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Comedy-Aufführung mit Generationskonflikt Stephan Bauer

Comedy-Aufführung mit Generationskonflikt Stephan Bauer

Stephan Bauer liebt eine jüngere Frau — und lässt den Zuschauer an seinen Problemen mit dem Älterwerden teilhaben.

Lank. Stephan Bauer hat eine Freundin — „endlich“, wie er selbst sagt, und bedeutend jünger als er selbst ist sie noch dazu. Kennengelernt hat er die „Sahneschnitte“ nach einem Verkehrsunfall. „Adresse und Telefonnummer werden ausgetauscht, einfacher geht’s nicht“, sagt der Frischverliebte. Dass der große Altersunterschied aber auch seine Tücken in sich birgt, das erfährt der geneigte Zuschauer im Forum Wasserturm in Bauers Programm „Warum Heiraten, Leasing tut’s doch auch“ auf höchst vergnügliche Weise.

Eigentlich ist das Thema Mann/Frau auf der Comedybühne abgegrast, zu viele Kollegen von Bauer haben sich daran mehr oder weniger erfolgreich versucht. Dass der 43-Jährige dem Geschlechterkampf dennoch neue Facetten abzugewinnen vermag, liegt nicht zuletzt an der schonungslosen Selbstironie, zu der Bauer fähig ist. Nicht umsonst waren seine beiden Vorstellungen in dieser Woche, die den Abschluss des Frühjahrsprogramms darstellten, frühzeitig restlos ausverkauft. Bauer hat sich eine Fangemeinde aufgebaut, die zumeist altersmäßig seiner Generation angehört.

Zu der gehört die scharfe Sina zweifelsohne nicht. Bauers 15 Jahre jüngere Eroberung kennt weder Derrick noch Dalli Dalli, The Police oder The Cure. Und mit seinem Fachwissen aus der Bravo kommt der liebestolle Schwerenöter im Bett auch nicht weit. Der Generationskonflikt ist demnach ebenso programmiert wie die daraus resultierenden Minderwertigkeitskomplexe.

Die Pointen bei Bauer sitzen nicht immer und sind bisweilen vorausschaubar. Der eine oder andere platte Witz ist ebenfalls dabei. Doch der Zuschauer hat nicht die Zeit, schwächere Sequenzen kritisch zu hinterfragen, derart rasant ist das Tempo, mit dem der Kabarettist die Bandbreite des männlichen Fehlverhaltens durchkämmt.

Hinzu kommt der Identifikationseffekt mit dem Protagonisten auf der Bühne, der sich vor allem bei Bauers melancholischen Rückblicken in die Kindheit einstellt. Denn wer ist nicht selbst früher beim Monopoly immer auf Bad- und Turmstraße sitzengeblieben, während die familiäre Konkurrenz protzige Hotels auf der Schlossallee bauen durfte.

Bauer hat zudem das Talent, sich seine ganz persönliche Logik zusammenzuzimmern, die spätestens auf den zweiten Blick durchaus schlüssig erscheint: „Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?“, fragt er angesichts der zunehmenden Anzahl an Vegetariern um sich herum. Und schließlich steht er auch dem Heiraten gar nicht mehr so kritisch gegenüber: „Da hat man wenigstens immer dieselbe Bezugsperson, die einen ablehnt.“