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Die Meerbuscherin Anna Munz näht in der Corona-Krise Schutzmasken.

Corona-Krise : Näherin fertigt Mundschutz in Osterath

Anna Munz näht ehrenamtlich individuelle Behelfs-Mund-Nasen-Schutz-Masken.

Es ist nur wenige Wochen her, seit Anna Munz mit ihrem Aufruf für Stoffspenden viel Aufmerksamkeit bekam. Damals brauchte sie den Stoff, um Kuschelbeutel für verletzte Kängurus und Koalas in Australien nähen zu können. Jetzt nutzt die Osteratherin die Reste, um ehrenamtlich Behelfs-Mund-Nasen-Schutz-Masken (BMNS) zu nähen.

„Die Nachfrage ist riesig. Ich möchte ambulante Pflegedienste, Therapeuten der St. Mauritius-Klinik in Osterath, Betreuungskräfte und Personen mit Vorbelastungen sowie Senioren versorgen und danach Freunde und Bekannte. Jeder Bürger, der das Haus verlässt, sollte einen solchen Schutz tragen“, sagt sie.

Es ist ein Schutz, für den pro Tag je Träger zwei Masken eingeplant werden. Sie sind nach dem Auskochen oder einer Wäsche bei 90 Grad wieder verwendbar. „BMNS schützt nicht vor Viren, bietet aber Spuckschutz und verhindert, dass ständig ins Gesicht gefasst wird“, erklärt Munz. Für vier Masken braucht sie circa eine Stunde. Und obwohl sie sich von Zeit zu Zeit in ihrer Teilzeitstelle „Näh-Urlaub“ nimmt, kommt sie an ihre Grenzen: „Ich möchte deshalb auf jeden Fall viele Meerbuscher Bürger motivieren, mit zu nähen.“

Anna Munz mit einer ihrer Schutzmasken. Unterschiedliche Stoffe sorgen für Individualität. Foto: Anna Munz

Nach den Erfahrungen mit den Kuschelbeuteln hat sie in den sozialen Netzwerken gesucht und schließlich die Gruppe: „Mundschutz nähen ehrenamtlich“ gefunden. „Inzwischen hat die Gruppe rund 6000 Mitglieder. Wir tauschen uns über Schnittmuster und Material aus.“

Die Nachfrage nach den Masken aus Osterath steigt beständig

Anna Munz selbst näht dort aber nicht mit: „Das würde meine Kapazitäten sprengen. Ich nähe an der Basis.“ Ihre Mutter, gelernte Schneiderin, näht ebenfalls fleißig mit, und zwei weitere Meerbuscherinnen konnten inzwischen für das Projekt gewonnen werden: „Wir brauchen aber weitere ­Unterstützung.“

Die Behelfs-Mund-Nasen-Schutz-Masken werden inzwischen hoch gehandelt. Auch ein ambulanter Pflegedienst mit zehn Mitarbeitern bekommt aus Osterath seinen Mundschutz, „je zwei pro ­Pflegekraft“.

Munz erklärt: Näh-Anleitungen für die Masken gebe es unter anderem beim Deutschen Hausärzteverband im Internet. Das verwendete Material müsse auf jeden Fall kochfest sein. Anna Munz verwendet Baumwolle und hat sich für eine relativ einfach zu fertigende Maske entschieden: „Ich baue ein Fach für einen Filter ein – der kann aus Vlieskompressen oder Molton bestehen und entsprechend gewechselt werden.“ Sie betont: „Die Nutzung ist auf eigene Gefahr.“

Welches Maskenmodell gefertigt wird, bleibt jedem freiwilligen Näher selbst überlassen. Die Nachfrage nach den Masken aus Osterath steigt beständig, so Munz. „Eine Maskenpflicht gibt es bei uns zwar noch nicht. Aber falls sie kommen sollte, ist der Bedarf groß.“