Der illegale Handel mit Hundewelpen nimmt zu

Der illegale Handel mit Hundewelpen nimmt zu

Das Veterinäramt warnt vor Abgabe der Tiere ohne Schutzmaßnahmen gegen Seuchen.

Illegaler Handel mit Hundewelpen — solche Fälle erlebt Frank Schäfer, Leiter des Veterinäramtes des Rhein-Kreises Neuss, in letzter Zeit immer wieder. Häufig stammen die Welpen aus dem osteuropäischen Ausland. Sie wurden unter tierschutzwidrigen Bedingungen gezüchtet und ohne Schutzmaßnahmen gegen Tierseuchen nach Deutschland gebracht.

Annette Kern, Tierärztin im Kreisveterinäramt, stellt fest, dass die illegal importieren Welpen nicht nur viel zu früh von ihrer Mutter getrennt werden, sondern auch oft in bedenklichem Gesundheitszustand sind: „Die jungen Tiere sind oft verhaltensgestört, leiden unter Infektionskrankheiten und unter massivem Parasitenbefall.“

Durch eine Beschwerde wurde das Veterinäramt zum Beispiel auf einen Fall in Neuss aufmerksam. Hundehalter hatten drei Chihuahuawelpen unter Missachtung der tierseuchenrechtlichen Anforderungen aus der Ukraine importiert.

Aufgrund der gefälschten Papiere und des unklaren Tollwut-Impfstatus brachten Annette Kern und ihre Kollegen die Tiere in amtlicher Quarantäne in einem Düsseldorfer Tierheim unter. „Erst wenn feststeht, dass sie sich nicht mit dem Tollwutvirus angesteckt haben, können sie wieder zu ihren Besitzern zurück“, berichtet Kern. Auf die Halter kommen nicht nur die Kosten für die Quarantänestation zu, sondern auch ein Bußgeld. Hintergrund: Hundewelpen dürfen aus dem europäischen Ausland nur mit ausreichendem Tollwutimpfschutz nach Deutschland gebracht werden.

Die Impfung und die Identität des Tieres über einen Mikrochip müssen in einem EU-Heimtierausweis dokumentiert werden. „Welpen können frühestens mit drei Monaten gegen Tollwut geimpft werden - und erst nach 21 Tagen ist der Impfschutz erreicht, so dass sie erst dann importiert werden können“, so Annette Kern.

Der illegale Welpenhandel nimmt zu: Oft werden im Internet, aber auch in Kleinanzeigen gefragte Mode-Hunderassen wie im Supermarkt zu „Schnäppchenpreisen“ angeboten. Auf der Jagd nach dem vermeintlichen Sonderangebot finden diese Welpen hier schnell Abnehmer. Häufig fällt den neuen Besitzern erst Tage nach dem Kauf auf, dass die Hunde noch viel zu jung, krank oder verhaltensgestört sind.

Die Hundeverkäufer sind in der Zwischenzeit über alle Berge verschwunden und nicht mehr greifbar. Interessenten sollten sich nicht von besonders günstigen Preisen zum Kauf verleiten lassen, wenn Herkunft oder tierschutzgerechte Zucht Welpen unklar sind, rät Amtsleiter Schäfer: „Dem Käufer sollte klar sein, dass er den tierschutzwidrigen Handel von Hundewelpen unterstützt.“ Weitere Informationen gibt es beim Kreisveterinäramt unter der Telefonnummer 02181/6013900.

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