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Criminale: Blut geleckt, statt den Rotstift zu zücken

Criminale: Blut geleckt, statt den Rotstift zu zücken

Erzählung von Horst Eckert spielt mit den Meerbuscher Klischees.

Büderich. Die Sorge von Detlef Horst Krügel und des Teams der Stadtbibliothek war unbegründet. „Bis zur vergangenen Woche waren nicht einmal zehn Karten verkauft. Doch in den letzten Tagen lief es dann richtig gut“, sagt der Fachbereichsleiter Kultur, der die beiden Criminale-Veranstaltungen in Meerbusch organisiert hat.

In der Stadtbücherei in Büderich ist der Andrang so groß, dass die 70 bereitgestellten Stühle nicht ausreichten. Auch der Krimi-Abend tags zuvor in der Therapieklinik ist mit 60 Zuhörern zufriedenstellend besucht — und das trotz des schönsten Biergartenwetters.

Das Konzept der Criminale mit Lesungen deutschsprachiger Autoren in 19 Städten am Niederrhein ist mit insgesamt rund 10.000 Besuchern aufgegangen. Meerbusch ist dafür das beste Beispiel.

„Schlaflos in Büderich“ — so lautet die Überschrift der Lesung von drei Autoren am Tatort Stadtbibliothek. Der Standort ist gut gewählt, spielt er doch in der Kurzgeschichte „Wir haben Ihre Tochter“ von Horst Eckert, der neben Jutta Siorpaes und Sebastian Stammsen in Büderich liest, eine entscheidende Rolle.

Denn auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz findet der Showdown in der Story des Schriftstellers aus Düsseldorf statt. Die Erzählung strotzt nur so vor lokalen Anspielungen: Eine Firma im Osterather Mollsfeld, ein Villenviertel in Meererbusch und der Imbisswagen auf dem Franz-Schütz-Platz kommen ebenso vor wie das Krankenhaus in Lank. Ob man sich in der Rheuma-Klinik in der Realität einen gebrochenen Finger schienen lassen kann, sei dahingestellt.

„Ich habe beim Lesen von Krimis immer gedacht, das könne man auch besser machen“, erläutert Autor Eckert den Zuhörern später, warum er mit dem Schreiben angefangen habe. Statt den Rotstift zu zücken, um unlogische Stellen zu markieren, habe er Blut geleckt und seine eigenen Geschichten niedergeschrieben.