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Buretheater: Neuinszenierung von „Tante Lieske — lot dat sin“

Buretheater: Neuinszenierung von „Tante Lieske — lot dat sin“

Neuinszenierung von „Tante Lieske — lot dat sin“ des Buretheaters kommt beim Publikum gut an.

Lank-Latum. Zunächst musste Regisseur Peter Pütz ein Gerücht aus der Welt schaffen: „Das Lotumer Buretheater wird weiter existieren — auch nach dem Tod von Karl Schmalbach.“ Vor zwei Monaten starb der Autor, Regisseur und Gründer des Mundarttheaters, am Sonntag fand nun die Premiere des aktuellen Stücks „Tante Lieske — lot dat sin“ statt. Das war sicher nicht leicht für die Schauspieler, doch das Ensemble meisterte die Herausforderung — zumal ihr Ur-Vater von einem als Requisit verwendeten Porträt das Geschehen auf der von Günther Margielsky gestalteten Bühne stets im Blick hatte.

„Tante Lieske“ hat das Lotumer Buretheater bereits vor 15 Jahren aufgeführt. Damals gab es noch die D-Mark, und Handys waren doppelt so groß wie heute. Das Stück spielt eigentlich sogar Mitte der 80er Jahre, als die Mobiltelefone eher einem überdimensionalen Knochen ähnelten. Diese und andere Anspielungen an alte Zeiten hat Regisseur Pütz in die Neuinszenierung als gelungene Reminiszenzen eingebaut. Und der Wiedererkennungswert macht Spaß.

Spaß macht auch gleich der Beginn des Stücks, wenn sich mit Angela Pütz als Tante Lieske und Liesel Beeck als Nachbarin Trina Ikonen des Lotumer Buretheaters ein erstes Wortgefecht auf Platt liefern. Da weiß der Zuschauer gleich, worauf er sich eingelassen hat.

In der Folgezeit kann es für einen Neuling im Buretheater sicher nicht schaden, wenn man einen Kenner der Szenerie als dolmetschenden Souffleur neben sich sitzen hat, um inhaltlich am Ball zu bleiben. Dennoch bleibt festzuhalten: Es wird nicht übertrieben. Platt ist zwar die Sprache der Protagonisten aus dem bäuerlichen Milieu. Aber man kann damit leben, dass sich hin und wieder die Mehrzahl im Saal vor Lachen biegt, während man selbst verwirrt und letztlich vergeblich versucht, die Pointe nachvollziehen.

Natürlich gibt es wie in fast jedem Schmalbach-Stück den Hochdeutsch räsonierenden Gegenpart — in diesem Fall die allzu sozial eingestellte Frau Pichelsteiner-Sockenhausen, die von Barbara Skerhut nachvollziehbar naiv in dem ihr wenig vertrauten Ambiente verkörpert wird.

Angela Pütz und Liesel Beeck sind selbstverständlich die Stars auf der lokalen Bühne. Im dritten Akt laufen beide endgültig zur Hochform auf, wenn sie als zugekokste Omis den Schneewalzer tanzen. Doch auch vermeintliche Nebenrollen sind stark besetzt. Zu erwähnen ist an dieser Stelle vorrangig Tim Thönnissen, der dem Dorfpolizisten mit einer gelungenen Mischung aus Beamtenmentalität und Beschränktheit Konturen gibt.

In eine schwierige Rolle muss Daniel Groß schlüpfen, der den armenischen Türken Jusufi spielt und dabei textlich auf einem schmalen Grat zwischen Klischee und Komik wandelt. Doch Groß macht seine Sache gut. Jupp (Robert Paas) und vor allem Finchen Zimmermann ( Gerda Paas) benötigen etwas Zeit, um sich aus dem Schatten der anderen, denen mehr Pointen vergönnt sind, freizuspielen. Aber mit zunehmender Gehässigkeit, die Tante Lieske zu spüren bekommt, wird auch dieses Defizit ausgemerzt.

Die eigentliche Geschichte vereint alle Aspekte, die eine rheinische Komödie ausmacht: Slapstick, Wortwitz und viele Wendungen, Wirrungen und Irrungen. Bis die am Ende aufgelöst sind, vergeht einige Zeit und das Stück zieht sich ein wenig bis zum Finale. Den Liebhabern des Buretheaters wird’s egal sein, und so kann man davon ausgehen, dass auch die nächsten 19 Gastspiele wieder mehr oder weniger ausverkauft sein dürften.