Büdericher Apotheke schließt: Mörser als Salatschüssel

Büdericher Apotheke schließt: Mörser als Salatschüssel

Die altmodisch-schöne Büdericher Apotheke ist Vergangenheit.

Büderich. Mit einem Flugblatt an der Schaufensterscheibe hat sich das Apothekerpaar Erika und Franz Förster zum Monatsbeginn von seinen Kunden verabschiedet. 35 Jahre lang haben sie die Büdericher Apotheke an der Ecke Moerser Straße/Necklenbroicher Straße geführt. Der Rückzug aus dem Berufsleben war geplant, ein Nachfolger schon gefunden. Doch am Ende scheiterte die Übernahme der Apotheke. Der neue Vertrag mit dem Hausbesitzer kam nicht zustande.

Am Freitagabend ist endgültig Schluss: Dann werden die letzten Tiegel und Mörser in unterschiedlichster Größe, Handwaagen für Gifte wie Morphin und Jodoform, halbmeterhohe weiße Porzellanbehältnisse für Vaseline, Blechdosen, Pipetten und Reagenzgläser sowie ungezählte, teils mundgeblasene Apotheker-Flaschen verkauft sein. Was keinen Liebhaber gefunden hat, aber dennoch erhaltenswert erscheint, wird vorsichtig in Kartons verpackt, in ein Lager transportiert und später anderenorts angeboten.

Der Herr dieser Auflösung ist Bernd Schuffenhauer. Seit 30 Jahren kauft und verkauft er Apothekeneinrichtungen. Er versilbert alles, vom kleinen Hornschäufelchen bis zur mechanischen, aber sehr exakten eisernen Babywaage, die grammgenau bis zu zehn Kilo misst. Selbst der 4,50 Meter breite, 2,50 Meter hohe Eichenwandschrank mit 85 Schubladen und der schöne Giftschrank müssen weg.

Was für die ehemaligen Besitzer schmerzhaft ist, ist für Passanten eine Attraktion. Glaubt man den Käufern, wird in mancher Küche bald ein Mörser als Salatschüssel dienen, der Alkohol aus einer jahrzehntelang steril gehaltenen Apothekerflasche mit Glasstopfen eingeschüttet und Reagenzgläser als Blumenvasen dekoriert werden.

„Ein bisschen Essigwasser und dann gut umspülen“, empfiehlt Schuffenhauer einem Käufer, der den Spiritusbehälter künftig als Karaffe nutzen will. Alle Gegenstände, die angeboten würden, seien lebensmittelecht, versichert er. Die Holzkiste für Ohrenbinden, die unbeachtet im Schaufenster steht, muss diesen Anforderungen nicht genügen.

Viele Kunden reagierten betroffen auf die Aufgabe des Standorts, erzählt der Sulzheimer. „Sie haben die außergewöhnliche und altmodische Einrichtung geschätzt.“

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