schüchtern, und doch scheinen seine Augen zu strahlen. „In Deutschland ist nicht alles so steif, die Menschen sind freizügiger“, übersetzt die Dolmetscherin die Worte von Kento Sato, und sein Kumpel Wataru Endo nickt heftig.

Die beiden Freunde gehören zu der 20-köpfigen Gruppe von Kindern aus dem Umkreis von Fukushima, die auf Einladung des Kreissportbundes ein Woche Ferien im Rhein-Kreis Neuss verbringen. Kento Sato wohnt bei den Davids in Lank. Die Verständigung sei nicht so leicht, sagt Georg Davids: „Er kann ein wenig Englisch, aber notfalls klappt es auch mit Händen und Füßen.“

Für Doris Davids bedient der 14-Jährige das Klischee, das Deutsche von Japanern pflegen — „aber auf eine sehr nette Art. Er ist etwas distanziert, dennoch neugierig, aber stets diszipliniert. Kento nimmt sich noch spät abends seine Bücher und lernt. Und er fotografiert alles, sogar unsere Aufschnittplatte.“

Der junge Japaner lebt in Iwaki. Das sei rund 40 Kilometer vom AKW in Fukushima entfernt. „Unser Haus liegt auf einer Anhöhe, daher mussten wir es während des Tsunamis nicht räumen. Dennoch sind auch Menschen aus unserem Ort bei der Katastrophe gestorben“, sagt Kento Sato nachdenklich.

An Sport sei in der Präfektur Fukushima kaum zu denken. „Die Turnhallen sind immer noch belegt mit Menschen, die ihre Bleibe verloren haben.“ Zum Glück spiele er Fußball, „das kann man ja draußen machen. Nur nicht wenn es regnet, dann dürfen wir nicht ins Freie“.

„Kento blüht vor allem auf, wenn er innerhalb der Gruppe Sport treiben darf“, erzählt Doris Davids. Davon steht ganz viel auf dem Programm der Freizeit im Kreisgebiet: Schwimmen im Neusser Nordbad, Skifahren in der Neusser Skihalle, Tandem fahren im Büttgener Sportforum, und am Sonntag konnten sich die Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren — 13 Jungen und sieben Mädchen — im Sportpark Eisenbrand bei Tennis, Squash und Badminton austoben. Beim TSV Bayer Dormagen durften die Japaner sogar ihr Sportabzeichen machen.

Kento Sato liebt aber vor allem Fußball. „Am Freitag habe ich mir Borussia Dortmund gegen Hamburg im Fernsehen angeschaut. Shinji Kagawa hat super gespielt, ich bin ganz glücklich eingeschlafen“, sagt er lächelnd.