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Die Bäume in Meerbusch leiden unter der Trockenheit

Bäume in Meerbusch : Die Stadt lässt es Tröpfchen regnen

Eine aus den USA stammende Technik zur langsamen Bewässerung von Bäumen soll über die Dürrezeit hinweghelfen.

Die Trockenheit tötet die Straßenbäume in Meerbusch. Allein 40 waren es im vergangenen Monat, die Stadt musste sie fällen lassen, man konnte sie nicht mehr retten. „Nur weil es jetzt noch nicht so warm ist wie im letzten Sommer, heißt das nicht, dass es Bäumen und Pflanzen gut geht“, sagt Marcus Töpp. Er ist Betriebsleiter des Baubetriebshofs und damit für alle städtischen Bäume zuständig. „Aktuell haben wir kaum Niederschlag, das macht den Bäumen auch bei mildem Wetter zu schaffen“, sagt er. Bereits 2018, als es wochenlang nicht einen Tropfen Regen gab, hatte die Stadt die Bäume künstlich wässern lassen.

Sogenannte Bewässerungssäcke sollen vorwiegend junge Bäume mit Flüssigkeit versorgen. 60 Liter fasst ein Behälter aus einem Planenstoff, der rund um den Baum befestigt ist. Innerhalb von 24 Stunden tropft das Wasser vollständig nach unten auf die Bodenoberfläche. Tröpfchenbewässerung heißt das System. Mitarbeiter der Stadt befüllen die Säcke wöchentlich. „Wir haben uns die Technologie aus anderen Städten wie Frankfurt am Main abgeschaut“, sagt Töpp. Ursprünglich stammt die Technik aus den Vereinigten Staaten.

Viele Bürger helfen den Bäumen durch die trockenen Wochen

Insgesamt 300 der Säcke sind mittlerweile in Meerbusch aufgestellt. Die Technik spart Geld und Zeit, Mitarbeiter der Stadt müssten ohne sie viel öfter rausfahren und gießen. Auch die Anwohner sollten gerne hin und wieder die Bäume in der Nähe ihrer Grundstücke gießen, sagt Töpp: „Man kann nicht zu viel Wasser geben.“ Die Erfahrungen damit seien bislang gut, es gebe viele engagierte Bürger, denen das Wohl der Umwelt am Herzen liege und die deshalb bedürftige Pflanzen gießen würden.

Was passiert, wenn den Bäumen die Flüssigkeit ausgeht, lässt sich an der Einsteinstraße in Osterath beobachten. Dort steht eine Birke, die vor allem den trockenen Sommer 2018 nicht überlebt hat. Die Blätter sind alle abgefallen, die Rinde ist trocken. Egal, was Töpp und die Stadtgärtner nun versuchen würden, es gibt keine Chance, dass der Baum im nächsten Jahr blühen könnte. „Wir werden ihn bald fällen“, sagt Töpp. Die Birke sei nur 30 Jahre alt, im besten Fall könnte der Baum aber mehr als 100 Jahre alt werden. „Die Birken sind besonders vom Klimawandel betroffen, weil sie im Frühjahr viel Wasser brauchen und es gerade da heutzutage weniger regnet“, sagt Töpp.

40 tote Bäume bei rund 21 000, die insgesamt in Meerbusch stehen und der Stadt gehören, das klingt wenig, ist aber weit mehr als in den vergangenen Jahrzehnten. Besonders gefährdet seien Bäume, die in den vergangenen zwei Jahren neu gepflanzt wurden und jetzt dringend Wasser brauchen, um gut zu wachsen. Diese jungen Bäume stehen oft in Wohngegenden, auf Spielplätzen oder Friedhöfen.

In Zukunft müssen Bäume besser an Trockenheit angepasst sein

Aber nur mit mehr Gießen ist es nicht getan. Michael Betsch, Bereichsleiter für Bauhof, Friedhöfe und städtische Grünflächen und Vorgesetzter von Töpp, will in Zukunft andere Bäume in Meerbusch pflanzen. „Birken etwa werden schleichend aus unserem Stadtbild verschwinden“, sagt Betsch. Dafür pflanze man neue Ahorn- und Eichensorten, die besser mit der Dürre zurechtkommen. Auch über Bäume, die ursprünglich nur im asiatischen Raum wachsen, werde man nachdenken. Mit einigen Sorten hat die Stadt bereits experimentiert.

Trotz der Dürre – und vor allem trotz des verheerenden Sommers 2018 – ist die Baumbilanz in Meerbusch positiv. „Wir pflanzen jedes Jahr mehr Bäume als wir fällen müssen“, sagt Betsch. Im vergangenen Jahr waren die städtischen Gärtner bereits jeden Morgen ab sechs Uhr unterwegs, um die Bäume zu bewässern. Dafür blieb allerdings die ebenfalls wichtige Pflege oft auf der Strecke.

In diesem Jahr will die Stadt auch weiter Wasser geben, hofft aber auf die nötige Unterstützung der Bürger. Weitere Bewässerungssäcke sind bereits geplant. „Wir können aber natürlich nicht jeden Jungbaum mit der Technik ausrüsten“, sagt Töpp. „Trotz aller Bemühungen werden wir der Sache nicht ganz Herr werden können“, vermutet Betsch.